CAE GAUNTT - Ein Porträt
Von Michael Jung. Geprüft und genehmigt von Cae.

Inhaltsverzeichnis:

       ·Einleitung

       ·Vom Kleinkind zum Teen

       ·Eddie tritt in Cae's Leben

       ·Neu in Wien

       ·Eine wichtige Entscheidung

       ·Mutterglück

       ·Na ja, warum nicht?

       ·Der Beginn der Karriere

       ·Die zwei ersten Solo-Erfolge

       ·Luke sorgt für neue CD

       ·Das Comeback

       ·Zwei Band-Konzepte und eine Live-CD

       ·Ganz persönlich

       ·Amerika-Feeling

       ·Hoffnungs-Garten

       ·Erfolg, Beliebtheit und Stolz

       ·Schlußbemerkungen




(Einleitung) [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Wer auch nur eine von Cae Gauntt's sieben Platten kennt oder sie schon live erlebt hat, wird sich wohl nicht gut vorstellen können, dass die gebürtige Texanerin es nach ihrem Gesangsstudium vor lauter Lampenfieber kaum schaffte, vor einem Publikum zu singen - sie brachte keinen Ton heraus! Das legte sich dann schließlich derart auf die Stimmbänder, dass ihr die Gesanglehrerin allen Ernstes riet, das Singen aufzugeben...
Dabei kann nicht jeder das Fach "Klassischer Koloratursopran" studieren. Cae verlor dann nach einiger Zeit ihre Nervosität; was blieb war die hervorragende Gesangsbegabung, die der sympathischen Wahl-Deutschen so manche berufliche Tür öffnete und sie zur bekanntesten und beliebtesten christlichen Sängerin in Deutschland machte. Doch was zuerst nach einer Bilderbuchkarriere aussieht, war in Wirklichkeit kein leichter Weg...



Vom Kleinkind zum Teen [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Am 21.04.1956 wurde Cae als Catherine Ellen in Ft. Worth/Texas USA geboren. Ihr Vater war Kiefer-Chirurg bei der amerikanischen Luftwaffe und so wuchsen Cae und ihre Schwester in Staaten wie den USA und Japan auf. Ihre Mum war eine Zeit lang Lehrerin an einem College - "bis ich angefangen habe, Probleme zu machen. Da hat sie ihren Job aufgegeben, damit sie ihrer schwierigen Tochter mehr Zeit widmen kann." Auf die Frage, wieso sie eine schwierige Tochter war, antwortet Cae: "Es gab nur Streit. Wenn meine Mutter gesagt hat: 'Bitte zieh die Schuhe an', dann habe ich sie extra nicht angezogen. Oder wenn sie mich gebeten hat, etwas zu holen, dann bin ich extra sitzengeblieben, nur damit sie es dreimal sagen musste. Ich habe alles mögliche versucht, um meine Eltern zu ärgern. Ich war echt furchtbar, extrem rebellisch. Aber ich muss dazu sagen, dass mein Vater viel zu streng war. Und das war ein bisschen meine Reaktion darauf." Aber: Ihre Eltern bestanden trotzdem darauf, "dass ich am Sonntag und am Mittwoch mit ihnen in die Kirchengemeinde ginge, solange ich unter ihrem Dach wohnte. Heute kann ich mit vollem Herzen dankbar sein, dass sie so fest geblieben sind. Der einfachere Weg wäre bestimmt gewesen, nachzugeben: 'Gut, bleib du zu Hause, wir gehen hin.' Aber meinen Eltern war es einfach wichtiger, dass ich dieses Fundament bekomme."

Zu ihrer Bekehrung erzählt sie folgendes: "Als ich sieben war, hab ich das, was ich im Gottesdienst und in der Kinderstunde gehört habe, so verstanden, dass ich Gott brauche. Ich wusste aber nicht genau, warum. Mir wurde dann relativ schnell beigebracht, dass es mit Schuld zu tun hat und dass ich Jesus um Vergebung bitten muss, damit er in mein Herz kommt. Und dann hab ich mich taufen lassen. Ungefähr mit 14 habe ich gedacht: 'Das hat damals nicht gezählt. Eigentlich verstehe ich erst jetzt, was es bedeutet Christ zu sein.' Deshalb habe ich mich noch mal taufen lassen. Aber in den Jahren danach hab ich gemerkt: Christ zu sein hat eigentlich nichts mit dem Moment zu tun, bei dem ich nach vorne gegangen bin, sondern dass es täglich neu ist, Christ zu sein. Dass ich mich jeden Tag wieder neu zu Jesus bekenne."

Schon als Kleinkind war Cae äusserst kreativ: "Ich habe mit drei oder vier Jahren angefangen, kleine Lieder über alltägliche Erlebnisse zu komponieren. Mit fünf Jahren habe ich eine Geschichte erfunden, die meine Mutter in ein Buch gefasst hat. Ich habe sie dann selber illustriert. Mit sechs Jahren haben meine Schwester und ich einen Sketch ausgedacht, Kostüme und Bühnenbild entworfen und die Rollen dargestellt: eine Prinzessin und ihr Sklave." Auch als Teen gehörte Kunst zu ihren Hobbies: "Ich habe sehr gerne gemalt. Viele Ölgemälde hängen noch zu Hause bei meinen Eltern. Ich habe ohne Ende gebastelt. Ich habe winzige Gemälde auf Schmuck gemalt, kleine Landschaften und so was, und die habe ich verkauft." Weitere Hobbies waren ihre Haustiere, Bücher lesen und natürlich das Singen. Zuerst noch zu Hause mit der Mama: "Meine Mutter hat sehr viel mit mir gesungen. Ich konnte fast singen, bevor ich sprechen konnte..." Später dann aber ohne Mama und auch nicht mehr zu Hause: "Immer und ohne Unterbrechung habe ich gesungen. Ich habe bei vielen Musicals in der Schule mitgemacht. Und wir haben auch in der Gemeinde Musicals aufgeführt. Das waren super Erfahrungen." Mit 16 Jahren nahm sie dann auch ihren ersten Gesangsunterricht.

Cae's absoluten Lieblingsfächer in der Schule waren Kunst und Musik. Ausserdem haben ihr Englisch und Literatur gut gefallen. Allerdings: Ihr Traumberuf "war auf keinen Fall Sängerin. Damals war ich noch so nervös, wenn ich gesungen habe, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass es mir einmal richtig Spaß machen würde." Und auf die Frage, ob sie nochmals Sängerin werden würde, wenn sie wählen könnte, erwidert sie bescheiden: "Einerseits habe ich als Sängerin unheimlich gute Möglichkeiten, andererseits wünschte ich mir, weniger im Rampenlicht zu stehen. Ich könnte mir gut vorstellen, in einem anderen Beruf mehr im Hintergrund den Mitmenschen zu dienen, z.B. als Kranken- schwester. Als Sängerin habe ich eine große Verantwortung, ich muss auch Seelsorger und vieles mehr sein. Eigentlich verbringe ich die wenigste Zeit mit Singen. Also, das Singen ist zwar ganz schön, aber ich weiß nicht, ob ich es nochmals wählen würde."



Eddie tritt in Cae's Leben [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Natürlich war auch für den Teeny Cae die Liebe ein wichtiges Thema: "Es gab sehr viel Liebeskummer. Aber ich war auch verknallt in einen Jungen und sobald ich ihn ein bisschen besser kennengelernt habe, habe ich gemerkt: IIhhh!! Und dann hat es sofort in Abneigung umgeschlagen. Es gab fast nichts dazwischen - entweder war ich völlig verliebt oder ich konnte ihn gar nicht ausstehen. Bis es Eddie gab."

Ihren späteren Ehemann Edward lernte sie an der Uni kennen. Beide studierten an der "Baylor University" in Waco/Texas Gesang und Musiklehramt. Den Weg bis zu ihrem Kennenlernen beschreibt sie so: "Wir haben zusammen studiert und hatten die gleiche Klavierlehrerin. Sie hat mir ewig lang erzählt von diesem 'netten jungen Mann'. Eines Tages mussten wir unsere Klavierstücke für die anderen Schüler vorspielen. Eddie war auch da. Als ich ihn gesehen habe, bin ich fast in Ohnmacht gefallen. Das war mein Traummann in Person. Und er hat gespielt wie ein Gott. An dem Tag bin ich nach Hause gekommen, habe meine Mutter angerufen und gesagt: 'Ich habe heute den Mann getroffen, den ich heiraten will.' Dann habe ich erfahren, dass wir sogar im selben Block wohnten. Ein paar Tage später ging er an meinem Fenster vorbei. Ich wusste, dass er vor kurzem da eingezogen war. Also ging ich an die Tür und sagte: 'Hey, du bist neu hier! Hier hast du ein Housewarming-Present!', und habe ihm eine Packung Götterspeise zugeworfen. Er hat sie gefangen und sagte: 'Danke. Wie heißt du?' - Und ein paar Tage später hat er mich gefragt, ob ich mit ihm zu einer Geburtstagsfeier kommen möchte."



Neu in Wien [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Während und auch nach dem Studium übernahm sie zahlreiche Bühnenrollen in bekannten Musicals der 70er Jahre und war mit solistischen Konzerten in den USA unterwegs. Als Solistin der amerikanischen Gospel-Chorgruppe "The Continental Singers" bereiste sie erstmals Europa. Ausserdem machte sie erste Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen und unterrichtete ein Jahr lang Schauspiel und Musik an einer Grundschule in Texas.

Frisch mit Cae verheiratet bekam Eddie 1978 ein zehnmonatiges Stipendium als klassischer Bariton an der Wiener Staatsoper. Eddie berichtet: "Da habe ich dann Deutsch studiert und Cae hat sich geweigert. Sie sagte: '10 Monate? - Das lohnt sich nicht!'" Für Cae war diese Zeit nicht gerade aufregend: "Ich konnte kein Wort Deutsch, hatte in Wien keine Freunde und fühlte mich sehr einsam." Eddie erzählt von Cae's Problemen weiter: "Während dieser Zeit kamen Vorsingen für's Theater an der Wien und ich habe sie gezwungen, mitzumachen."

1980 bekam sie dann die Rolle der Maria Magdalena in dem unter Christen nicht unumstrittenen Musical "Jesus Christ Superstar" von Andrew Lloyd Webber und spielte sie zwei Jahre lang im berühmten Theater an der Wien vor ausverkauften Haus. Wie sieht sie heute ihren Part und das gesamte Musical? "Ich hatte und habe da weniger Probleme als andere", gesteht Cae. "Die Deutschen sind gründlich und analysieren demzufolge auch alles sehr tief. Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, das Musical theologisch kritisch zu bewerten, obwohl ich damals bereits Christ war. Das Wichtigste für mich an der Wiener Inszenierung war die Schlussszene. Normalerweise bleibt in diesem Musical 'Jesus' am Kreuz hängen und der Vorhang fällt. Nun, dieser Regisseur entschied sich, 'Jesus' vom Kreuz herabsteigen zu lassen, das Ensemble umringt den Auferstandenen und verlässt mit ihm die Bühne - dann erst fällt der Vorhang."

Doch dort in Wien gab es für beide eine wichtige Entwicklung in ihrem Christsein. Cae: "Wir zogen nach Wien und dachten: 'Hu, jetzt sind wir frei! Keiner kennt uns. Wir müssen nicht mehr in die Kirche gehen. Ab jetzt schlafen wir sonntags länger.' Dann erzählte uns jemand von einem texanischen Kammersänger, den wir kennenlernen müssten. Wir versuchten ein paarmal vergeblich, ihn in der Staatsoper zu treffen, bis er uns anrief: 'Am Sonntag bin ich in einer Kirche, da können wir uns treffen.' - 'Na ja,' dachten wir, 'dann müssen wir halt am nächsten Sonntag früh aufstehen und hinfahren.' Diese Gemeinde war ein absolutes Erwachen für uns. Dort trafen wir zum ersten Mal Christen, die nicht da waren, weil sie mussten oder aus sozialen Gründen - das alles kannten wir aus unserer Kindheit. Diese Christen waren da, weil sie es so wollten. Durch die Begegnung mit solchen Menschen gewann das Christsein eine ganz andere Ebene für uns, eine andere Wichtigkeit, eine Lebendigkeit."



Eine wichtige Entscheidung [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Plötzlich fand sich Cae an einer Gabelung ihres Lebensweges wieder, an der sie entscheiden musste, ob sich für sie der Vorhang öffnet oder ob er fällt: Theater-Intendant und Musical-Spezialist Peter Weck lud sie zum Vorsingen für die Starrolle der Grizabella in "Cats" ein. "Cats" ist inzwischen das am längsten gespielte Musical überhaupt.

Doch nach längerem inneren Kampf lehnte Cae ab, weil sie keine Wochenend-Ehe mit ihrem Mann führen wollte, dem in der Zwischenzeit ein Engagement als Opernsänger am Operntheater in Krefeld angeboten wurde. Wusste sie denn, was sie tat, als sie dieses einmalige Angebot ausschlug? "Ja, ich war mir dessen bewusst", sagt sie überzeugt.

Dabei hätte sie viele gute Gründe gehabt, es nicht abzulehnen: Nicht nur am Theater lief es mit mehreren Musicals karrieremäßig glänzend, sondern auch die verschiedenen Fernsehsendungen des ORF, an denen sie beteiligt war, hatten hohe Einschaltquoten. Ausserdem tourte sie mit einer bekannten Big Band durch Österreich und sang auf Bällen und Galas. Warum also auf dem Weg nach oben nicht auch "Cats" einstecken? Ungeschminkt gesteht sie: "Damals waren Eddie und ich noch sehr vom Karrieredenken geprägt! Ich habe gesehen: Alles läuft ziemlich gut für meine Karriere und ich hatte richtig große Pläne. Dann auf einmal kommt der Eddie und sagt: 'So, wir ziehen nach Krefeld.' Und ich sagte: 'Ich nicht. Du kannst nach Krefeld ziehen, ich bleibe hier. Hier ist mein Job, hier sind meine Freunde.' Oh, das war echt schwierig! Ich habe richtig dagegen gekämpft." Sie habe zwar damals mit Gott um eine Antwort gerungen, habe es sich aber zu leicht gemacht. "Mein Plan war es, erstmal vorzusingen - sollte ich die Rolle bekommen, so konnte das doch nur Gottes Wille sein, redete ich mir ein." Cae lag viel daran, in Wien zu bleiben und am beruflichen Erfolg zu zimmern. "Wir kannten und kennen viele Paare unter den Theaterkollegen, die eine Wochenend-Ehe führen. Warum sollte das nicht auch bei uns möglich sein?" fragten sich die Gauntt's. Allerdings im Hinterkopf "haben wir beide gewusst, dass, wenn er nach Krefeld geht, unsere Ehe bestimmt nicht lange hält. Aber mir war das irgendwie egal." Entscheidungshilfe gab da ein enger Freund aus ihrer Gemeinde, der die Gabe hatte, "Sachverhalte 'durchsichtig' zu machen", wie Cae es ausdrückt. "Er sagte zu mir: 'Ich glaube, du bist an einem Wendepunkt angelangt, an dem du dich zwischen beruflichen Erfolg und deiner Ehe entscheiden musst. Lass nicht zu, dass Umstände oder andere Menschen diese Entscheidung für dich treffen!'"

Zum Vorsingen für die "Cats"-Rolle kam es nicht. Nach vielen Gebeten wurde Eddie und Cae klar, dass der Beruf von Eddie Vorrang hat und dass sie gemeinsam nach Deutschland gehen werden. Nachdem diese "wichtige Entscheidung für mein Leben" getroffen war, spürte Cae eine "innere Ruhe". Eddie dankbar dazu: "Ich bin froh, dass sie die Ehe vorgezogen, alles abgeblasen, keine Vorsingen mehr gemacht hat und mitgekommen ist." Damals hat Cae etwas Wichtiges gelernt: "In dieser Zeit habe ich Gott persönlich kennengelernt, und wie er hilft, wenn wir es ernst meinen." Eine wichtige Frage stellt sich noch: Hat sie manchmal zurückgeschaut, Reue empfunden und gedacht: "Was wäre gewesen, wenn ich vollzeitlich und ganz meine Karriere gemacht hätte?" Cae's überraschende Antwort: "Ich kann wirklich ehrlich sagen: keine Sekunde."



Mutterglück [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

War es nun, 1983, wieder genauso schwer, sich in einem neuen Land einzuleben? "Am Anfang war es hier in Deutschland schwierig. Ich bin ein Typ, der seine Gefühle ganz offen zeigt, was m.E. ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Deutschen und Amerikanern ist. Das bereitete mir einige Probleme, denn ich wurde sehr oft missverstanden. Der erste Eindruck, den ich von den Deutschen hatte, war nicht sehr gut: Ich fand sie kühl und distanziert. Andererseits muss ich dazu sagen: Nach vier Jahren Wien kam mir Deutschland gleichzeitig wie ein Paradies vor! Die unverhohlene Ablehnung, wie wir sie in Österreich zu spüren bekamen, gibt es in der Bundesrepublik nicht. Wir fühlten uns hier wie zu Hause." Und, kein Heimweh mehr? Cae zögert lange Zeit mit einer Antwort. "Hm, eigentlich nicht mehr. Dann schon eher 'Familienweh'. Wir hatten zu Hause eine sehr enge Familienbeziehung; besonders mit meiner Schwester." Kurz nachdem die Gauntt's in die Nähe von Krefeld gezogen waren, wurden sie Eltern: Alexander kam auf die Welt. Doch wie ist das, wenn eine Karrierefrau plötzlich Mutter wird? "Als unser Alex da war, war ich fixiert auf dieses Kind. Ich habe ihm vorgelesen, vorgesungen, mit ihm getanzt, wir sind unendlich lange spazierengegangen. Denn in Krefeld wohnten wir in einer kleinen Kellerwohnung mit nur zwei Zimmern und zwei Fenstern. Es war kalt und feucht alle zwölf Monate im Jahr, obwohl die Heizung voll aufgedreht war. Die Wohnung stand öfters unter Wasser, immer wenn es stark geregnet hatte und der Gully voll war. Es war dunkel und traurig und eigentlich eine grauenhafte Umgebung für ein Baby. Aber ich habe es damals nicht einmal gemerkt, so war ich mit diesem Kind beschäftigt."



Na ja, warum nicht? [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Am Beginn ihrer Musik-Karriere in Deutschland gaben Cae und Eddie noch gemeinsam Konzerte. Cae erzählt von den Anfängen: "Wir lebten ein Jahr im "Christcamp", das ist ein Lebenszentrum für junge Leute. Dort lernten wir ein Ehepaar kennen, mit dem wir uns wirklich ganz toll verstanden. Er war Polizist und spielte hobbymäßig Gitarre, und zusammen haben wir Lieder gesungen. Er hatte die Idee, zusammen mit uns auf dem ersten christlichen Polizeikongress aufzutreten. Er würde Gitarre spielen und Eddie und ich sollten singen. Wir dachten: 'Na ja, warum nicht?' Das Konzert fand im "Neues-Leben-Zentrum" statt, und dort waren nicht nur Polizisten, dort war auch Klaus Heizmann. Er suchte Solisten für seinen Chor und war gekommen, um uns zu hören. Gleich nach dem Konzert nahm er uns zur Seite und fragte: 'Wie wär's, wenn ihr mit meinem Chor als Solisten auftreten würdet?' 'Na ja, also gut, warum nicht?', dachten wir."

Von 1984 bis 87 gingen die beiden dann mit dem "Chor des Musischen Bildungszentrums", kurz: "MBZ-Chor", auf Tournee. "Dann begannen Leute bei uns anzufragen, ob wir vielleicht auch ohne Chor auftreten könnten. Wir haben ja gesagt. Eddie und ich stellten ein Programm zusammen: Er brachte mehr klassische Stücke und ich mehr Popmusik. So gaben wir etwa zwei Jahre lang Konzerte. Dann kam, was kommen musste: Am Tag eines Konzertes erkrankte einer von Eddie's Kollegen, so dass er im Theater einspringen musste. Ich meinte: 'Dann sagen wir das Konzert ab.' Doch Eddie sagte: 'Nein, du gehst und machst das alleine.' Darauf sagte ich: 'Eddie, das ist unmöglich. Ich kann nicht ein ganzes Konzert alleine machen.' Aber er erwiderte: 'Doch, das kannst du. Probier es!' So war es unser Leben lang: Eddie sagte immer: 'Doch, das kannst du.' Also habe ich mit Florian Sitzmann, der mich immer noch auf dem Klavier begleitet, Lieder rausgesucht, Spirituals und Gospels. Nach dem Konzert wurde ich gefragt, ob wir das noch einmal machen würden. Und während Eddie immer mehr am Theater engagiert war, so dass es schwieriger für ihn wurde, frei zu bekommen, wurde ich mehr und mehr zu Solokonzerten eingeladen." Ein anderer Grund dafür, dass sie nicht mehr gemeinsam Konzerte gaben, waren Streitereien bei der Programmplanung der Konzerte. Cae gibt zu: "Das war für uns beide nicht sehr befriedigend. Da durfte Eddie seine richtig klassischen und ich meine richtig fetzigen Sachen nicht machen. Wir mussten uns irgendwo in der Mitte treffen, aber das war für uns beide nicht das Gelbe vom Ei. Auch wenn es schön war, für ein gemeinsames Ziel zu arbeiten, war es musikalisch nicht sehr befriedigend." Und Eddie fügt ehrlich hinzu: "Wir haben sehr viel bei Proben gestritten. Du wusstest, was du wolltest und ich wusste, was ich wollte - Und das war einfach nicht das Gleiche."



Der Beginn der Karriere [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Seit Herbst 1985 wohnen Gauntt's in der Nähe von Karlsruhe, wo Eddie als Bariton am Badischen Staatstheater singt. Von dort begann auch Cae's verstärkte Konzerttätigkeit. Doch was sagt der Eheman dazu, wenn seine Frau alleine loszieht und ihre eigenen Konzerte macht? "Ich bin sehr froh, dass Cae das tut. Dafür ist sie geboren, und ich finde, dass sie es sehr gut macht. Sie ist auch glücklich dabei. Es gibt zwar Zeiten, wo dieses Leben viel Stress bereitet, doch es gehört zu ihr und unserer Familie. Ich könnte sie nicht aufhalten, sonst würde ich sie unterdrücken. Ich unterstütze sie, indem ich selbst koche und die Kinder versorge."

1985 erschien eine Demo-Kassette von Eddie und Cae, zusammen mit dem "MBZ-Chor" und bekannten Musikern wie Helmut Jost, Lothar Kosse, Hansi Scharnowski, Thomas Adam und Ebi Rink. Diese fünf Herren stellten auch Cae's erste Band bei Solo-Konzerten dar. Die Kassette mit softem Pop, neu arrangiertem Heilsliedgut und klassisch Angehauchtem sollte als Starthilfe für eine solistische evangelistische Arbeit der beiden dienen.

Daraufhin konnte man Cae auf mehreren Produktionen im Chor hören: Auf Hella Heizmann's "Und es begab sich" (Veröffentlichung 85), auf "Ton in Ton" (87) von Jürgen Werth und bei Jan Vering auf "Alte Freunde - Neue Lieder" (86) sogar mit einem kleinen Solo und einem "Dialog" mit Jan, der sie danach auch auf einige seiner Tourneen mitnahm. Doch als Solistin hörte man sie auf weitaus mehr Schallplatten: So auf den "MBZ-Chor"-Produktionen "Farbe kommt in dein Leben" (87) und "Lichtblicke" (86), wonach über sie geschrieben wurde: "Cae macht Anstalten, die absolute Überflieger-Solistin zu werden, nach der lange gesucht wurde". Ausserdem sang sie auf den LP's "Psalm 23" (87) und "Wer im Glashaus sitzt" (87) vom Chor "Prisma"; über ihr Solo auf letzterer Produktion wurde geschrieben: "Cae singt alle an die Wand". Nicht zu vergessen ist ihr Mitwirken beim hochgelobten und super-erfolgreichen "Jona"-Musical (87) von Johannes Nitsch und den anschließenden Tourneen durch ganz Deutschland.



Die zwei ersten Solo-Erfolge [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Im Herbst 1987 erschien, worauf viele lange gewartet hatten: Ihre erste eigene LP mit dem schlichten Titel "C.A.E.", was eine Abkürzung für "Christ is the Answer for Everyone" ist. Darauf: Pop, Balladen, Gospel, Disco der 80er und Südseehaftes - insgesamt elf Titel. Das Debüt schlug bei Publikum, Musikern und Presse ein wie die sprichwörtliche Bombe. Die Presse fragte in LP-Kritiken: "Welche Sängerin der hiesigen Szene zieht ebenso hochklassig nach?"

Nach diesem Solo-Debüt war Cae gefragter als nie zuvor und wirkte wieder auf vielen Platten anderer bekannter Künstler mit: Als Solistin auf "Choräle im neuen Sound" (87) von Produzent Dieter Falk, auf "Und der Himmel begann zu singen" (87) von Jan Vering, auf "Anbetung" vom JanzTeam (88), ausserdem auf Clemens Bittlinger's Klassiker "Mensch sing mit!" (88) und bei dem Musical "Josef - Eine Traumkarriere" (88) von Johannes Nitsch. Im Background sang sie auf Jan Vering's "Wie Gott mir, so ich dir" (88), bei Nicole Vogel auf "Vogelperspektive" (89), bei Johannes Nitsch auf der gleichnamigen Solo-CD (89) und auf "Perfect Therapy" (89) von Andy Pratt. 1989 erschien ausserdem das Video "Was uns hält - Cae & Eddie Gauntt: Ein musikalisch Porträt" von Rainer Wälde beim ERF.

Im Dezember 1989 war es dann wieder so weit: Ein neues Cae-Album. "Oh Cae" hieß es - wieder ein schlichter Titel, wieder eine Mischung aus Pop, Soft-Rock, Balladen und Gospel, wieder elf Songs, davon diesmal sechs selbstgeschrieben, wieder von Dieter Falk produziert - und wieder ein großer Erfolg, denn die Scheibe ist die meistverkaufte deutsche christliche CD aller Zeiten!



Luke sorgt für neue CD [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Ende 1990 machte dann eine traurige Nachricht die Runde: "Cae gibt keine Konzerte mehr!" Der zweite Teil der Meldung war dafür um so erfreulicher: "Cae wird nochmal Mommy!" Als Entschädigung für alle, die trotzdem noch enttäuscht waren, und für die anderen natürlich auch, erschien 90 ein Live-Video und im Juli 1991 die CD "The Circle of Love". Am 18.07. um 23:54 Uhr erschien dann Lukas in einer Größe von 52 cm! Den Namen erhielt Luke übrigens von Bruder Alex, der solch ein Lucky-Lucke-Fan war, dass sein Brüderchen entweder Lucky oder Lukas heißen musste.

"The Circle of Love" war zum Erstaunen aller total anders: Die "neue Cae" wurde angepriesen mit Begriffen wie "persönlich", "akustisch", "pur", "ruhig", "einfühlsam", "nachdenklich". So gab's eine zwölf-titelige facettenreiche Mischung aus Akustik-Pop, Gospel, Jazz, Blues und Balladen, davon sieben Tracks aus Cae's eigener Feder. "Ich hatte Lust, mal etwas total anderes zu machen", meint Cae dazu. Aber sie sagte auch in einem Promotion-Interview: "Sie ist eine Ausnahme, und das sollte jeder wissen, der sie hört." Wahrscheinlich sagte sie das zur Beruhigung der Plattenfirma, der vielleicht ein bisschen mulmig bei dem Gedanken war, dass die "neue Cae" im anderen Sound einen Teil ihres alten, vorwiegend jugendlichen Publikums verschrecken könnte. Allerdings wurde dieser Verdacht nicht bestätigt, denn die CD kam überall überraschend gut an. Produziert wurde wieder von Dieter Falk, mit dabei waren diesmal auch Ehemann Eddie im Titelsong und die bekannte Chanson-Sängerin Pe Werner in den Backings.

In der Mutterschaftspause meldete Cae sich nur selten zu Wort: Im Herbst 91 gab's auf dem Sampler "Romantic Rock 2" ein Remix des Song's "Circle of Love", diesmal zusammen mit David Hanselmann, der vom Fußball-WM'90-Song "Go get the Cup" bekannt ist. Ausserdem sang sie auf Dieter Falk's "Colours"-CD (92) im Background, auf "Wenn wir Gott in der Höhe ehren" (92) von Johannes Nitsch ein Solo und später auf den gleichnamigen Konzerten.



Das Comeback [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Anfang 1993 gab Cae nach zweieinhalb Jahren Bühnenabstinenz wieder Konzerte, allerdings viel weniger als vorher. Waren es früher zwischen 100 und 150 Konzerten pro Jahr, so gab sie 93 nur noch 30 Konzerte und 15 sonstige Auftritte. Aber: Ihre Konzerte kamen super an - Keine Spur vom befürchteten Karriere-Knick. Cae dazu: "Ich war besorgt darüber, wieder Konzerte zu geben. Aber die Zuhörer waren über meine wildesten Erwartungen hinaus aufnahmefähig. Ich kann nicht erklären, warum. Es wird für mich immer ein Rätsel sein, warum die Menschen mir soviel Herzlichkeit entgegenbringen. Ich glaube nicht, dass ich jemals verstehen werde, warum. Ich bin einfach sehr dankbar dafür." Neu war auch die Nachdenklichkeit, die Cae in ihren Liedern und Zwischenansagen auslöste. Sie scheute sich auch nicht, kritische Töne anzuschlagen, z. B. zu den Themen "Abtreibung", "Wahre Liebe wartet" und "Ausländer". Musikalisch ging es ebenfalls kantiger zu als gewohnt. Im Gepäck waren zwar eine ganze Reihe altbekannter Songs, aber die verblüfften durch pfiffige Neuarrangements, die zum Teil aber auch gewöhnungsbedürftig waren. Auch waren "einige richtig rockige Titel im Programm", erklärt sie die Unterschiede zu früher. "Ausserdem sage ich heute viel eher meine Meinung. Ich habe viel in der Bibel zu bestimmten Themen nachgelesen, richtig daran gearbeitet. In der Babypause habe ich gemerkt, dass ich diese Konzerte nicht brauche für meinen Selbstwert. Deswegen kann ich die Möglichkeit der Bühne nutzen und Gottes Alternative anbieten, auch zu unbequemen Themen. Es kommt mir nicht mehr so darauf an, dass ich allen Leuten gefalle, sondern dass ich Gott treu und gehorsam bin." Auch wirkte sie auf weniger Tonträgern als in den Jahren zuvor mit. Und wenn, dann meist als Solistin: So auf "Selten" (93) und "Mensch sing mit! 2" (94) von Clemens Bittlinger und auf Johannes Nitsch's Oster-Oratorium "Drei Tage" (94) und den gleichnamigen Tourneen. Im Background sang sie lediglich bei Pe Werner auf der von Dieter Falk produzierten CD "Los" (93).



Zwei Band-Konzepte und eine Live-CD [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Nach ihrer Pause trat Cae mit zwei grundverschiedenen Band-Konzepten auf. Da gab's die bewährten Konzerte mit ihrer neuen Band, bestehend aus Drummer Martin Stoeck, Bassist Matthias Gräb, Gitarrist Frieder Jost und Keyboarder und Bandleader Florian Sitzmann. Aus drei dieser Konzerte, darunter ein Benefiz-Konzert für das christliche Mutter- und Kindhaus in Lüdenscheid, wurden Anfang Mai 1994 Stücke für eine Live-CD aufgenommen. Sie erschien dann im Juli mit 16 Titeln als "Alive!". Cae beschreibt die Vorgeschichte: "Ich wollte schon seit Januar 93 ein Live-Album machen. Wir haben ein Programm ausgearbeitet, dass uns sehr viel Spaß macht und so richtig zusammenpasst. Das Programm ist einfach in mir und unter meiner Haut. Florian und ich habe lange dran gearbeitet: Geschnitten, Überleitungen überlegt, Tonarten geändert, damit alles wirklich so aus einem Stück gegossen ist. Ein Live-Album ist immer etwas anderes als ein Studio-Album. Wenn ich auf der Bühne stehe, dann singe ich weniger vorsichtig und kontrolliert - mit viel mehr Herz. Ich singe für die einzelnen Menschen, die da sind, und es entsteht eine ganz besondere Atmosphäre." Ausserdem gab's das Akusik-Set "Cae 3F", zusammen mit Florian, Frieder und Fitti Wahler am Kontrabass. Cae beschreibt es so: "Klein und persönlich und eine Freude, es zu singen! Die Idee hinter diesem ganzen Konzept war, erstens ein kleineres Konzept zu haben, das besser zu transportieren ist als diese riesige 7,5t-Geschichte, und zweitens ein Programm, das ich in unfrommen Kreisen bringen kann. Deshalb ist viel Unterhaltung dabei. Es geht um Liebe. In der ersten Hälfte um menschliche Liebe, Höhen und Tiefen davon. Es sind viele Evergreens dabei und Lieder, die ich vor Jahren gesungen habe. Es ist ein sehr intensives Programm, besonders in der zweiten Hälfte: Ein knallharter Vergleich von menschlicher mit Gottes Liebe. Sehr viele sehr tiefe Texte. Ich fordere die Zuhörer sehr heraus. Viel läuft auch über Kommunikation mit dem Publikum. Es ist nicht nur so, dass ich von mir erzähle. Ich gehe so richtig ins Publikum und mache einfach Quatsch mit den Leuten. Und dann haben sie die Möglichkeit, Fragen auf kleine Karten zu schreiben. In der zweiten Hälfte gibt es einen Teil, wo ich auf diese Fragen eingehe." Cae bekam "extrem positive Resonanzen. Ich war total überrascht, wie die Leute reagieren. Es kommen Leute, die nicht gläubig sind, und fühlen sich wohl. Und die Frommen kommen und machen große Augen, weil die einfach überrascht sind, denn so viele Texte haben gar nichts mit Glauben zu tun. Das sind einfach Texte, die mir was bedeuten."

In einer ganz anderen Musiksparte konnte man sie dann live und auch zu Hause hören und sehen: genannt "Classic meets Pop". So gab sie 1995 Konzerte zusammen mit Band, Chor und Orchester. Ausserdem wurde sie als Hauptsolistin für das aussergewöhnliche und überaus erfolgreiche Projekt "Der Messias - Händel meets Pop" (95) engagiert und ging mit dieser Pop-Klassik-Adaption auch mehrmals auf Deutschland-Tournee. Auch im Fernsehen lief ein Konzertmitschnitt, den es auf Video zu kaufen gibt.



Ganz persönlich [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Im Dezember 1995 erschien Cae's 5. CD "Welt von 1000 Wegen". Schon kurz nach ihrer Babypause plante sie an diesem Konzept-Album unter dem Arbeitstitel "Fremd". Zunächst wurde allerdings erst einmal "Alive!" produziert. Doch da Cae das "Fremd"-Projekt so wichtig war, sollte es dann doch noch realisiert werden. Sie beschäftigt sich schon seit jeher mit dem Thema, als Fremder auf dieser Welt zu sein. Aufgrund dessen, dass sie Amerikanerin in Deutschland ist, könnte man meinen, es ginge um das Thema "Ausländer", doch sie meint etwas anderes: "Vielleicht habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt, weil ich Ausländerin bin. Diese Texte haben aber nichts damit zu tun. Mein Zuhause hat in diesem Fall nicht mit meiner Adresse und meinem Wohnort zu tun, denn 'fremd zu sein' bedeutet mir etwas ganz anderes. Ich habe mir 'mein' Zuhause gewählt. Diesen Weg mit Gott zu gehen, dafür habe ich mich entschieden, weil ich bei ihm zu Hause bin." Und so erzählte sie einfach die Geschichte von ihrem Leben - Oder besser gesagt, sie ließ sie erzählen. Denn die Texte des Liederzyklus stammen nicht aus Cae's Feder, sondern aus der von Manfred Siebald, dem Amerikanistik-Professor und bekannten Schreiber ungezählter Lieder. Nachdem sie den Mut gefasst hatte, die neue Produktion vollständig auf deutsch zu machen, "habe ich überlegt, ob ich verschiedene Texter anfragen soll, oder einen. Ich wünschte mir, dass die Texte einen festen Grund haben, dass klare Bilder darin stecken, dass sie wie wunderschöne Gedichte sind, die die Menschen packen und mitreißen. Und dann hatte ich die Idee, Manfred Siebald zu fragen, ob er nicht alle schreiben würde." Nach reichlicher Überlegung "hat er ja gesagt -Unglaublich. Eineinhalb Jahre hat er dran gearbeitet." Für Cae schneiderte er die gewünschten "Gedichte, die an sich schon so schön sind, dass man sie auch ohne Musik total lieben kann." Seine Zusage war für sie auch gleichzeitig die Bestätigung, dass die Produktion über die Bühne gehen sollte: "Wenn er nein gesagt hätte, dann hätte ich das auch nicht gemacht!"

Das Inhaltliche war somit sichergestellt, aber ein paar Textzeilen machen ja noch kein Lied aus. Bis auf zwei Titel wurden die Melodien von Sandi Patty's CD "Le Voyage" übernommen, "aber oft gefiel uns das nicht - mit 100 Streichern, das klingt nach Filmmusik. Ein bisschen kerniger" wollte Cae es. Es fehlte also noch an einem Produzenten, der die Inhalte auch in der rechten Weise mit den Melodien verbinden würde. Wieder ging die große Suche los. Cae berichtet: "Dieter Falk hatte ja meine ersten Platten produziert und Florian Sitzmann hat mit mir zusammen die 'Alive!' gemacht, aber wer sollte jetzt 'mein Baby' machen?" Nachdem einige potentielle Namen genannt wurden und Cae das Für und Wider mit Florian und auch Manfred Siebald diskutierte, fiel schließlich der Name Edo Zanki, der als vielgefragter Produzent und Komponist erfolgreicher Hits, z.B. für Herbert Grönemeyer und Tina Turner, seit Jahren zum festen Inventar der deutschen Rockszene gehört. "Ich wusste zwar, dass es einen Edo Zanki ganz in unserer Nähe gibt und ich mochte auch seine Musik, aber bis dahin wusste ich gar nicht, dass er auch selber in einem eigenem Studio produziert." Nachdem sie erfahren hatte, dass das Studio gar nicht weit weg war, "haben wir dann einen ersten Termin ausgemacht und uns sofort mit ihm verstanden. Er zeigte Interesse für das Projekt, weil ihm die Musik und meine Stimme gefallen haben." Florian und Cae nahmen dann in Edo's Studio, in seiner Abwesenheit, einige einfache Demos auf. "Als wir uns dann zum zweiten Termin trafen, hörte er gerade die Lieder vom Demo zum ersten Mal an. Es war so schön, als er den Kopfhörer absetzte, sich zu uns umdrehte und Tränen in den Augen hatte. Das Projekt hat ihm gefallen und er wollte es unbedingt machen." Überrascht über diese Entscheidung konnte man dann endlich an's Arbeiten gehen. Durch Edo Zanki's eher gemütliche Art der Produktionsgestaltung gingen dann fast zwei volle Monate intensivster Arbeit ins Studioland. Rausgekommen ist eine elf Titel umfassende Platte, die sich sehen, bzw. hören lassen kann. Ein facetten- und variantenreiches Album mit wunderschönen Klaviersongs, aber auch poppigen Titeln.

Anfang 96 wurde Cae dann von den "PilaMusic-Magazin"-Lesern zur "Sängerin des Jahres 95" gewählt, ein Jahr später zur "Sängerin des Jahres 96".



Amerika-Feeling [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

In den Jahren 96 bis 98 hörte man nicht besonders viel von Cae. Im Februar 1997 erschien eine Art Best-of-CD: "Day on a Hill". Allerdings ist sie keine normale Best-of, denn diese Scheibe hatte eigentlich gar nicht den Sinn, den Deutschen Cae's schönste Lieder zu präsentieren, sondern sie war für das amerikanische Publikum gedacht! Die Geschichte, die dahinter steckt, ist eine etwas Längere... Die Mama von Cae ist der "Auslöser" gewesen. Sie ist die örtliche Vorsitzende des Verein's "North American Baptist Womens Union", der in den USA und Kanada Millionen von Mitgliederinnen hat. Und weil dieser Verein seine Arbeit 97 unter das Motto "Reaching in, Reaching up, Reaching out" gestellt hatte, kam Cae's mitdenkenden Mutter die Idee, dass das Lied "I'm reaching out to you" hundertprozentig dazu passt und schickte eine CD ihrer Tochter an die Präsidentin. Die Überraschung war trotz allem groß, als der Song von Cae dann tatsächlich als Tagungslied angenommen wurde und dann in allen Liederheften enthalten war, bei allen Präsentationen und bei allen Treffen des Vereins gesungen und gespielt wurde. Und was lag in so einem Falle näher, als alle herausragenden Titel von Cae auf einer "Quasi-Best-of" zusammenzufassen, damit die Amis Cae mal so richtig kennenlernen konnten? D'rauf sind 15 Songs, von denen alle bis auf zwei von Cae selbst geschrieben wurden. Dabei auch englische Versionen bekannter Songs und neu aufgenommene Cae-Hits. Kurz nach der Veröffentlichung erhielt Cae sogar eine Nominierung für den amerikanischen "Dove Award", den wichtigsten Preis der christlichen Musikszene.

Ende 1998 verstärkte Cae auch wieder ihre Konzertarbeit. Neben den bewährten Programmen "Cae & Band" und "Cae 3F" bietet sie jetzt noch zwei weitere an. Zum einen Musik und Talk mit "Cae und Florian Sitzmann". Ausserdem tritt sie wieder mit Ehemann Eddie auf - diesmal aber ohne Streitereien, denn sie arbeiteten auf's gleiche Ziel hinaus: Sie geben meist im Dezember Konzerte, auf denen sie mit Liedern, Gedanken und Impulsen auf die Advent- und Weihnachtszeit einstimmen wollen. Und Achtung: Dieses Jahr kommt eine Weihnachts-CD der beiden raus!

1999 war Premiere für die neue Cae-Band, genannt "Cae & Combo". Am Bass nun Michael Heise, der schon u.a. bei einigen Broadway-Musicals und bei den "Weather Girls" spielte. An den Drums sitzt Tommy Baldu, neuer Gitarrist ist Michael Koschorreck, der auch bei Xavier Naidoo's "Söhne Mannheims" trommelt. Natürlich immer noch dabei ist Keyboarder Florian Sitzmann, der mittlerweile auch bei Edo Zanki, "Söhne Mannheims", "Haddaway" und vielen anderen spielt. Das neue Konzept bewährte sich 99 wunderbar, da es vielen Möglichkeiten, wie Konzert-, Gäste-, Themen- und Gemeindeabende mit Talkrunden, Spielraum gab. Cae erzählt, was sie mit ihren Konzerten erreichen will, was sie dabei bewegt: "Von der musikalischen Qualität her versuche ich natürlich immer, das Beste zu geben. Doch hinzu kommt, dass meine Konzerte eine sehr, sehr persönliche Angelegenheit sind. Ich gehöre nicht zu denen, die fragen: 'Was wollen die Leute hören, was ist im Moment stilistisch in Mode?' Für mich sind die Menschen wichtig und was Gott ihnen sagen will, gerade jetzt durch mich. Ich suche den Kontakt und nehme mir Zeit für das Publikum, denn ich möchte Vertrauen gewinnen. Es gibt natürlich eine Hemmschwelle zwischen dem Publikum und dem Künstler, der auf der Bühne steht, und die versuche ich soweit wie möglich abzubauen. Wenn ich dann sehr, sehr offen, ehrlich und transparent rede, können sich die Leute mit mir identifizieren, und ich kann Themen ansprechen, die für viele schwierig sind. Und meiner Erfahrung nach interessiert die Leute, was mich bewegt, was ich gerade gelernt habe. Dann kann es tatsächlich passieren, dass ich stark spüre, dass ich etwas anderes ansprechen muss und das Vorbereitete einfach umschmeiße - nicht das musikalische Konzept, sondern ich sehe jemanden und spüre: 'Der braucht etwas bestimmtes.' Ich glaube, es ist der Heilige Geist, der mir sagt, was jetzt dran ist."



Hoffnungs-Garten [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]

Vor Erscheinen ihres aktuellen Albums wirkte sie noch auf Clemens Bittlinger's "Aus heiterem Himmel" (98) in den Background-Vocals und, gemeinsam mit Eddie, auf dem Weihnachts-Sampler "Festival der Weihnachtslieder" (98) mit.

Dann erschien im Juni 1999 "Hope Garden", worauf sie mit völlig anderem Sound äusserst positiv Presse und Publikum überraschte: Gitarrenorientierter Poprock war angesagt. Daran war teilweise Volker Hinkel schuld, der die Platte produzierte, arrangierte, mitkomponierte und Gitarre spielte. Doch wie kam Cae zu dem bekannten "Fools Garden"-Gitarristen und -Songwriter Volker Hinkel? Er selbst erzählt: "Ich kenne den Florian Sitzmann schon ziemlich lange, und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, etwas Neues zu produzieren. Er traute sich nicht so richtig und so habe ich's gemacht." Aufgenommen wurde "in meinem kleinen Heimstudio unterm Dach. Es war alles relaxed, weil wir eine gute Vorproduktion vom Florian hatten und es war auch alles gut vorbereitet." Und er lobt auch Cae: "Sie hat alles sehr gut gemacht, so dass wir fast immer den First Take nehmen konnten - in drei oder vier Tagen hatten wir den gesamten Gesang aufgenommen." Cae ergänzt ihn: "Wir hatten ja auch drei oder vier Demos aufgenommen, die ich zu Hause verbessern konnte. Ich konnte immer überlegen: 'Was will ich anders machen?' Und als wir dann die amtlichen Vocals aufnahmen, konnten wir gleich den ersten oder zweiten Take nehmen. Bei anderen CDs hatten wir zum Teil Silben reingedropt und das hört man. Hier diese Platte atmet und lebt. Es ist sehr viel Gefühl drin und wir mussten keine großen Kompromisse eingehen."

Neu war auch, dass Cae diesmal fast alle der zwölf Texte selbst schrieb, was die CD unheimlich persönlich und ehrlich macht. Sie sagt dazu: "So bin ich eben!" Und zu den Gründen für soviel eigenes Material: "Ich habe über längere Zeit Gedanken, Erfahrungen und Erlebnisse aufgeschrieben und in lyrischer Form bearbeitet. Meine Übersetzungen bzw. die deutschen Texte sind zwar einfach und wahrscheinlich nicht immer 100% richtiges Deutsch - 'Cae-Deutsch' eben, wie Florian es nennt - aber dafür sind es meine! Ich finde es extrem schwierig, gute und einfache deutsche Texte zu finden. Für die Produktion habe ich viele deutsche Liedtexte gelesen und irgendwann zu Florian gesagt: 'So könnte das sogar ich!' Er erwiderte darauf: 'Dann tu es doch!' Und so hab ich's versucht." Der Versuch ist geglückt, die ganze Scheibe ist geglückt und ein riesiger Erfolg geworden.

Nach ihrem 7. Solo-Album wirkte sie bis heute (Juli 2000) noch auf folgenden Produktionen mit: Als Solistin sang sie auf "Eine Handbreit neben mir" (99) vom ERF-Studiochor und auf dem Pop-Oratorium zur Christusgeschichte "Ewigkeit fällt in die Zeit" (99), produziert von Helmut Jost. Im Dezember 1999 erschien auf dem Sampler "Top Hits 2000" das Duett mit Peter Freudenthaler von "Fools Garden" "Couldn`t wait", die englische Version von "Warum wollten wir nicht warten" von ihrer aktuellen CD.



Erfolg, Beliebtheit und Stolz [ vorher ]   [ nächstes ]   [ Auswahl ]
Bei so großer Beliebtheit und so großem Erfolg, stellen sich aber noch einige wichtige Fragen: Wie ist das mit dem Christsein, wird das nicht durch die Karriere und das Idolsein erdrückt? Cae gibt zu: "Das ist sicher eine große Gefahr, da muss ich ständig aufpassen! Natürlich gehört Show und Unterhaltung zu einem Konzert. Aber wieviel muss es sein? Und wieviel kann ich von meinem Leben und von meinem Glauben einfließen lassen? Da ist kein Konzert gleich wie das andere." Auf die Frage, ob sie es überhaupt gerne hat, wenn man sie als Star hochjubelt, antwortet sie überraschend: "Überhaupt nicht! Nein, das habe ich nicht gern. Der einzige Vorteil ist, dass ich meine Erfahrungen sehr gut weitergeben kann, es wird beachtet." Aber besteht bei soviel Erfolg nicht die Gefahr, stolz zu werden? "Nein, ich weiß ja, dass ich das nicht selber erreicht habe. Im Gegenteil: Je länger ich singe, je 'kleiner' werde ich, weil ich immer wieder neu sehe, wie Gott arbeitet."


(Schlussbemerkungen) [ vorher ]   [ Auswahl ]

Wer noch mehr über Cae wissen will, kann sie persönlich fragen: Auf ihrer neuen Homepage www.caegauntt.de unter "Dear Cae"!


Der Autor Michael Jung (michael-jung@web.de), Jahrgang 1983, schreibt CD-Kritiken im Teeny-Magazin "komm!" (www.kommline.de) und ist ein großer Musik-Fan, insbesondere von Cae.


Geschrieben wurde dieses Porträt mit Hilfe der folgenden Quellen:


Bitte beachten:

Diese Texte sind Copyright © 2000 Michael Jung, Dillenburg. Sie dürfen mit Michael's und Cae Gauntts Genehmigung hier erscheinen. Sie sind zum persönlichen Gebrauch - Kopieren und Weitergabe der Texte nur auf Anfrage.

...übrigens: Weitere Informationen zu Cae Gauntt gibt es auch auf ihrer Künstlerseite bei "CCM-Rezis".



www.caegauntt.de   /   In Partnerschaft mit "komm!" dem Magazin für junge Christen.
 
 

Das Cae Gauntt Porträt im Internet: http://www.ccmtexte.de/cae-gauntt/
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