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 Allee
der Kosmonauten
"ich würd' gern wissen" (Single)

( 2004 J-Star Records / edel distribution
/
'Plattenläden';
online )
Musik irgendwo zwischen Nena, Nirvana, Reinhard Mey und...
Sigmund Jähn - bei den Sternen etwas weiter oben ;-) - genau das
ist: Allee der Kosmonauten! Hey, alles klar
jetzt? Nicht? Wie wäre es mit der immer strahlenden deutschen Popikone,
den schwermütigen Grungefritzen aus Seattle und dem Berliner Barden,
der uns Geschichten erzählt und gern politisiert. Unsere Protagonisten
vereinen Einflüsse aller drei in sich. Und außerdem: War Sigmund
Jähn der erste (Ost-) Deutsche Kosmonaut (= Astronaut in der westlichen
Hemisphäre) im Weltall, so ist Allee der Kosmonauten die erste mir
bekannte populäre "große" Deutschrockband, wo sich
Mitglieder zum christlichen Glauben bekehrt haben. Nicht nur ihr Name
- benannt nach einer Allee im ehemaligen Ostteil Berlins -, sondern auch
ihre Herzen weisen jetzt himmelwärts.

Früher hießen sie mal Kyd Moses und waren da kurz vor der Jahrtausendwende
kommerziell schon erfolgreich. Doch erst die Umbenennung im Jahr 2000
und die "Entdeckung" durch Herbert Grönemeyer erzielten
den Durchbruch: die Single "brich mir dein Herz" lief wochenlang
bei den Radios rauf und runter und auch in den Charts gut. Die Band hatte
es mit ihrem ganz eigenen Textstil und der eigenwilligen Musikmischung
geschafft Neuland im klischeebelasteten Bereich des "Deutschrock"
zu betreten und das auch noch erfolgreich. Es folgte eine zweite nicht
ganz so gut laufende Single bevor man sich dann in den Untiefen zwischen
Rausschmiß bei der Plattenfirma, geplatzter Albumveröffentlichung
und einigem Frust befand... Einige Monate später fanden die beiden
Frontmannen Mischa Marin und Jürgen "Jott" Fürwitt
"zufällig" (d.h. durch Gottes Führung!) zum persönlichen
Glauben an Jesus Christus, übergaben Ihm ihr Leben und schlossen
sich einer Freien evangelischen Gemeinde (FEG) an.

Nach Auftritten unter anderem beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin
2003, bei der Promikon 2004 und bei JesusHouse 2004 war die Band mehr
oder weniger geglückt in die christliche Musikszene hinein lanciert
worden. Denn Musik haben sie "trotz" Krisenzeit und Glaubensfindung
immer weiter gemacht, weil es die Berufung von Mischa und Jott ist. Sie
stammen aus der Nähe von Worms und in dieser Ecke, da hat man nicht
so viele Perspektiven, also versuchten sie es seinerzeit auf dem musikalischen
Weg. Nachdem sie auch inhaltlich nun endlich ihre Berufung gefunden hatten
und das Seelenloch von ihrem Herrn ausgefüllt wird, sprühen
sie vor ehrlichem Optimismus und Tatendrang. Neue Lieder wurden geschrieben,
in ihrer bisherigen musikalischen Tradition, mit etwas mehr bodenständigerem
Rock, aber vor allem mit nachdenklicheren, tiefsinnigeren Texten. Trotz
allem bleibt das Thema "Liebe" Kern ihrer Botschaften, ihr Lebensthema
sagen sie. Die Bedeutung ist nun viel weiter gefaßt, geht tief unter
die Oberfläche. Das christlich-biblische "Glaube Liebe Hoffnung"
paßt da irgendwie voll drauf. Die Band fordert ihre Zuhörer
heraus, aber auf eine Art, daß man die Lieder jederzeit gut hören
und mitgrölen kann.

Die christliche Musikszene kannte die Band früher überhaupt
nicht, hatte auch jetzt noch Vorbehalte, doch sie sind positiv überrascht
von der Begeisterung auf den Konzerten und auch sonst. Dabei nehmen Mischa
und Jott kein Blatt vor den Mund: In Interviews sind sie radikal und treten
ein für Jesus. Aufzwingen wollen sie niemanden etwas, deshalb sehen
sie darauf, keine fertigen Antworten zu liefern, sondern Dinge nur an-
und aufzureißen. Ob das vielleicht zu wenig ist, weiß ich
nicht, aber sie wollen einfach ihre künstlerische Freiheit leben,
jedoch in der Verantwortung vor Gott und Menschen. Startum ist ihnen fremd
und sie meinen es ernst damit.

Über diese Band könnte ich noch sooo vieles schreiben... dabei
geht es ja auch noch um die vorliegende neue Maxi-Single. Das Titellied
hier ist ein schmeichelnder Sommerhit der allerfeinsten Sorte: Zwischen
Abgehrock und moderner Ballade, steckt ein Nirvana-ähnlicher Songaufbau
mit drin, denn ruhige und laute, langsame und schnellere Passagen wechseln
sich gut ab. Das zweite Lied "glücklich sein" knüpft
musikalisch an das erste an, setzt aber textlich noch eins drauf an Aussagekraft.
Bei beiden werden mit wenigen, auf den Punkt sitzenden, Worten gespickte
Kurzgeschichten zum Laufe der Zeit und zum Leben allgemein gesungen, wie
es niemand mehr so gut machte in den letzten Jahren. Allee der Kosmonauten
sind dennoch nicht klischee- und mainstreamgeschädigt, sie ziehen
ihr eigenes Ding durch in der deutschen Szene, können damit aber
spielend die große Fanbastion deutschprachiger Rock- und Popmusik
überzeugen. Bestimmt hat Mischa Marins soulige, perfekt passende
Stimme ihren Anteil daran. Perfekte Sommermusik für's Cabrio, die
Gartenparty, den Jugendkreis und natürlich für den Heimatsender
;-)

"Ich würd' gern wissen" ist keine Hymne der Journalisten,
sondern beschreibt einerseits das Gefühl, wissen zu wollen, wer die
Menschen an fremden Orten so sind, was sie machen und mögen. Andererseits
ist es eine Metapher für die Suche nach der "richtigen"
Frau, auf augenzwinkernde Weise wird eine - vielen wohl nicht unbekannte
- Sehnsucht nach Nähe und Liebe ausgedrückt, die in dieser schnellebigen,
"coolen" Zeit oft genug verloren gegangen ist. "Glücklich
sein" ist auch kein Werbejingle für das Schlaraffenland, sondern
beschreibt in modernen Worten das Anliegen aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
von 1776, wo es um das "Streben nach Glückseligkeit" ("pursuit
of happiness") geht. Leider ist heutzutage nur noch das "Glück"
übriggeblieben, die "Seligkeit" im christlichen Glauben
wird von der Masse verdrängt, verliert sich nicht nur sprachhistorisch.
Allee der Kosmonauten thematisieren sie auch nicht explizit, aber zwischen
den Zeilen kommt dennoch so etwas "metaphysisches" heraus, was
in christlichen Kreisen gern mit den biblischen Worten umschrieben wird,
die da lauten: "Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze
Welt gewinnt, aber doch Schaden an seiner Seele nimmt?" - Eben darum
geht's. Es könnte die Autobiographie der Band selbst sein, denn genau
das haben sie erlebt. Sie hatten "alles", waren aber innerlich
gleichwohl unglücklich und wußten nicht mal, was ihnen eigentlich
fehlte. Als sie Jesus hatten, wußten sie es aber. Denn nur Er füllt
unsere "Löcher" im Herzen, in der Seele aus - schenkt wirkliche
Zufriedenheit und Erfüllung. Im Sommer vielleicht gerade wieder aktuell,
wenn man mal an die ganzen "Fleischmärkte", substanzlosen
Partys usw. denkt... (Hinweis: Bei uns gibt in bewährter Weise exklusiv
alle Liedtexte der Maxi
zum Herunterladen!)

Leider waren die zwei Lieder auch schon alles, was die Audio-CD zu bieten
hat. Bei Preisen zwischen 5.49 EURO und 6.99 EURO für reichlich sieben
Minuten Musik einfach nur schlecht ausgestattet, bzw. total überteuert.
Na wenigstens hat man einen dämlichen Kopierschutz weggelassen! ;-)
Doch wo sind saftige Remixe, live-Versionen oder B-Seiten geblieben? Als
kleine Anerkennung für den echten Fan gibt es dann wenigstens noch
einen Videoclip für den Computer von 8:16 Minuten Länge. Es
ist ein live-Mitschnitt von der Berliner Waldbühne vom Mai 2003 als
die Formation im Rahmen des "Power Of Love"-Festivals auf dem
Ökumenischen Kirchentag auftrat. Enthalten sind die Lieder "glücklich
sein" und "vorbei". Die Bildqualität bzw. Auflösung
ist jedoch nur mäßig (trotz großem Fenster) und kann
nicht recht überzeugen, dafür der Auftritt und die Stimmung
allemal!

Fazit: Auf dieser Single bekommt man zwei erstklassige deutschsprachige
Lieder, die in jeder Hinsicht das gewisse Etwas haben. Allee der Kosmonauten
wird als Band immer interessanter und man darf gespannt sein auf ihr kommendes
Album "Koordinaten". Getrübt wird der Eindruck aber durch
die schlechte Ausstattung der Maxi-Single und die Wucherpreise dafür.
Auch ein Bonusvideo kann darüber nicht hinwegtrösten. Ich jedenfalls
wünsche "ADK" Gottes Segen auf ihrem Glaubensweg und viele
Radioeinsätze mit ihrem aktuellen Lied ;-)
P.S.: Die Band hat übrigens veranlaßt, daß
in der Hülle der Single folgender Satz abgedruckt wurde: " "Es
ist wichtiger, daß Jesus Christus seinen Fuß auf die Erde
setzte, als der Mensch den seinen auf den Mond" (James Irvin, Apollo
15)" - Etwas passenderes für Bandnamen und Berufung konnte man
ja wohl kaum finden, stimmt's!?!
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