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 Avalon
"oxygen"

( 2001 Sparrow Records / Gerth
Medien )
Innerhalb von fünf Jahren sind Avalon
auf den Karriereleitern der frommen Szene ganz weit nach oben geklettert.
1996 als das Quartett anfing, konnte das noch keiner ahnen, höchstens
vielleicht Charlie Peacock, der damals ihr Debüt produzierte. Nach zwei
relativ "technolastigen" Alben kommt nun das vierte Werk "oxygen" [dt.
"Sauerstoff"] zu uns. Viele haben schon sehnsüchtig darauf gewartet, denn
"in a different light" liegt immerhin ganze zwei Jahre zurück. Gut, es
gab da zwischendurch noch dieses Weihnachtsalbum
vom Herbst 2000 (dann insgesamt natürlich fünf), doch dies fällt natürlich
ein bißchen aus der Reihe...

Mit "oxygen", das von Pop-Meister Brown Bannister produziert wurde, vollzieht
die Gruppe einige stilistische Neuorientierungen. Man verabschiedet sich
praktisch vom fülligen Dance-Soul-Sound der beiden Vorgänger und tendiert
jetzt mehr in die Richtung "nur" Pop und etwas weniger Soul, dafür kommen
einige Rockelemente hinzu. Eben diese klingen sehr interessant und für
treue Fans sicherlich etwas neu. Mich erinnern manche Gitarren- und Basslines
von der Art her etwas an die Newsboys. Damit wir uns aber nicht falsch
verstehen: es gibt aber immer noch Dance-Songs, wie zum Beispiel der Opener
"wonder why", nur sind sie jetzt eben ein bißchen anders gemacht. Bei
aller Liebe zu einigen der neuen Songs, trotzdem muß ich sagen, daß die
neue Platte nicht so eingängig ist, wie man es von Avalon erwartet hätte.
Es fehlt etwas das Tempo und die Hit-Melodien. Natürlich gibt es Hits,
aber meiner Meinung nach sind das nicht die Megaabräumer, auf die jetzt
alle gehofft haben. Sicher, die erste Single "make it last forever", die
beiden fetzigen "wonder why" und "the last thing" sowie die Hammerballade
"the glory" werden ihren Erfolg am US-Radio haben, aber ob an frühere
Erfolge wie bei "testify to love" angeknüpft werden kann (wie es die Plattenfirma
gerne hätte...), bleibt abzuwarten. Wenn man "undeniably you" einen waschechten
Reggae-Groove verpaßt hätte, wäre es bestimmt der Sommerhit geworden,
aber so "normaler" Dance-Pop... Aus meiner Sicht dämpfen solche mehr oder
weniger "Nashville-Standard-Titel" wie "by heart, by soul", "oxygen" und
"love remains" etwas das Niveau der Band. Dafür reißt es wenigstens die
Hymne "I don't wanna go" wieder raus, als im zweiten Teil des Liedes Backgroundchöre
mit einsetzen und die Melodie deutlicher zum Vorschein kommt (Gänsehaut
einplanen ;-).
Wie bei Vocal-Gruppen üblich, liegt auch bei Avalon die Betonung sehr
stark auf dem Gesang der beiden Damen und Herren. Alle vier haben ihre
Solo-Einlagen bei den Songs und können sowohl da, als auch bei den Background-Vocals
wirklich ohne Abstriche überzeugen. Hier merkt man wirklich noch, daß
die Leute singen können!

Bei den Texten gibt es erfreulicherweise Beständigkeit, im Vergleich zu
früheren Alben. Nach wie vor herrscht eine deutliche Botschaft vor, die
insbesondere Christen in ihrem Glauben ermutigen möchte. Herausragend
für das ganze Album spricht "the glory", ein super Text über das erlösende
Blut des Herrn Jesus. Einziger "Ausrutscher" von den elf Stücken bleibt
für mich der Titelsong, der einen zu einfach gestrickten Liebeslied-Text
hat. Hier muß man sich wirklich fragen, wie es dieses Lied überhaupt auf's
Album geschafft hat.

Fazit: Leider reicht "oxygen" nicht an den genialen Mega-Überflieger "in
a different light" heran, auch wenn es so mancher erwartet hätte und
die Promotion es uns glauben machen will. Trotzdem ist und bleibt es ein
sehr solides Album mit einigen herausragenden Momenten. Fans der Band
sollten unbedingt vorher reinhören (!); für Liebhaber guten Mainstream-Pops
ist es durchaus ein Geheimtip.
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