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 Karen
Anderson
"journey songs"

( 2001 'Independent'/MAPL / online
)
»Ist es nicht kalt draussen? Komm herein aus
der Kälte!«

Neben Carolyn Arends, Matt
Brouwer, Brian Doerksen, Angela
Hutchison, Jaylene Johnson und
Jill Paquette möchte ich an dieser
Stelle eine weitere kanadische Singer/Songwriter vorstellen, die mich
unlängst aufhorchen liess: Karen Anderson aus Calgary, Alberta.

Die 1963 geborene Sängerin und Lehrerin brachte 2001 ihr erstes Album,
"Journey Songs" (produziert von Leigh Henderson und Dave Harrison), heraus,
das 2003 für die Vibe Awards als Inspirational Album of the Year nominiert
wurde. Sie kann am treffendsten der Richtung Folk zugeordnet werden, wobei
sich in ihren selbst geschriebenen und mit zahlreichen Musikern vertonten
Liedern auch Einflüsse aus Pop, Country, Jazz und Gospel finden. Einmal
dominiert ein folkloristischer Country-Ton wie im Liebeslied "(Having
Been) Seized By A Great Affection" oder im originellen "Amazing Grace"
mit dem quirligen Geigenspiel, ein andermal atmosphärischer, jede Note
auskostender Jazz wie in "Love Lives Here" mit seiner stimmungsvollen
Saxophonbegleitung. Akustikgitarre und schmelzende Streicher begleiten
"Tarnished Gifts (I Come To This Cross)", Klavierklänge die zärtliche
Ballade "Won't Let You Fall". Dagegen weckt der in den Strophen energisch
vorangetriebene Upbeat-Popsong "Heart To Me" Assoziationen an ABBA und
Seventies-Disco-Sound (ich krieg den Vergleich mit der Stimme der sonst
nicht vergleichbaren Olivia Newton-John einfach nicht aus dem Kopf...).
Jedes der 12 Lieder lebt von der hellen, unangestrengt leichten Stimme,
die stets über den sorgfältigen Arrangements aus Akustik- und E-Gitarre,
Streichern, Bass, Klavier oder Hammond B3 und wohldosierter Percussion
obenauf schwingt. Wobei immer auch genug Raum für instrumentales Zwischenspiel
bleibt.

Die "Journey Songs" erzählen von Gottes Vaterherz, von Jesu Opfertod am
Kreuz und seinem Wiederkommen („Waiting and Longing“). Einige sind Gebete,
Gespräche mit Gott. Und sie handeln auch von unserer so zerbrechlichen
menschlichen Liebe. Während das erfrischende "Big Pink Roses" den Liebestaumel
beschreibt, nennt das melancholische "Whatever It Is" - eine feine Variation
des bekannten Lieds "The Rose" von Amanda McBroom - die Dornen der Liebe.
Treffend folgt darauf das oben erwähnte "Heart To Me" mit seinem berührend-liebevollen
Zuruf, der auch im Eröffnungssong "Let Your Love Rain" und in "Tarnished
Gifts" erklingt: Schenk dein Herz Jesus; er breitete seine Arme am Kreuz
auch für dich aus, er fängt dich in seiner Gnade auf, vergibt Sünden,
heilt gebrochene Herzen und schenkt heilende, unzerstörbare Liebe. Sehr
schön ist der 2001 ausgezeichnete Ohrwurm "Colour Me" mit dem Vers: »Zeitloser
Künstler, der du meine Seele gemalt hast ... Wie ein Schmetterling Orange,
wie ein Sommerhimmel Blau, wie die Blätter an den Bäumen Grünschattierung
brauchen, so brauche ich dich. Verleih du mir Farbe!« Mit dem
meditativen, keltisch angehauchten Segenslied "Journey Song", das Bilder
von Weite aufsteigen lässt und in seinem Takt beharrlich voranstapft,
entlässt dieses bemerkenswert routinierte und unaufdringlich vielfältige
Album den Zuhörer gestärkt auf die Weiterreise heimwärts.

Ich kann und will mir Karen Anderson nicht auf einer riesigen, lichtüberfluteten
Bühne zwischen übergrossen Videoscreens, vor wogenden Zuhörermassen vorstellen.
Nein, ihre Lieder strahlen Nähe, Intimität, auch Geselligkeit aus. Sie
ermutigen, bestärken, lassen einen in Dankbarkeit innehalten und passen
am besten in die Gemeinde, in ein Kaffeehaus, ans Lagerfeuer oder an ein
Openair-Festival. Die Sängerin bietet auch „Unplugged“-Hauskonzerte an.
Das Album lädt geradezu ein, die Türe hinter sich zu schliessen, alle
Hektik des fordernden Alltags draussen stehen zu lassen, sich wohlig auf
das Sofa zu kuscheln und wieder einmal auf eine einzige Stimme zu hören,
die von Gott erzählt. O ja, und die "Journey Songs" sind auch ein freundschaftlicher
Zuspruch an alle suchenden oder verletzten Herzen ...
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