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 Moya
Brennan
"signature"

( 2006/2007 Beo Records / Fierce!
Distribution /
Gerth
Medien; 'Plattenläden' )
»Ich bin total begeistert
von der Wegrichtung, die ich mit dem neuen Album eingeschlagen habe. Ich
habe mich vollkommen darauf konzentriert, gute Songs mit jener speziellen
Atmosphäre zu komponieren, für die ich bekannt bin.«
~Moya Brennan über "signature"
...und Begeisterung könnte ein Stichwort zu diesem
Werk sein, DAS Stichwort! Aber wie es so ist mit der Begeisterung, sie
braucht meist etwas, ehe sie sich Bahn bricht. Deshalb an dieser Stelle
ein eher informtiver Einschub: »Moya
Brennan ist das Herzstück einiger wunderbarer Alben. Seit vielen
Jahren genießt sie ihre Rolle als Stimme von Clannad, eine der meist
respektierten Bands Irlands, und feilt gleichzeitig an einer erfolgreichen
Karriere als Solokünstlerin. Ihre Musik ziert internationale Film-Soundtracks,
spirituelle Aufnahmen, diverse Fernsehserien und sogar Tanzhymnen. Ihr
Status als Sängerikone ist unbestritten. Zu Recht hält sie ihre
aktuelle Soloscheibe Signature für eine weitere ganz besondere Momentaufnahme.«
Wenn das nicht runtergeht wie Öl?! Selten bringen es Biographie-Texte
bei Albumveröffentlichungen genauer und wahrheitsgemäßer
auf den Punkt. Nach soviel Lob und Eigenlob liegt ein berühmter Verdacht
nahe: Je mehr Lob für ein neues Album, desto schlechter ist es in
Wirklichkeit?!?

Nicht so "signature"! Nach vielen Komplettdurchläufen sind
mir die zwölf Lieder sehr ans Herz gewachsen. Zu Anfang konnte ich
das jedoch überhaupt nicht sagen, da schien es nur zu "plätschern"...
Als ich den Songs eine Chance gab, mich öffnete, da machte es "Klick".
Bis auf Ein oder Zwei sind sie auch nicht so eingängig, wie manch
anderes Material der STIMME. Dafür besitzt die Musik Tiefe, nicht
nur die Texte allein. Jedes Mal entdeckt man neue Facetten der von Moya
selbst und Fionán De Barra genial produzierten Arrangements. Es
ist alles perfekt abgestimmt: traditionelle keltische Elemente fusionieren
mit einem modernen, leicht elektronischen Outfit, welches beim Vorgänger
"two horizons" (2003, Universal) noch
im Zentrum stand. "Signature" ist kein Konzept-, sondern wieder
ein Song-Album geworden; es ist der eigentliche Nachfolger von "whisper
to the wild water" (1999, Word Records), welches von vielen als ihre
bisherige Referenz angesehen wird. Und so genießen die Ohren hier
Ambient-Kulissen, feinfühlig perlende Beats, gelegentlich zarte akustische
Strings. Die Liste der beteiligten Musiker setzt sich aus vielen jungen
irischen Nachwuchsstars zusammen und das Ensemble läßt den
Funke mit seiner Spielfreude überspringen. Moyas Vokals setzt den
Stücken die Krone auf: ihr weltbekannter, klarer Gesangsstil ist
eine reine Ohrenweite! Natürlich verwöhnt sie auch wieder mit
vielen Chanting-Passagen und fügt damit praktisch ein weiteres
Instrument ein. Ihre feste, majestätische Stimme ist dennoch sensibel
und geizt nicht mit fragilen Momenten. Was sich jetzt wie ein Widerspruch
liest, gelang ihr dennoch bei den Aufnahmen. Und genau damit gehört
sie zu den originellsten Künstlerinnen der neueren keltischen Musik.

"Signature" bietet mit "no one talks" (# 2) einen
echten Hit, der sich zum Ende hin immer mehr steigert und damit einen
selten gewordenen Spannungsbogen bietet. Eine elektrisierende und wirklich
verdiente erste Singleauskopplung! "Merry-go-round" (# 3) ist
die Nachfolgesingle, für mich aber nicht unbedingt der sich anbietende
Song. Leider sind beide Auskopplungen auch nur auf Irland und Großbritannien
beschränkt. Eine nicht nachvollziehbare Vertriebspolitik,
ebenso wie die mehrere Monate auseinanderliegenden Veröffentlichungsdaten
innerhalb verschiedener EU-Länder! In Deutschland, wo Moya in den
letzten drei Jahren mit die meisten Konzerte gab, werden ihre Fans (und
solche, die man erst noch gewinnen will), etwas im Regen stehen gelassen,
was Tonträgervertrieb bzw. deren Marketing angeht. Zurück
zu den Liedern selbst: Alle Lieder wurden von der Künstlerin mitgeschrieben.
Die Inhalte drehen sich um ihre Lebenserfahrungen, ihren Glauben, ein
Leben mit Höhen und Tiefen. Während die Musik zeitlose Schönheit
spiegelt, dringt aus den Texten eine tiefe Sehnsucht nach göttlicher
Rettung und Annahme - sie will geborgen sein bei Gott, sich nicht von
den Problemen des Lebens überwältigen lassen. Mutet die Musik
hymnenhaft an, so erscheinen die Lyriks eher wie Textakkorde, die hier
und da kleine Akzente setzen, Erlebnisse und Gedanken nur anreißen.
Ich hätte mir dabei noch etwas mehr Persönlichkeit und Epik
gewünscht.

Fazit: Auf "signature" findet der Freund Brennan'scher Gesangskunst
alles, was Herz begehrt, ebenso der Liebhaber zeitgenössischer keltischer
Klänge. Der CD-Titel ist somit symptomatisch für alle Stärken
der künstlerisch sehr eigenständigen Moya Brennan. Nach einem
Konzept- und einem Weihnachtsalbum
der Irin folgt hier ein höchst empfehlenswerter Paukenschlag, dem
man nur eine weite Verbreitung wünschen kann!
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