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 Carola
"Blott en dag"

( 1998 KKV; MNW / online )
Rap-Sprechgesang und Mönchschor, elektrische Gitarren
und Orgel, Glockentöne und Querflötenklang - passt dies zusammen? Wenn
man raffiniert arrangiert, sogar erstaunlich wirkungsvoll, wie dies die
schwedische Sängerin Carola Sögaard in ihren jüngsten CD-Produktionen
immer wieder eingängig und überzeugend beweist. Carola, die in Schweden
leider weniger wegen ihres Glaubens an Jesus Christus als mit ihrem Lebenswandel
kontinuierlich für (Negativ-)Schlagzeilen sorgt, dürfte einigen vom Grand-Prix-Hit
"Fängad av en stormwind" (1991) und von ihren Interpretationen von "You
light up my life", "Jesus is the answer" oder "You've got a friend" bekannt
sein. In letzter Zeit scheint sich das schwedisch und englisch singende
Goldkehlchen mit der makellos hellen, jungen, fast mädchenhaften Stimme
vom fröhlich herumhüpfenden, oberflächlich-unkritischen Popsternchen mit
Hitparade-Ambitionen zu einer musikalisch experimentierfreudigen Sängerin
zu entwickeln und überrascht immer wieder mit unkonventionellen Vertonungen
von bekannten Liedern und einer chamäleonartigen Wandelbarkeit, was Stil
und Styling angeht (manche werfen ihr daher vor, sie habe zwar eine unverkennbare
Stimme, habe aber ihren persönlichen Stil noch nicht gefunden).

In der 1998 von der Kirkelig Kulturverksted herausgegebenen CD "Blott
en dag" (dt. Nur ein Tag) verschmelzen in einer virtuosen Gratwanderung
Klassik und Moderne, schwedisches Volkslied und hymnischer Pop-Ohrwurm.
Ausgangsmaterial war das Liedgut der 1832 im schwedischen Småland geborenen
Pastorentochter Lina Sandell-Berg, Gesänge wie "Bred dina vida vingar"
oder "Tryggare kan ingen vara", die noch heute in Schwedens Kirchen und
Versammlungen erklingen und daher manchem vielleicht als verstaubt erscheinen
mögen. Doch nicht in dieser in den Kirchen Uranienborg und Ris, Oslo,
und in der Helgerud-Kirche, Baerum, aufgezeichneten Darbietung von Carola!
Mit effektvollen, zum Teil opulenten, zum Teil zarten, verhaltenen Arrangements
aus Klavier, Orgel, Gitarre und Chor (Arrangements Iver Kleive) flösst
sie 12 Liedern neues Leben ein, holt sie mit Intensität und Frische in
unsere Zeit herüber. Mühelos wechselt Carola zwischen gebetsähnlich-intimen
Passagen und opernhaften Hymnen-Refrains und erweist dabei in jeder Passage
den Texten der Vorgängerin und den überlieferten Melodien spürbaren, fast
andächtigen Respekt. Jedes der Lieder lebt von seiner je eigenen Spannung
zwischen klarer Melodie und mal umschwebendem Klangteppich, mal aufheulend
sich verselbständigendem Orgelbrausen und nachdoppelndem Gitarrenklang
und summiert sich so als eigenständiges Kunstwerk, Track für Track, zu
einem stimmungs- und bilderreichen Hörerlebnis.

Mit dieser beeindruckenden, nicht alltäglichen Einspielung haben sich
sowohl die Kirkelig Kulturverksted (Produzent Erik Hillestad) - ganz nach
ihrem Motto "Putting traditional music into a contemporary context" -
als auch die Sängerin Carola um ein kostbares Liedgut verdient gemacht,
das es wert ist, auch ausserhalb Schwedens gehört zu werden. Stellvertretend
sei hier einer der bekanntesten Texte von Lina Sandell, die sich selbst
als "eines guten Schriftstellers Schreibfeder" bezeichnete, übersetzt:

Blott en dag - Nur ein Tag

Nur ein Tag, ein Augenblick nach dem andern,
- was für ein Trost, egal was kommen mag!
Alles ruht ja in meines Vaters Händen;
soll ich mich da, als sein Kind, fürchten?
Er, der das Herz einer Mutter hat, oh, er gibt ja jedem Tag
liebevoll seinen Teil an Freude und an Schmerz,
an Mühe und auch an Ruh.

Er selbst ist mir nah alle Tage,
für jede besondere Zeit mit einer besonderen Gnade.
Die Sorgen eines jeden Tages möchte er tragen,
er, der sowohl Kraft wie auch Rat heisst.
Sein kostbares Eigentum zu bewahren,
diese Bürde lastet er sich auf.
"Wie du brauchst an jedem Tag, so soll dir Kraft zugeteilt werden."
- dieses Versprechen gab er mir.

So hilf mir nun, ruhig und sicher zu ruhn
in Deinem Versprechen, liebster Herr,
damit ich nicht den kostbaren Trost des Glaubens vergeude,
welcher in Deinem Wort liegt.
Hilf mir, Herr, dass, was mir auch geschieht,
ich aus Deinen treuen Vatershänden nehme
nur einen Tag, einen Augenblick nach dem andern,
bis ich das gute Land erreiche.
(Übersetzung Eva Maria Hux)
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