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 Johnny
Cash
"my mother's hymn book" [als Teil der
CD-Box 'unearthed']

( 1995/ 2003 Island Records/Universal
Music /
'Plattenläden';
online )
Johnny Cash - "My Mother´s Hymn Book" ...
und das Gospel-Gesamtwerk des "Man in Black"

Letztes Jahr verstarb mit Johnny Cash einer
der bedeutendsten Country- und Folkmusiker der Musikgeschichte. Daß Cash
auch Gospelaufnahmen gemacht hat, ist gemeinhin bekannt, aber wie war
es denn nun mit ihm? War er ein "richtiger" Christ oder vielleicht nur
einer von diesen vielen Nashville-Cowboys, die, im Bemühen Teil des Mainstreams
zu bleiben, einfach ein oder zwei Gospelscheiben gemacht haben "mussten"?

Die Antwort ist so klar wie es die berühmte Kloßbrühe es nie im Leben
werden wird: Wenn man nur eine einzige von Cashs späteren Gospel-Aufnahmen
gehört hat, kann man nicht mehr zweifeln, daß es dem "Mann in schwarz"
mit dem Glauben absolut ernst war. Woran man so etwas hören kann...? Hm...
Johnny Cash, in den frühen 30er Jahren im Süden der USA aufgewachsen und
von Geburt an im Christlichen Glauben aufgewachsen, begann seine Karriere
Mitte der 50er Jahre, als er auf dem berühmten Sun-Label in Memphis seinen
ersten Plattenvertrag unterschrieb. Auch Elvis Presley veröffentlichte
übrigens anfangs bei dieser kleinen Firma. Die Legende besagt, daß Cash
Sun 1958 verließ, weil Labelbesitzer Sam Phillips ihm nicht zusichern
mochte, daß er eine Gospel-LP machen dürfte. So wechselte Cash zu Columbia.
Und machte fix die Gospel LP "Hymns by Johnny Cash" Zwei Jahre später
folgte das Album "Hymns from the Heart".

Nach turbulenten 60er Jahren, in denen Cash in Drogensucht fiel und versuchte
sich selbst umzubringen, fand er zu wirklich tiefem Glauben an Jesus Christus.
Er beschreibt es selbst in seiner Autobiografie "Cash" von 1995. Zunächst
befreite Gott ihn aus dem Labyrinth einer riesigen Tropfsteinhöhle, in
die er sich zurückgezogen hatte um einen sicheren Tod zu finden... und
dann von seiner Drogensucht. 1969 war Cash clean, zum zweiten Mal verheiratet
(mit June Carter Cash) und auf der Höhe seines Erfolges, als er mit "San
Quentin" einem Live-Album aus dem Gefängnis die Charts stürmte.

Nach diesen neuen Erfolgen suchte Cash bleibenden Halt im christlichen
Glauben. Er absolvierte auf Tournee ein Bibelstudium und verwirklichte
zwei weiter Gospelprojekte, die LPs "The Holy Land" und "The Gospel Road".
Letztere war der Soundtrack zu einem Dokumentationsfilm gleichen Namens,
den Cash selbst in Israel produziert und finanziert hatte. In seiner Autobiografie
beschreibt er dieses Projekt als das wichtigste seines Lebens. Ungefähr
zu dieser zeit verfasste Cash auch seinen einzigen Roman. Der hieß ironischerweise
"The Man in White" und handelte vom Leben und Wirken des Apostel Paulus.
Cashs Freundschaft zum Evangelisten Billy Graham blieb bis zu seinem Tod
ein wichtiger Bestandteil seines Privatlebens.

Nachdem es in den späten 70ern und 80er Jahren wieder ruhig um Cash geworden
war, gelang ihm 1993 erneut ein spektakuläres Comeback. Unter der Regie
des angesagten Rock- und Hiphop-Produzenten Rick Rubin spielte er zwischen
93 und 2003 vier großartige und spartanisch produzierte Alben ein: American
Recordings, Unchained, Solitary Man und The Man Comes
Around. Auf jedem dieser Alben gab es Gospelsongs oder wenigstens
gospelorientiertes Material. So sind etwa "Spiritual" von Unchained oder
das Titelstück des letzten Albums "The Man Comes Around" schlicht grandios.

Als Cash 2001 im Sterben lag, organisierte seine Frau June Carter über
die Cash-Homepage eine Fan-Gebetskette. Zwei Tage später verließ Cash
das Krankenhaus genesen. Tragischerweise verstarb seine Frau recht bald
danach an einer schweren Krankheit. Cash stürzte sich daraufhin wie ein
Wilder in die Arbeit und nahm ein weiteres Gospel-Album auf, das bis zum
heutigen Tage unveröffentlicht bleibt.

Was nun posthum allerdings veröffentlicht wurde, ist ein komplettes Gospel-Album
aus der American Recordings-Phase (ca. 1995). Erscheinen ist dieses großartige
Werk als Teil der 5 CD Box "Unearthed", die im Dezember 2003 auf den Markt
kam. "My Mother´s Hymn Book" heißt die Scheibe und hält, was der
Titel verspricht. Johnny Cash, allein mit seiner Gitarre, die Aufnahmen
entstanden in einer Holzhütte in Nashville. Er singt die alten Kirchenhymnen
aus dem Liederbuch seiner Mutter. I´ll fly Away, I shall not be moved,
Do Lord, I´m a pilgrim, In the sweet by and by... und jedes einzelne Lied
ist eine Perle an Tiefe, Geist und Emotion. Und würde man die besten Musiker,
die großartigsten Orchester und Sänger zusammenbringen... sie alle würden
doch kläglich versagen, wenn es darum ginge, die Würde dieses Spätwerks
von Johnny Cash zu übertreffen.

Also, war Johnny Cash ein Christ? Ja, allerdings... in den Linernotes
zu "My Mother´s Hymn Book" formuliert er selbst es so: »I am
definitely not a religious person, but I do consider myself a spiritual
person and a Christian. I guess I might be a C-minus Christian but I am
one. I am very happy with my relationship with God.« ("Ich
bin definitv kein religiöser Mensch, aber ich betrachte mich als spirituelle
Person und als Christ. Womöglich ein 3-minus Christ, aber ich bin einer.
Und ich bin sehr glücklich über meine Beziehung zu Gott...")

Und woran man das hört? Hm... mit den Ohren des Geistes.

Relevante Gospel-Alben von Johnny Cash:
- "Gospel Collection" (CD mit den ersten beiden Columbia-Gospel
Alben von 1959 und 1961) / online
kaufen
- "The Holy Land" (1969) / online
kaufen
- "The Gospel Road" (1972)
- "My Mother´s Hymn Book" (1995/ 2003 als Teil der CD Box
"Unearthed") / online
kaufen
Relevante säkulare Cash-Alben:

Unbedingt anhören!!!!
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