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 Johnny
Cash
"personal files"

( 2006 Columbia Legacy / 'Plattenläden';
online )
Da wartet man als Cash-Freund jahrelang auf das American
V-Album in der Hoffnung auf die Krönung eines einzigartigen Lebenswerks,
nimmt mit Verzweiflung wahr, dass stattdessen zig Cash-Sampler vom "Walk-The-Line"-Filmruhm
profitieren wollen - und dann schiebt das verdienstvolle Columbia/Legacy-Label
diese ganz wunderbare, überraschende Kollektion dazwischen, von deren
Vorhandensein man bis vor einigen Monaten noch gar nichts wußte.

Johnny Cashs Homerecordings, die meisten
im Jahr 1973 im eigenen Studio nur mit Gitarrenbegleitung aufgenommen
(die Zeitspanne der Aufnahmen geht von 1973 bis 1982) sind für einen
Cash-Verehrer wie mich ein Weihnachtsgeschenk im Frühsommer. Für
die Spätentdecker von Johnny Cash hat man einen Sticker angebracht:
"Im Stile der American Recordings". Die Personal Files sind
aber noch eine ganze Spur persönlicher und liefern uns Tondokumente
aus einer Zeit, als die Plattenkarriere Cashs zwar etwas niederging, der
Mann aber stimmlich und kreativ in schönster Blüte stand. Disc
1 enthält 24 Songs und eine Gedichtrezitation - Lieder, die Cash
selbst geschrieben hat oder die ihm wichtig waren. Zuweilen erzählt
er einleitend, was ihm die Lieder bedeuten. Wie ein intimes Treffen mit
einem Freund erscheint diese Platte. Disc 2 bringt 24 Songs zum Thema
Glauben: fromm, traditionell, persönlich, kontrovers. Cash nähert
sich dem Evangelium von allen Seiten. Wer bereit ist, ihm zuzuhören
und sich auf die Botschaft dieser Lieder, mit denen sich Cash hörbar
identifiziert, einzulassen, der erlebt 24 spannende und lebensnahe Predigten
mit. Was mich überrascht, ist die "Durchhörbarkeit"
trotz der gebotenen Materialfülle. Das ist eine liebevoll zusammengestellte
Sammlung, die geschlossener wirkt als viele zu Lebzeiten Cashs veröffentlichte
Originalalben. Selbst bei Leuten, die erst durch den Walk-The-Line-Film
auf den Cash-Zug aufgesprungen sind, könnte diese Platte funktionieren,
wenn sie als Hörer in der Lage sind, sich hinzusetzen und eine Platte
aufmerksam auf sich wirken zu lassen. Die Cash-Favoriten haben nicht den
Coolness-Faktor eines Folsom-Prison-Blues, denn sie scheuen nicht Sentimentalitäten,
aber in dieser Purheit und mit dieser Wärme dargeboten, können
sie aus Zynikern Heilige machen.

Ich freue mich auch drüber, dass viele Freunde des Spätwerks
von Johnny Cash nun feststellen werden, dass Cash schon vor seiner Begegnung
mit Rick Rubin Musik in dieser reinsten Form und mit dieser Kraft produzierte
(wobei es ohne Rubin vielleicht verborgen geblieben wäre, wie viele
Leute sich an solcher Musik überhaupt erfreuen). Welch ein Geschenk,
dass diese Aufnahmen nach teilweise über 30 Jahren zu hören
sind und in sehr schöner Aufmachung so preiswert angeboten werden.
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