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 Michael
Card
"a fragile stone"

( 2002/2003 Covenant Artists /
online )
»Doch was ist schon meine
geringe Gabe im Vergleich zu deinem Opfer?
Ich gab mein Zuhause auf, aber du verliessest das Paradies.«

Mit "A Fragile Stone" präsentiert Musikveteran Michael
Card nach "Soul Anchor" (2000), "Unveiled Hope" (1997) oder "The Way
of Wisdom" (1990) ein weiteres Themenalbum mit engem Bezug zur Bibel.
Das Leben und der Charakter von Simon Petrus, dem Felsen, auf dem Jesus
Christus seine Kirche gründete (Matthäus 16:18), bilden den Fokus der
wie gewohnt starken Texte zu akustisch-kammermusikalisch arrangierten
Melodien. Bei aller theologischen Tiefgründigkeit verliert Michael Card
nie die Freude am musikalischen Event aus den Augen und bleibt der ursprünglichen
Bedeutung des Liedes treu: ein Gesang zum Lob Gottes in der Gemeinschaft
zu sein. Und nie fehlt der Aufruf an den Hörer, in seinem Leben mit Jesus
Ernst zu machen.

Berufung zum Menschenfischer und Baustein
Der Titelsong, "A Fragile Stone", drückt bereits deutlich aus, dass die
10 Lieder aus der Sicht von bzw. über Petrus keinen Superhelden und fehlerlosen
Vorzeige-Jünger besingen. Vielmehr lassen sie das Bild eines widersprüchlichen
Menschen entstehen, mit Stärken und Schwächen, mit Eifer und Zweifeln,
mit Fragen, doch voller Glauben. Bewusst steht nicht das englische "Rock",
also "Fels", sondern "Stein" als ein Material, womit gebaut werden kann.
Michael Card sieht Petrus als ersten Baustein der Kirche, wie alle Christen
gemäss 1. Petrus 2:4ff. "lebendige Steine" sind; Jesus Christus aber ist
der Grund- und Eckstein. Im Schildern von Petrus' Glauben, seiner besonderen
Nähe zu Jesus und auch seinem Versagen schält der Liedermacher Anknüpfungspunkte
für die Zuhörer heraus und zeigt auf, dass Gott Menschen, die ihm dienen
wollen, trotz ihren Unzulänglichkeiten gebrauchen kann.

Einfühlend zeichnet er Petrus' Weg vom Fischerboot weg in die Jüngerschaft,
zum Menschenfischer ("Sea of Souls") und vollmächtigen Verkünder ("A Fragile
Stone", "I am Not Supposed to be Here"). Das bereits 1982 entstandene
"Stranger on the Shore" illustriert im Refrain die Reichweite dieser Berufung:
»Du musst genau erkennen, was es für dich bedeutet, (Jesus) nachzufolgen.
Du musst begreifen, dass er alles von dir will.« Das sehr schöne
Lied ist zarter und schlichter arrangiert als die pop-rockige, dynamischere
Version mit sirrenden E-Gitarren und Wellengeräuschen auf dem Doppelalbum
"Legacy/First Light" (1988). "I Left Everything to Follow You", die erste
Single-Auskopplung, ist den Missionaren gewidmet. Wie im sehr persönlichen
"Mourning the Death of a Dream" besungen, bedeutet eine Nachfolge Jesu,
dass frühere Lebensentwürfe umgestossen werden, auf Dinge verzichtet wird,
etwa auf ein normales Familienleben, Reichtum, Ansehen, Verständnis der
Umwelt. Und doch sind im Vergleich zu Jesu Opfer, seinem Herabsteigen
vom Himmel und Sterben am Kreuz, unsere Beiträge, die für uns ja oft schon
unsäglich grosse Opfer darstellen, ein Klacks.

Kreativität aus der Gemeinschaft
Die Tradition Michael Cards, andere Musiker nicht einfach als Vorband
oder Background anzuwerben, sondern wie etwa Sara
Groves im Live-Album "Scribbling in the Sand" (2002) freundschaftlich
in die Lieder einzubeziehen, prägt auch dieses Studioalbum deutlich. Neben
hochkarätigen Musikern und Sängern (Scott Roley, Christine
Denté) wirken auch Community-Mitglieder mit. Diese musikalische
Zusammenkunft verleiht dem Album einen verspielten, sehr speziellen Charakter.
Michael Card selber meint dazu: »Diese
Aufnahme war für mich ein purer musikalischer Spass. Es war für mich eine
grosse Freude, Musiker wie Kirk Whalum und Béla Fleck zusammenzubringen,
ihnen alle Freiheit zu lassen und einfach auf das Resultat zu hören. Musik
entsteht nach wie vor aus der Gemeinschaft.«

Natürlich fehlen irisch-keltische und archaische Klänge nicht und kommen
verschiedene Saiten-/Zupfinstrumente zum Einsatz, besonders im herausragenden
Titel "Sea of Souls", der sich zu einem achtminütigen Stil-Potpurri, einem
fast schon entfesselten Instrumental-Dialog ad libitum zwischen Béla Fleck
am Banjo und Vance Taylor am Klavier entwickelt - unterstützt von Gitarre,
Zither, Fiedel, Hackbrett, Pfeife, einem Leierkasten und stampfender Percussion.
Es erklingen bluesiger Folk-Pop à la Seventies, Bluegrass ("Walking on
the Water"), ungewohnt rauchiger Gospel im Duett "Not That Kind of King"
mit Darwin Hobbs sowie jazzige Saxophon-Einlagen. Typisch in den Harmonien
und im Kompositionsaufbau sind die Klavierballaden "Mourning the Death
of a Dream" mit John Catchings am Cello, "I am Not Supposed to Be Here",
das an frühere Lieder wie "To The Mystery" (1986) anknüpft, sowie das
zarte, nachdenkliche "His Gaze" über Petrus' Verleugnung. Mit einer Jam-Reprise,
"Sea of Solos", schliesst das Album.

Anregung zum Bibelstudium
Markenzeichen bleiben die klare, etwas spröde Tenorstimme des Barden,
seine eingängigen, schlichten Melodien sowie die tiefgründigen Texte.
Dass neben musikalischen auch inhaltliche Ähnlichkeiten mit früheren Songs
auftauchen, hat weniger mit Einfallslosigkeit zu tun als mit Bibeltreue,
etwa beim Zitat aus Jesaja 8:14 und 1. Petrus 2:8 in "Living Stones",
das an "Scandalon" (1985) erinnert: »He is a Stone that makes
men stumble / The Rock that makes them fall.« Insgesamt sind
die Verse weniger komplex als etwa jene zu alttestamentlichen und typologischen
Themen, dafür sehr poetisch und bilderreich. - Seinem Ruf als musizierender
Theologe wird Michael Card gleichwohl gerecht. Jedem Lied sind im CD-Booklet
die relevanten Bibelstellen zugeschlagen sowie ein paar erklärende Bemerkungen.
Und wiederum reicht er auch ein Studienbuch nach (Intervarsity Press 2003,
ISBN 0-8308-2372-7 - bestellen
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