|
 Michael
Card
"the life - the complete recorded trilogy on
the life of Christ"

( 1988 Sparrow Records / Gerth
Medien )
»Als der Vater in seiner
Weisheit seine Liebe mitteilen wollte,
äusserte er sie in einem einzigen, vollkommenen letzten Wort.
Er verkündete die Fleischwerdung, und so wurde der Sohn geboren.
Sein letztes Wort war Jesus. Er benötigte kein weiteres mehr.«
("The Final Word")

Der musikalisch wie literarisch äusserst produktive Michael
Card gilt nicht von ungefähr als Theologe und Intellektueller in der
christlichen Musikszene. Seine enorm sangbaren Lieder - z. B. die zeitlosen
Hymnen "El Shaddai" oder "Immanuel" - erzählen immer auch ein Stück biblische
Weisheit, wobei das Alte Testament und die prophetischen Verheissungen
in Bezug auf Jesus Christus eine reiche Fundquelle sind. Doch auch wenn
in einer Selbstverständlichkeit Begriffe wie "Inkarnation", "Auferstehung",
"Mysterium" oder "Wiedergeburt" in seinen anspruchsvollen Texten fallen,
so bleibt Michael Card doch immer ganz nah beim Herzen und bei der Seele
seiner Zuhörer. Dies sicher auch dadurch, dass er in seinen Liedern gerne
in die Rolle einer biblischen Person schlüpft, ihre Erlebnisse und Gefühle
anschaulich schildert (die Ehebrecherin in "Forgiving Eyes", Zimmermann
Joseph in "Joseph's Song" oder ein Zeitgenosse Jesu in "God's Own Fool")
und so Jesu Wandeln auf dieser Erde, unter uns Menschen unmittelbar erlebbar
macht.

Die edle 2-CD-Kollektion "The Life" von 1988 versammelt zahlreiche vorab
veröffentlichte Songs von 1984 bis 1986 zu einem Gang durch die Bibel:
von der verheissenen Geburt Jesu ("Immanuel") über sein Predigen und Wunderwirken
("The Nazarene", "The Gentle Healer") bis zu seinem Tod am Kreuz und zu
seiner Auferstehung ("In the Garden", "Traitor's Look", "Cross of Glory").
Michael Card spricht von einer "Einladung auf eine Pilgerreise". Bei aller
biblischen Erzählung und Lehre verweist er in jedem Lied klar auf die
Bedeutung von Jesus Christus in unserem eigenen Leben, im Hier und Jetzt:
als Gottes Sohn, als Erlöser und Herr, als Retter in der Not, als Tröster
und Freund ("Joy in the Journey"). Und immer folgt der Aufruf an den Hörer,
diesem Heiland Platz im Herzen zu schaffen ("What will it take to keep
you from Jesus").

Markenzeichen des bärtigen Poeten sind zum einen seine helle, klar artikulierende
Tenorstimme, zum andern seine Ausdrucksvielfalt in den Texten und seine
musikalische Experimentierfreude: orientalische Einsprengsel tauchen da
auf, rauschende Wellen, Synthesizer-"Sternenstaub" oder Windgesäusel,
jubilierende Flötentöne, Glockenschläge, forsche Hörner, diverse Saiteninstrumente,
klassische Chorpassagen ("Carmen Christi"), Schlagzeug in allen Härtegraden
und immer wieder wunderbar schmelzende Streicher. Neben schlichten, eingängigen
Anbetungsliedern, die als Gemeindelieder gedacht sind, stehen zart bis
opulent orchestrierte Balladen wie "Ride On To Die" und "Forgiving Eyes"
und rockigere Popsongs in der Art von "Scandalon", "He Was Heard" und
"Known by the Scars". Kompositorische Glanzstücke sind die instrumentale
Meditation vor "Baptism" und die "Overture To The Trilogy", ein abwechslungsreiches
Medley, das mit weitem Atem die Songs des Albums streift und gleich zu
Beginn der ersten CD einen Filmmusik-ähnlichen Klangteppich auslegt: Wir
sind unmittelbar in Galiläa, am Jordan, im staubigen Wüstensand, in der
trockenen Hitze - und da wandelt Jesus... Ein Ärgernis, ein Stein des
Anstosses für viele, da er Unerhörtes und Ungehöriges lehrte und vorlebte.

Sämtliche erwähnten Lieder und mehr finden sich auf dem Doppelalbum. Ein
zusammen mit William L. Lane verfasstes, 60-seitiges Booklet, das in die
drei Themenbereiche "The Final Word", "Scandal of Christ" und "The Passion
of Christ" (dt. Das letzte Wort, Christus als Ärgernis, Leiden Christi)
gegliedert ist, lädt zum vertieften persönlichen Bibelstudium ein.
|