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 Bethany
Dillon
"bethany dillon"

( 2004 Sparrow Records / Gerth
Medien; online )
Zum Album
Nach der 6-Track-EP "The Beautiful Session" (Januar 2004) mit der Hitsingle
"Beautiful" erscheint am 20. April in den Staaten nun Bethany
Dillons erstes Album, "Bethany Dillon". Die Sängerin/Songschreiberin
aus Ohio hat eine kraftvolle, ausdrucksstarke, sinnliche Stimme, der man
ihre jungen 15 Jahre wirklich nicht anhört. Und sie versprüht eine Energie
und Begeisterung, die sich treffend in den von Ed Cash (Bebo
Norman) und Josh Moore (Caedmon's
Call) produzierten Pop-Rock-Songs niederschlägt. Ihre selbst geschriebenen
Texte wollen mitreissen, aufwecken, anspornen: »Ich
will in meiner Generation etwas aufwecken, was abgestorben ist. Ich möchte,
dass das Wort Fleisch und Blut für meine Generation wird, damit sie sehen,
dass ein Leben nach dem Evangelium grossartiger und herausfordernder ist,
als wir es gelernt haben.« Sie nimmt uns quasi an der
Hand und fordert uns auf mitzukommen, vorwärts zu gehen, auch gegen den
Strom zu schwimmen ("Revolutionaries"). Ihre bilderreichen Texte streifen
Themen, die nicht nur weibliche Teenager ansprechen dürften: Sehnsucht
nach Liebe, Annahme - und Veränderung. Es geht um Schönheitsideale, Unverstandensein,
Lebenssinn und das Diktat der weltlichen Massstäbe. Und es geht um die
Gewissheit, dass wir Gottes Geschöpfe sind und er einen Plan für unser
Leben hat.

Zu den Texten
Im Ohrwurm "Beautiful" wächst aus der frustrierenden Erfahrung, dem Spiegel
gefallen zu wollen, die Erkenntnis, dass unser Schöpfer uns unabhängig
von unserem Äusseren durch seine Schönheit und seine Liebe wertvoll macht
und uns so annimmt, wie wir sind. "Great Big Mystery" und "Exodus (Faithful)"
betonen seine ehrfurchtgebietende Grösse und Unfassbarkeit und rufen zur
Anbetung auf: Dieser grosse Gott nimmt sich uns Sündern an, erlöst uns,
verändert uns. Während "Why" unsere Abgelenktheit, Glaubens-Flauheit und
Treulosigkeit beklagt, konzentriert sich "All I Need" auf den Einen, der
uns alles ist, was wir benötigen: »Millionen Stimmen rufen meinen
Namen, aber du bist die eine, die ich hören möchte. Lass die andern Stimmen
verstummen. Du bist alles, was ich nötig habe ... wenn ich in der Menge
bin, ganz mit mir allein, mich leer fühle ...« Als Fremdlinge
wandeln wir hier auf Erden, auf dem nicht einfachen Weg in die Heimat
("Move Forward").
Während
einige Lieder offen und fragend enden, spielen andere mit einem Umkipp-Effekt:
Aus "leeren Worten" und "Ruin" werden "lebenspendende Worte" und "Erquickung".
Aus herumirrenden Füssen werden solche, die jedes Hindernis wegkicken
und vorwärts gehen. Bethanys Verse sind eher lyrische, visionäre Gedankenfetzen
als glasklare Aussagen, vieles klingt zwischen den Zeilen durch, und da
der Name "Jesus" kein einziges Mal fällt, dürfte ihr Christentum nicht
jedem Hörer klar werden. Manches wirkt meines Erachtens auch etwas schwammig
oder möglicherweise missverständlich (z. B. »running to the battlefield
and losing their lives ... I see a generation rising up ... run to the
battlefield they're finding their lives« in "A Voice Calling
Out"). In Interviews und in den Beschreibungen zu ihren Liedern zeigt
sie sich jedoch als nachdenkliche, bemerkenswert reife junge Frau, die
überzeugt für ein Leben mit Jesus Christus eintritt - später vielleicht
sogar als Missionarin in Indien ...

Zur Musik
Gekleidet wird ihre Poesie in soliden, abwechslungsreichen Pop-Rock-Sound,
der sich einerseits effektvoll aus der Rhythm'n'Sound-Kiste der 80er/frühen
90er Jahre bedient und anderseits ihre an die temperamentvollen Popstarletts
unserer Tage heranreichende Powerstimme zur Geltung bringt. Die Cover-Version
von "Lead Me On" (1988, von Amy Grant,
Michael W. Smith, Wayne
Kirkpatrick) fügt sich stimmig ein. Bethany erinnert denn auch an
Amy Grant (und Jennifer Knapp) mit ihrer verhauchten, stellenweise atemlosen
Stimme. Die mitreissenden, schlagzeuglastigen Rhythmen und kompakten Arrangements
aus Bass, Synthesizer-Streichern, Upbeat-Elektrogitarren und harmonisch
verfeinernden BGVs verleihen den Songs eine unbändige, selbstbewusste
Note - die CD ist nichts für Liebhaber der leisen, träumerischen und nachhallenden
Töne -, obwohl da auch eine feine Prise jugendlicher Melancholie und Unsicherheit
aus den Texten herausspricht ("Aimless", "For My Love"). Akustikgitarre,
Mandoline, Dobro, Dudelsack oder Country-Einsprengsel steuern auch bei
den Studio-Versionen das zur Stimme passende Akustik-Gefühl bei.

Zur
Vermarktung
Schon längst haben Starmania-Methoden in die christliche Musikszene übergegriffen
und werden (immer jüngere) Sängerinnen und Sänger als Stars bezeichnet,
aggressiv um- und beworben, am Radio gespielt und mit Modekatalog-reifen
Fotos präsentiert. Es scheint darum zu gehen, äusserlich - von brav bis
lasziv! - und musikalisch, werbetechnisch und ertragsmässig gegenüber
der sogenannten weltlichen Musikszene konkurrenzfähig zu bleiben. Der
Bote wird wichtiger als die Botschaft! Auch von der 15-jährigen, hübschen
Bethany Dillon, die aus einem 7-köpfigen musikalischen Haushalt stammt,
vor über 3 Jahren von EMI CMG entdeckt wurde und kürzlich mit Matthew
West auf Tournee war, wurde in den letzten Wochen viel geschwärmt, geschrieben,
gemunkelt. Früher oder später musste man über ihren Namen stolpern - und
ehe man sich's versah, gehörte man schon fast mit zum Kreis der "Revolutionaries"
(ein Fanklub, der ihre Musik verbreitet). Blickt man auf das euphorische
Echo, das ihre radiotaugliche Musik vor allem unter jungen Hörern auslöst,
so steht fest: Bethany Dillon und ihre Macher treffen ein Bedürfnis, bieten
Identifikationsfläche an. Dass damit auch eine besondere geistliche Verantwortung
und die Gefahr der Verkultung einhergehen, wird im Musikbetrieb leider
schnell aus den Augen verloren...
Das stimmige Hochglanz-Album "Bethany Dillon" wird der auch live überzeugenden
Sängerin sicher weite Beachtung und Aufmerksamkeit verschaffen. Die Zukunft
wird weisen, ob es ihr gelingt, mit ihrer erstaunlichen Stimme und ihrem
visionären Schreibstil auch eine lebensverändernde Botschaft herauszuentwickeln
... noch mehr gegen den Strom.
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Es scheint, als sei der Folk zum neuen "Pop" geworden. Die ganzen
Veröffentlichungen mit Folk-Einflüssen innerhalb der letzten Monate
in der christlichen Musikszene lassen sehr darauf schließen. In schwierigen
Zeiten steht handgemachte Musik höher denn je im Kurs. Was nur zu logisch
ist, denn sie ist authentisch und bietet Qualität, man setzt sich als
Label mit seinen Künstlern nicht "in die Nesseln".

Bethany Dillon ist so eine junge Dame, die es drauf hat: Lieder schreiben,
ihre eigene Musik machen. Sie stammt aus einer Musikerfamilie und legte
nach der "beautiful sessions e.p." nun ihr selbstbetiteltes Debütalbum
vor. Produziert haben das ganze keine geringeren als Ed Cash (Andrew
Peterson, Bebo Norman, Caedmon's
Call...) und Joshua Moore (Bandmitglied bei Caedmon's Call). Beide haben
wesentlich zu dem hochstehenden, ausgereiften, dennoch radiotauglichen Sound
beigetragen. Caedmon's Call trifft Leigh Nash und das dann für die
Teenies... so ähnlich vielleicht. Dabei ist Bethany keine schüchterne
Folk-Sirene, ihr Stimmumfang ist unglaublich groß, sie klingt absolut
erwachsen! Wenn man dazu das verschmitzte Lächeln der jungen Göre
auf der CD-Rückseite sieht, kann man sich wohl in etwa vorstellen,
daß sie live auch nicht zimperlich auftreten wird ;-)

"Lead me on" (# 8) ist ein Cover von Amy
Grants Hit, welchen Bethany absolut souverän interpretiert, so
als wär' es ihr eigenes Lied und sie würde das Singen schon zwanzig
Jahre machen... Trotz der Güte des Covers klingen ihre anderen Lieder
noch ein bißchen besser, Bethanys Cleverneß ist faszinierend.
Das erste Songtrio auf der CD hat es in sich: "revolutionairies",
"great big mystery" und die Radiosingle "beautiful"
stehen stellvertretend für ein durchgehend starkes Werk. Bethany hat
die meisten Lieder selbst geschrieben und das ist wirklich beachtlich. Gilt
doch der biblische Satz "niemand verachte deine Jugend" für
die 15-Jährige in diesem Sinne besonders. Die Arrangements sind ausgewogen
und abwechslungsreich, zwischen abrockend und folkig-soft. Was die Lieder
so toll macht sind insbesondere die eingängigen Melodien und die Refrains
bzw. Hooklines. Bei alledem wird die wandlungsfähige Stimme der Sängerin
immer gut in Szene gesetzt.

Textlich setzen sich die Lieder bereits mit großen Themen des Lebens
auseinander. Ob Lebensträume, das Geheimnis von Gottes Allmacht oder
Schönheit der Seele in einer ver-äußerlichten Welt, Bethany
findet paßende, poetische Worte. Auch Dinge, die besonders ihre Generation
bewegen, werden nicht ausgespart: neben dem Schönheits-Thema gehören
dazu auch die Sinnsuche/ Annahme oder Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit.
Manchesmal hätte man sich gewünscht, sie würde ihren christlichen
Glauben noch deutlicher rüberbringen. Zumindest in "all I need"
und "exodus (faithful)" spricht sie direkt von Gott. In letzterem
singt sie im Chorus: »Führe, Herr, mit zuverlässiger
Liebe, / die, die Du losgekauft hast. / Und wir werden singen, während
wir weitergehen: / Unser Gott ist treu.« Amen.

Leider ist der - ach so fromme - Starkult nicht zuträglich, um sich
über Werte und Inhalte dieser Musik noch auszutauschen. Das nämlich
wird in der ganzen Werbemaschiniere ziemlich unterbelichtet. Bethany soll
brav ihr "Investment" auszahlen, indem sie die geforderten Verkaufszahlen
und Radiohits einfährt. Ob das wirklich gelingt, bleibt noch abzuwarten.
Entscheidender wird sein, wo Fräulein Dillon steht, wenn sie 25 oder
so ist, wie es ihr dann physisch und psysisch geht. Übereilte Karrieren
bergen große Risiken, nicht nur in der Musikszene - ich hoffe meine
entsprechenden Bedenken sind unbegründet.

Ungeachtet dessen liegt vor uns eine wunderbare CD mit fantastischem Akustik-Pop.
Schon jetzt gehört das Album zu den Besten des Jahres finde ich. Erstaunlich
ist das songschreiberische Talent von Bethany, was darauf schließen
läßt, daß sie auch in Zukunft ihren Weg als Künstlerin
gehen wird. |