Bethany Dillon & Matt Hammitt - ''in Christ alone''Bethany Dillon & Matt Hammitt
"in Christ alone – modern hymns of worship"


   ( 2008 Sparrow / EMI Records / Gerth Medien )

»... keep us from just singing / Move us into action / We must go / To act justly everyday / Loving mercy in everyway / Walking humbly before You God.«
("God of Justice", Tim Hughes)

Gewöhnungsbedürftig!

Diese CD scheidet die Geister. Ist sie nun phänomenal oder misslungen? Und wozu werden "hymns" gesungen, wenn nicht zum Lob Gottes, wie der Zusatz "of worship" nachdoppelt? – Die Betonung liegt wohl vielmehr auf "modern hymns"; denn die zwischen 1995 und 2007 entstandenen Lieder wollen nach dem Vorbild alter Kirchenlieder theologische Aussagekraft in den Gemeindegesang zurückbringen. Besonders Keith Getty und Stuart Townend, von denen die Hälfte der Stücke stammt, haben sich als zeitgenössische Hymnen-Dichter hervorgetan, die biblische Wahrheit in die singenden Münder legen. Ihre bekannten Melodien "In Christ Alone" und "How Deep The Father's Love For Us" sind irischer Volksweise nachempfunden. Es sind aber auch Neudichtungen von Tim Hughes und Martin Smith, Vichy Beeching, Matt Maher und Marc Byrd sowie Brian Petak zu hören. Sie sind zum Teil ebenso hymnenhaft ausgefallen ("In The Cross Alone I Glory", "The Wonder of The Cross"), zum Teil bleiben sie stärker im Pop-Denken verhaftet (typisch Tim Hughes: "Clinging To The Cross" und "God of Justice" sowie "On The Third Day" von Newcomer Matt Maher).

Modern im Sinne von "neuartig", "up-to-date" oder "progressiv" ist vor allem die musikalische Kulisse, auf die sich die beiden Sparrow-Sänger Bethany Dillon und Matt Hammitt (Sanctus Real) hier unter Produzent John Mark Painter eingelassen haben. Der mit Streichorchester, Kinderchor (vor allem in den Refrains), schrecklich synthetischen Bläsern, stampfenden Drums und viel Dramatik angereicherte Alt-Pop klingt mal gefühlvoll, mal spröde, mal orientalisch geheimnisvoll, mal rockig, mal pastoral-verträumt. Besonders eigentümlich geraten ist das in Moll getauchte "O Church Arise" mit seinem Bolero-Takt. Im weihnächtlichen "Joy Has Dawned" treffen schicksalschwere Streicher, asiatisch wirkender Chorsingsang und Rock-Allüren aufeinander. Und der Titelsong "In Christ Alone" kommt mit seiner dumpfen Stimmung in die Nähe eines Trauergesangs. Nicht alle Tracks wirken gleich ausgereift, am wenigsten "Adoration" und "In The Cross Alone I Glory". Von "joyful hope", wie es in "On The Third Day" heisst, ist generell wenig zu hören ...

Alt-Pop mit Hang zu Dramatik

Die beiden Interpreten gestalten entweder einen ganzen Song solo oder wechseln sich strophenweise in der Leadstimme ab, während der andere in die Harmonien abtaucht. Die Chance zu Duetten wurde leider nicht wirklich genutzt. Bethany Dillon schlägt sich tapfer in diesem ungewöhnlichen Umfeld. Die auf und ab irrlichternden Melodien liegen ihrer verhauchten und geschmeidigen Stimme; besonders in "Jesus Is Lord" gleitet sie ausgiebig von einem Ton zum anderen, wie es derzeit "in" ist. Der rassige Jubelsong startet mit einem Orchesterwirbel und ist mit Trompetenstössen, Glocken und Chor gewürzt. In "How Deep The Father's Love For Us" säuselt sie zu lieblichen Flöten- und schwebenden Orchesterklängen. Matt Hammitt ist für den Rock-Appeal zuständig und singt oft gegen dumpfe, schlagzeuglastige Begleitung an, etwa im zerklüfteten "The Power of the Cross" mit Pseudoklassik im Hintergrund. Sein Gesang scheint einige Male im Raum zu hängen, abgetrennt von der Begleitung. Am besten liegen ihm neben "O Church Arise" der mitreissende Britpopsong "God of Justice", der zu tatkräftiger Nächstenliebe aufruft, und Vicky Beechings sehr schönes "The Wonder of the Cross", das über Jesu Tod und Auferstehung staunt: »May I never lose the wonder, the wonder of the cross ...«

Fazit: recht gewöhnungsbedürftig! Während etwa die US-Produktion "The Apostles Creed" (2006) auf Nummer sicher ging und die neuen britischen Hymnen nett und gitarrenlastig abspulte, liefert John Mark Painter einen geradezu dramatischen Alt-Pop-Soundtrack. Bethany Dillons verhauchter Gesang überzeugt in diesem ungewöhnlichen Umfeld stärker als Matt Hammitt. – Es empfiehlt sich, vor dem CD-Kauf ausführlich reinzuhören.

Anspieltipps: # 1, 3, 5, 10, 12.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, April 2008


Daten:
12 Titel / 50 Min.
Musikstil: Hymnen, Alt-Pop
Label(s): 2008 Sparrow / EMI Records, USA / Gerth Medien, Asslar; online
Website: http://www.bethanydillon.com  /  bei myspace

Wo anhören und kaufen?:
im Gerth-Shop / Amazon.de / iTunes

 


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