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 Bethany
Dillon
"waking up"

( 2007 Sparrow Records / Gerth Medien )
»Jesus ... du bist so viel mehr, als ich erwartet habe.« (Bethany Dillon im CD-Booklet)
Klänge zum Aufwachen!

Schon auf ihrer ersten EP, "The Beautiful Sessions" (2004), hatte Bethany Dillon mit ihrem frischen, gitarrenorientierten Acoustic-Stil, visionären Versen und gefühlvollem, oft rückhaltlosem Gesang auf sich aufmerksam gemacht. Unvermittelt kann ihre dunkle Stimme von verhauchter Nachdenklichkeit in gellende Eindringlichkeit umschlagen. Auch ihr jüngstes Album klingt hierin charakteristisch, aber es mischt sich auch Neues unters Bewährte.

Nach dem eher melancholischen, gedämpften Vorgänger "Imagination" (2005) preschen Bethany Dillon und Band auf der dritten CD, an der gleich drei Produzenten (Ed Cash, Will Hunt und John Alagia) mitwirkten, geradezu ungestüm über die erste Scheibenhälfte. Ein eingängiger Refrain jagt den nächsten, Dynamik baut sich auf und nur kurzzeitig ab – in gewohnt sanften Wisper-Versen und Breaks. Fast etwas atemlos, auf jeden Fall intensiv. Mit den ersten Gitarrenschlägen von "The Kingdom" (# 1) wird man hineingezogen, gepackt von ihrem Gesang, eingepackt in gitarrenumschlungenen Pop-Rock. Wer da nicht aufwacht ;-) Packend auch, wie sie in Alltagsbeobachtungen auf eine unsichtbare Welt hinweist: »Es klopfte mir auf die Schulter, als ich heute nach Hause kam. Ich sah, wie alles Staub fängt. Es liess mich hoffen, dass da mehr sei ...« Auch "Come Find Me" (# 2) streckt sich zu seinen schwindelerregend raschen Klavierläufen und gedehntem Gesang von den vergänglichen Dingen weg nach dem Ewigen aus.

Erst "Let Your Light Shine" (# 5) erlaubt sich ein paar luftige Klaviertakte, bevor beschwingter CCM-Pop samt Chor einsetzt, der das Vorbild Amy Grant verrät. Das Tempo hätte hier ruhig eine Stufe weiter zurückgenommen werden können. Mit wunderbar warmer Stimme jubelt die Sängerin in "Change" (# 6) zu knorrigen E-Gitarren über die Veränderung, die Jesus in ihrem chaotischen Inneren wirkt. Aber sie kommt schon noch stärker zum Zug, die sanfte, melancholische Seite von Bethany Dillon. Bei den zögerlichen Gitarrenklängen in "Are You Sure?" (# 9) kann man erstmals richtig aus- und durchatmen. Im darauffolgenden Country-gefärbten und wiederum Amy-Grant-ähnlichen "When You Love Someone" (# 10, Beitrag zum Inspired-by-Soundtrack "Bridge to Terabithia") schrammt sie wieder los, um noch etwas beim Thema Liebe zu verweilen.
»Aber jetzt summ ich eine andere Melodie ... « – gereiftes Songwriting

Da ist auch etwas Neues in den Lyrics dazugekommen. Noch immer dichtet
die 18-Jährige gedankensplitterhaft und bilderreich. Aber ihre Texte
sind irgendwie fassbarer geworden, und endlich nennt sie ihren Heiland
beim Namen. »Ich kann nicht anders als
sagen: Jesus, du bist mehr, als worauf ich vorbereitet war!«
(# 7 "Top of the World") Ob diese stärkere Zugänglichkeit
daherkommt, dass sie mehr von der Welt, vom Leben gesehen hat und bei
ihren Auftritten immer wieder ihren Glauben bezeugen darf? »Ich
bin klein, aber ich habe dieselbe Sonne aufgehen sehen über Indiens
und Ohios Feldern, damit das Herz dieses Feiglings gestärkt würde.«
(# 3 "Waking Up") Während einer Zugfahrt in Indien entstand
"Beggar’s Heart" (# 12), das in einen stimmungsvoll abstrakten
Klangstrom eingebettet wurde. Anrührend besingt sie ihren Kontakt
mit der Dritten Welt und wie Gott die Armut in ihrem eigenen Herzen blosslegt.

In ihren Liedern zeigt Bethany Dillon eine lebendige, persönliche
Beziehung zu Gott. Ihre Beobachtungen, Fragen und Bitten kommen frisch
und echt rüber, auch wenn sie schwierige Themen wie Götzenglaube,
Armut, Zweifel, Angst, Schuld oder Kinderlosigkeit streift. Auch in ihren
Liebesliedern versucht sie die göttliche Quelle durchscheinen zu
lassen, die »unveränderliche, unbezwingbare,
unüberwindliche, unverdrängbare, unerschütterliche, unermüdliche,
unbeirrbare, hartnäckige Liebe Gottes« (# 8 "Tell
Me"). Einen eindrücklichen Abschluss gestaltet "On Our
Side" (13), das darüber staunt, wie Gott gerade die Hilflosen,
die Aussenseiter und eben nicht die selbsternannten Coolen und Reichen
um sich sammelt. Anfangs fallen nur wenige Gitarrenakkorde, dann entwickelt
sich eine vielschichtige Streicher-Begleitung, die die Sängerin spürbar
mitreisst. Der Gesang ist herzerweichend, und die Lyrics sitzen: »Du
sitzt mit den Verletzten und Armen am Tisch, du lachst und tauschst Geschichten
mit dem Dieb und der Hure aus. Du könntest einfach schweigen und
uns hier sterben lassen, aber du schickst deinen Sohn für uns ...
Du bist auf unserer Seite.«

Fazit: ein ganz besonderes, eindrückliches Pop-Rock-Album mit packendem Gesang, hängenbleibenden Melodien und inspirierenden Versen, die sicher nicht nur Teenies ansprechen. Bethany Dillon nimmt ihre Zuhörer mitten hinein in das, was sie in den letzten Monaten erfahren hat und was sie beschäftigt. 
Meine Favoriten: The Kingdom, Something There, Beggar's Heart, On Our Side.
Aus gegebenem Anlass sei auf unseren Konzertbericht
von Bethanys Auftritt auf dem Springtime-Festival 2007 in Frauenfeld (CH)
und das dortige Exklusiv-
Interview für CCM-Rezis verwiesen ;-)
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