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 Cameron
Dezen
"love + rescue"

( 2005 Olivette Music
/ online )
»Jesus Christ saved my life.«
(1. Satz in Cameron Dezens Künstlerstatement)

Ein Herz mit riesigen Flügeln ziert das CD-Cover von Cameron Dezens im Mai erschienenem Album "Love + Rescue". Auf der Homepage der Singer-Songwriterin bewegen sich diese Flügel sogar, als ob sie vom Herzschlag durchpulst würden. Ein treffendes Bild für die Veränderung in ihrem Leben: Ihr Herz schlägt neu für Jesus Christus, ihren Retter und Heiland, dem sie 2001 ihr Leben anvertraute und der ihr Heilung und neue Freiheit geschenkt hat. Und ihr Herz schlägt auch für Matt Hammon, Songwriter, vielseitiger Musiker, Produzent und ihr Ehemann seit 2002. Beides prägt ihre zweite CD, die eine Gemeinschaftsarbeit des Musikerpaares ist - dezent in den Worten, deutlich in der Grundstimmung.
Herz auf dem Display

Anders, als es ihr Künstlerstatement erwarten liesse, das ihren Weg von Rebellion über Krankheit zum Glauben schildert, schreibt Cameron Dezen keine modernen Gospels oder bekenntnishaften Songwriter-Stücke. Der Name "Jesus" oder "Gott" fällt in der Tat kein einziges Mal. Die 10 Lieder sind vielmehr poetische Kunstgebilde, Gedankengewebe, deren Bedeutung sich nicht konkret verstehen, sondern nur erahnen und erfühlen lässt. Immer wieder ist von Kampf, Warten/Stillehalten, Nacht/Dunkelheit die Rede. Streiflichter fallen auf Erinnerungen, ihre Partnerschaft und ihren Alltag als Musikerin. Der frühere Projekttitel "songs from the prayer room" passt gut: Es ist Cameron Dezens Herz, das spricht und seine Sehnsucht nach Rast, Veränderung, Befreiung und tiefer Liebe in Worte fasst ("Want You To Know Me"). Manches klingt vertraut, anderes eher bizarr ("Hands up"). Doch möglicherweise trifft sie genau die Sprache, die auch andere suchende Herzen verstehen, die sich nach einem neuen Tag, einem neuen Leben sehnen.
Elektro-Folk, Piano-Pop, Trip-Hop ...

Musikalisch verfolgt die New Yorkerin, die heute in Houston in Texas lebt,
den mit ihrem Debüt "Mary’s Daughter" (2000) eingeschlagenen
Weg weiter: stark rhythmisierte Electronica, nun aber mit einer neuen
Leichtigkeit, mit mehr Klavier und "natürlichen" Instrumenten
(Gitarre, Bassgitarre). Das ausgeklügelte Zusammenspiel von mal federleicht
dahinfliegendem, mal kühn-schrillem Gesang und elektronischen Klängen,
von Elementen aus Folk, Pop und Hip-Hop/Trip-Hop und die Abwechslung in
den Tempi und Rhythmen lässt immer wieder neue Stimmungen entstehen,
so dass kein Lied wie das andere klingt. In "Just Like Me" und
"Enough" mit seinem U2-Einfluss prescht
der formelhafte, aus einfachen Samples zusammengefügte Sound kühl-hypnotisch
voran, während mit "Right, Right Now", das allein von ausdrucksstarkem
Gesang und schlichter Klavierbegleitung lebt, das Album quasi im Wohnzimmer
des Zuhörers endet.
Musikerzweisamkeit

Die Zusammenarbeit mit Ehemann Matt ist Cameron Dezen sehr wertvoll, und
sie nennt als Vorbilder die Musikerehepaare Linford Detweiler & Karin
Bergquist von Over the Rhine und Derek
Webb & Sandra McCracken. Man hört
durchaus Parallelen: Wie OTR suchen Dezen & Hammon nach eigenständigen
Klanggebilden, die sich den Lyrics nicht unterwerfen, sondern diesen zu
vibrierendem Eigenleben verhelfen. Die Klavierballade "Didn't I",
die zweite Akustik-Aufnahme, erinnert an Karin Bergquists Pianostil (und
an jenen von Tori Amos und Sarah McLachlan). Wie Sandra McCracken wiederum
legt Cameron Dezen ihr Herz auf den Display – mit Ehrlichkeit auch all
dem Menschlich-Widersprüchlichen gegenüber.
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