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 Damaris
Joy
"limited edition"

( 2002 Damaris Joy / Gerth Medien
)
Nein, der CD-Titel "limited edition" weist nicht
auf eine limitierte Pressung hin, sondern hat ausschließlich inhaltliche
Gründe! Dazu weiter unten mehr...
Erst einmal: Damaris Joy steht wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten.
Nach über zehn Jahren Abstinenz von der christlichen Szene hatten
sie bereits vor zwei Jahren wieder erste öffentliche Auftritte zusammen.
Damaris Joy gehörte einmal mit zum Urgestein der christlichen Musikszene
in Deutschland. Zuerst in ihrer Heimat, dem Siegener Land, dann auch bundesweit.
Halt, bundesweit? Nein, nicht ganz, denn mir war es bis 1989 nicht vergönnt,
was von dieser Band zu wissen, denn der Osten war bis dahin noch einge-mauert.
In westlichen Gefilden - also auch in anderen Ländern Westeuropas
- erspielte sich die Truppe durch jahrelange "Kleinarbeit" einen
hohen Bekannt- und Beliebtheitsstatus.

Nun wurde endlich auch ein musikalischer Neuanfang in Form einer CD-Produktion
gewagt. Der eigentliche Entwicklungsfortschritt ist aus meiner Sicht die
höhere Produktionsqualität. Da kann höchstens noch der
eigentliche Studio-Vorgänger "open doors" von 1987 mithalten.
Dem Quintett aus der "frommen deutschen Hauptstadt", Siegen,
sind exzellente Rockstücke gelungen, Nummer 2 bis 4 sind einwandfreie
Belege dafür. Was den "neuen" Sound der Band betrifft,
so schuf sie kein Duplikat ihres ersten Karriereabschnitts, sondern hielt
Bewährtes bei und kreierte Neues dazu. Natürlich liegt eine
starke Betonung auf dem Mainstream der 80er, denn die alten Fans sollen
möglichst auch die neue Platte kaufen ;-) Doch es gibt auch einige
Elemente aus den 90er Jahren zu hören, zum Beispiel setzt Schlagzeuger
Sebastian Cuthbert gute Akzente! "Pick up the fallen ones" (#
8) hat was vom Alternative-Rock der Mittneunziger.
Frisch und sehr ausgereift wie eh und je ist das Songwriting der beiden
Wahler- und Jost-Brüder. Man hört auf jeden Fall ihre jahrelange
Erfahrung von unzähligen christlichen CDs, wo sie in der vergangenen
Dekade mitgewirkt haben. Doch Routine und Abgeklärtheit vermisst
man erfreulicherweise. Alle Lieder gehen gut nach vorne ab, die meisten
haben ein hohes Tempo und wurden für eine "Popband" ziemlich
rau abgemischt. Dies sollte auch die jungen Rockmusikfreunde hellhörig
werden lassen...

Schade finde ich, daß man im Beiheft nichts Deutsches lesen kann.
Die übergroße Mehrheit des Publikums dieser Gruppe dürfte
schon im "mittleren Alter" sein und aus Deutschland kommen -
warum dann auch alle Zusatzinfos neben den Liedtexten in englisch? Für
mich nicht nachvollziehbar.
Jedenfalls sind die Liedtexte selbst sehr gelungen, wenn es auch leider
keine deutsche Übersetzung zu ihnen gibt. Zu jedem Lied ist eine
Bibelstelle angegeben, was gut zur Vertiefung der Gedanken ist. Wie gewohnt
kratzen die Herren Jost und Wahler nicht nur an, sondern auch unter der
Oberfläche. Zwölf ehrliche Texte mit Substanz sind das Ergebnis.
Thematisch geht es zum Beispiel darum, daß Gott lauter "limitierte
Ausgaben" geschaffen hat, denn jeder Mensch ist ein Original. Der
Titelsong (# 1) unterstreicht dies einmal mehr. "Any time" (#
11) spricht von der Veränderung, die der Lauf der Zeit (besser Jahrhunderte)
so mit sich bringt, "gentle light" (# 12) setzt dazu in gewisser
Weise einen Kontrapunkt der Hoffnung, denn es geht um den Einzug des Volkes
Israel ins gelobte Land. Von der Veränderung zur Heiligkeit durch
die Liebe Gottes spricht "love comes to town" (# 2).

Fazit: Man kommt gar nicht umhin, für die neueste Damaris Joy-Scheibe
eine ernsthafte Empfehlung auszusprechen! Raffinierte Melodien, erstklassige
musikalische Handarbeit und gescheite Texte, das ist Damaris Joy anno
2002. Hoffentlich gibt es in Zukunft noch weitere Produktionen der Siegener
Combo.
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