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Dieter Falk - ''Volkslieder''Dieter Falk
"Volkslieder"


   ( 2007 Gerth Medien/Random House / edel;
           'Plattenläden'; online )

Dieter Falk legt "Volkslieder" auf

Schon bei "A Tribute To Paul Gerhardt" fragte ich mich, ob das eine ehrliche Geschichte ist: immerhin hat Paul Gerhardt zwar wunderschöne, tiefgehende Texte geschrieben, aber die Melodien dazu stammen von anderen Künstlern. Ist da ein Instrumentalalbum angemessen, um Tribut zu zollen? Nun, Instrumentalalben scheinen Dieter Falks persönlichstem musikalischem Ausdruck zu entsprechen, und in der Tat verbinden wir als Hörer die bekannten Melodien ja in unseren Köpfen mit den bekannten Worten und können deshalb auch auf diese Weise Paul Gerhardt erleben. Gönnen wir deshalb Dieter Falk den Erfolg, den er mit einem musikalisch ja auch durchaus ansprechenden Album einfuhr.

Aber jetzt schon eine weitere Platte und dann wieder ein Rückgriff auf bekannte Melodien? Und vorallem: benötigen und vertragen diese Volkslieder wirklich eine Politur durch Dieter Falk? Mir persönlich gefiel schon die Promotion für das Album nicht, denn ich und die"echten" Volkslieder sind schon lange Freunde, so dass ich nicht gleich Halleluja rufe, wenn einer meint, diese Lieder entstauben zu müssen. Außerdem gibt es unzählige "zeitgemäße" Volkslied-Interpretationen von Künstlern, die nicht im Verdacht stehen, im Musikantenstadl zu hausen. Da soll mir also etwas verkauft werden, was mir weder neu noch nötig erscheint. Mein Urteil über das Album spar ich mir aber bis zum letzten Abschnitt des Beitrags auf und erlaube mir vorher einen kleinen "musikhistorischen Exkurs" und ein paar Bemerkungen zum Bemühen, diese für heutige Hörgewohnheiten aufzubereiten.

Jeder, der Volkslieder einer kritischen Zielgruppe näher bringen will, muss zunächst einmal klar machen, dass es sich beim meisten, was im Fernsehn unter Volksmusik läuft, nicht um echte Volkslieder, sondern um volkstümliche Schlager- und Unterhaltungsmusik handelt, die meist unter kommerziellen Gesichtspunkten produziert wurde. In echten Volksliedern ist dagegen eine authentische Ausdrucksform von Gefühlen und Gedanken zu finden, deren Popularität auf natürlichem Weg entstanden ist (weil sie Herzen und Gemüter ansprach) und sich teilweise über Jahrhunderte hinweg erhielt. Man sollte die Abgrenzung freilich nicht zu rigide vornehmen, denn das heutige Musikgeschäft bringt natürlich durchaus auch Musik hervor, die universell anspricht und sich in den Herzen hält.

Mit der Massenverbreitung der Musik durch Radio und Schallplatte verlor die Volksmusik ihre Vorherrschaft im Bewußtsein der Menschen an die "populäre Musik". Seitdem ist fast jedem ein nie versiegender Strom neuer Lieder in allen möglichen Stilarten zugänglich und präsent, die sich in ihrer Popularität ständig ablösen und oft nicht durch ihre musikalische Qualität Dominanz erlangen, sondern durch die Geschicktheit ihrer Promotion, durch Modewellen oder eine schon vorhandene Bekanntheit von Interpreten..

Volkslieder müssen einen gewissen Test der Zeit bestanden haben, um als solche bezeichnet zu werden. Es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass "Vollblutmusiker" ein Faible für Volkslieder entwickeln, denn sie erspüren natürlich vor manchen anderen das Potential ehrlicher, echter und ursprünglicher Musik. Viele "ernste" Komponisten nahmen Impulse aus der Volksmusik auf - von den großen Romantikern bis zu Carl Orff.

In der deutschen Musikszene litt die Volksmusiktradition durch den Nationalsozialismus, der das deutsche Liedgut für sich vereinnahmte und für seine Zwecke missbrauchte. Als Ende der 60er Jahre Heino Fahrtenlieder aufnahm, rückte man in in die nationale Ecke, obwohl diese Lieder meist aus der Wandervogel-Bewegung und einer "romantischen Tradition" kamen. Heino hatte außer Schlagern vorallem in der Anfangszeit seiner Karriere viele echte Volkslieder im Programm, denen sein Produzententeam einen durchaus modernen, wenn auch etwas hauruck-mäßigen Sound verpaßte. 1977-1979 gab es die TV-Serie "Sing mit Heino" im ZDF. Durch Interpreten wie Heino oder die Fischerchöre und den singenden Bundespräsidenten Walter Scheel ("Hoch auf dem gelben Wagen") wurden Volkslieder wieder populär, doch die Art der Interpretation und Präsentation sowie die Vermengung mit dem volkstümlichen Schlager verhalf dieser Musik zumindest bei den jüngeren oder progressiveren Musikfreunden nicht zu Ansehn.

Da war es schon hilfreicher, dass ein progressiver Liedermacher wie Hannes Wader ein "Volkslieder"-Album veröffentlichte. Eine gute Stimme und virtuoses akustisches Gitarrenspiel ließen die alten Lieder zeitgemäß erklingen, ohne dass Modernismen erforderlich waren. Folkacts wie Liederjan und Zupfgeigenhansel demonstrierten außerdem, dass Volkslieder nicht immer brav und bieder waren, sondern Romantik und politischen Biß vereinigten. Der Hamburger Sänger und "Teufelsgeiger" Lonzo veröffentlichte zwei wirklich schöne LPs mit Volksweisen, die er zu Folkjigs und Countryrocknummern ummodelte; mit etwas Glück findet man sie noch auf einer CD, die beim Label "Bear Family" entstanden ist. Erwähnen möchte ich auf jeden Fall auch das Album "Volxlieder", das der Hamburger Altrocker und Ex-Rattles-Sänger Achim Reichel 2006 veröffentlicht hat. Reichel erweist den Liedern einerseits den schuldigen Respekt mit wunderschönen folkigen Arrangments, paßt sie aber teilweise melodisch und vom Aufbau her heutigen Hörgewohnheiten an und gibt ihnen außerdem seine Stimme, die gewöhnungsbedürftig aber echt und für mich einfach mitreissend ist. Dies sind nur wenige Beispiele für neue Volkslied-Interpretationen; im Fundus der Mittelalter- und Folkrevival-Bands finden sich natürlich unzählige Volkslieder, die "verrockt" wurden.

Jetzt also nochmals zu Dieter Falks "Volkslieder"-Interpretationen. Für mich überdecken seine jazzigen Spielereien mitunter die Schönheit mancher Lieder und nehmen ihnen etwas von ihrer Tiefe - es gibt freilich auch umgekehrt den Versuch, der Wirkungsmächtigkeit mancher Melodie gerecht zu werden. Am wenigsten schiefgehen konnte bei einem Stück Volksmusik wie dem "Bolle" - Lied, wo man eher dankbar ist, dass um eine totgesungene Ohrwurmmelodie herumexperimentiert wird und man sich einfach am Groove erfreut.Im Booklet macht der Künstler hinreichend deutlich, dass er einen wirklichen Bezug zu den Liedern hat, und die Vielfarbigkeit der Interpretationen zeigt auch, dass da einer seiner Kreativität und Spiel- bzw. Experimentierfreude freien Lauf läßt und nicht routiniert ein Programm herunterspult, um zu opportuner Zeit wieder eine Platte auf dem Mark zu haben. Zweimal hat Dieter Falk Gesangsverstärkung geholt: die Interpretationen von Rapsoul und Senna sind diskutable Versuche, die Lieder vollends in die Moderne zu hieven. Wer Dieter Falks "Handschrift" mag, kommt auf seine Kosten, unabhängig davon, ob sie oder er wirklich offen ist für eine Initiierung in Sachen Volkslied.


Rainer Buck für CCM-Rezis, Oktober 2007

Daten:
13 Titel / 48 Min.
Musikstil: Instrumental-Volkslieder-Pop
Label(s): 2007 Gerth Medien, Asslar/Random House Audio, München / Gerth
               Medien, Asslar; edel Distribution GmbH, Hamburg; 'Plattenläden';
               online
Website: http://falkmusic.de  /  bei myspace

Wo kaufen?:
bestellen im Gerth-Shop...  /  bei Amazon (D)...

weitere CDs – siehe Dieter Falk-Künstlerseite >>
 


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