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Fettes Brot - ''am Wasser gebaut''Fettes Brot
"am Wasser gebaut"


   ( 2005 Fettes Brot / Indigo / 'Plattenläden'; online )

»Nicht ganz zufällig also wird unsere nächstgrösste, fünfte Langspielplatte deshalb 'Am Wasser gebaut' heissen. Ob das richtig ist, dürft Ihr selbst entscheiden. Es ist auf alle Fälle auf-richtig.« So das rappende Trio Fettes Brot aus Deutschlands Norden. Es ist schon bezeichnend für eine Szene, für ein Genre, wenn eine Band der ersten Stunde sich inzwischen von den gängigen Praktiken dort distanziert - aus meiner Sicht längst überfällig! Fettes Brot haben sich als Label selbständig gemacht, den Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit gewagt. Das ist absolut Begrüßenswert und vorbildhaft. In einer schwierigen Zeit für Deutschland, wo mehr gejammert als angepackt wird, sei dies der Nachahmung wärmstens empfohlen.

Ihr Autobiographisches Statement, welches der Vorab-Version ihrer neuen, mittlerweilen fünften!, Langspielplatte beilag, kommt originell aber glaubwürdig rüber. Da wird Klartext geredet: »Wir kamen und bleiben zusammen, weil uns eine Menge verbindet. Uns gemein ist ein Mangel an Selbstsicherheit und ein totales Desinteresse an unsensiblen Menschen. Wir scannen nach Wärme und Leidenschaft im Radio/TV Flachland. Unsere selbstangebaute Soul Vision ist geprägt von intensiven Emotionen, die wir da draussen immer mehr vermissen. Aber wir gehen nicht zum Arzt - wir klettern auf Bühnen.« Mutig, das.

Genauso so nicht-brav ist ihr musikalisches Statement auf der neuen Platte: "Nur" zehn Lieder krachen voll rein. Keine Spielereien, keine Interludes, einfach fette Musik mit Sinn und Verstand und den "richtigen" Emotionen. Rappenderweise vorgetragene Texte und Themen sind sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner von Martin, Boris und Björn. Drumherum und dazwischen ist Platz für einen saftigen Stilmix, der die gängigen "Deutsch-HipHop-Klischees" sprengt und alles von den Füßen auf den Kopf stellt. Keine Hau-drauf-Revolution, sondern ein Weg zurück zu den Wurzeln: Soul, Funk, Rock und Akustik-Pop-Klänge gehen eine bemerkenswerte Liason ein, die dem Zuhörer mehr als einmal ein neckisches Grinsen abringt. Es klingt einfach cool, nein mehr noch, es ist einfach cool. Mit von der Party natürlich auch die erste (Bundesvisions-) Single "Emanuela", die schon vieler Radios Liebling wurde... Es fällt dann fast gar nicht mehr auf, daß da auch noch drei Kollegen mitmachten bei drei Songs (#7, #8, #9), die da wären: Alex Prince, Finkenauer und J-Luv.

Getextet wurde bei dieser Platte über unerreichbar nette & schöne Mädels von nebenan, "sonstige" Freunde, auch Feinde, Alltagskonflikte, und das Selbstverständnis als Band. Genau kann man das aber sooo gar nicht sagen, denn eigentlich geht es in jedem Lied so ein bißchen um 'Gott und die Welt'. Fettes Brot haben schon lange ihren ganz eigenen Stil von Deutlichkeit gepaart mit Humor und Schlagfertigkeit gefunden. Daher macht es auch Laune ihnen zuzuhören: Nichts Aufgesetztes, nichts Verkrampftes, kein Trendgehopse. Man kann entspannen und nickt bisweilen zustimmend, denn die Texte sind am pulsierenden Leben dran!

Fazit: Eine vergnügliche, keinesfalls belanglose Platte, die ganz klar aus dem Meer der säkularen HipHop- und PopHop-Scheiben heraussticht. Die inhaltliche Eigenständigkeit und die musikalische Finesse sind besondere Merkmale dieser Band und ihres ehrlichen neuen Werkes "am Wasser gebaut".

[Hinweis: dies ist eine Rezension zu einer Vorab-CD.]


—David Decker für CCM-Rezis, März 2005

Daten:
10 Titel / 46 Min.
Musikstil: Hip-Hop, Funk, Soul, Latin, Pop-Rock
Label(s): 2005 Fettes Brot Schallplatten GmbH, Barmstedt / Indigo
               Musikproduktion + Vertrieb GmbH, Hamburg / 'Plattenläden'; online
Website: http://www.fettesbrot.de  /  bei Add On Music

weitere CDs - siehe Fettes Brot-Künstlerseite >>


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