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Nelly Furtado - ''folklore''Nelly Furtado
"folklore"


   ( 2003 Dreamworks Rec. / 'Plattenläden'; online )

in "amm (aktiv Musikmagazin)" Dezember 2003:
»Folk mit Fortschritt

"Ich weiß, ich weiß“, lacht Nelly Furtado, "Volksmusik bei euch in Deutschland ist nur etwas für alte Leute. Aber in Portugal ist das komplett anders. Wenn bei uns irgendwo ein Fest ist, auf dem traditionelle Musik gespielt wird, dann kommen alle Generationen zusammen, um zu tanzen und zu feiern.“ Und um diesen Kommt-zusammen-Gedanken weiterzuspinnen, habe sie ihr neues Album "Folklore“ genannt. "Es ist ein Titel, mit dem jeder Mensch irgendetwas verbinden kann. Meine Definition von Folkmusik ist nicht so sehr durch ein bestimmtes Genre bestimmt, sondern extrem breit angelegt. Ich wollte noch nie einsehen, warum es stilistische Grenzen beim Musikmachen und Songschreiben geben sollte.“

Entsprechend abwechslungsfreudig und reich an stilistisch hochdiversen Zutaten klingt es denn auch, das mit einiger Spannung erwartete Zweitwerk von Furtado, die vor drei Jahren mit "Whoa! Nelly“ zunächst langsam, dann aber doch sehr nachhaltig die Popwelt eroberte. "In Kanada, wo ich geboren bin und lebe, war ich praktisch über Nacht ein Star, aber im Rest der Welt hat es über ein Jahr gedauert.“ "I’m like a bird“ war schließlich auch bei uns ein Top-Hit, das muntere Album holte "Gold“. "Verdorben hat mich der Erfolg überhaupt nicht. Ich war immer eine sehr erdige, bodenständige und familiäre Person, das hat sich überhaupt nicht geändert.“

Ebenfalls nicht geändert hat sich die Experimentierlust der 25-jährigen nebst ihrer zwei produzentischen Begleiter, die unter dem Namen Track & Field firmieren. In "Childhood Dreams“, dem Abschluss-Song von "Folklore“, lassen sie eine Kirchenorgel zu Wort kommen, Pop, Soul, Folk und Elektronik gibt es sowieso, außerdem diverse Gäste (Banjospieler Bela Fleck, das Kronos-Quartett oder die brasilianische Folklegende Caetano Veloso). Aber auch auf grandiose Melodien muss niemand verzichten, die erste Single "Powerless“ dient hier als Beweis. Der Inhalt des Songs: Die moderne Popkultur. "Ich komme aus einer ziemlichen Hippiefamilie, als Kind hatte ich seltsame Klamotten an und war überhaupt recht schräg. Ich habe immer schon meine eigene Meinung gehabt, aber gleichzeitig finde ich es faszinierend, wieviel Mühe sich die Kolleginnen wie Britney oder Kylie dabei geben, mit jeder Platte auch ein neues Bild von sich selbst zu offenbaren. Diese Menschen verkaufen komplette Phantasieversionen von sich selbst.“

Ihr Ding ist das nicht. Geboren in der Nähe von Vancouver, nun wohnhaft in Toronto und mit Eltern, die auf den schönen zu Portugal gehörenden Azoren-Inseln aufgewachsen sind, ist das Musikmachen eine sehr natürliche, ungekünstelte Sache für Nelly. "Ich habe immer gesungen, in der Küche, der Kirche, der Kneipe. Dass ich das nun zu meinem Beruf gemacht habe und Geld damit verdiene, ist toll, dass meine Songs im Radio laufen, ist auch toll, aber ich würde niemals etwas machen nur mit dem Ziel, Erfolg zu haben.“ Parallel zu "Folklore“ hat Nelly, die beim Interview eine lustige Jacke trägt, in die ihr Name eingestickt ist, noch ein weiteres Projekt erfolgreich zum Abschluss gebracht: Nevis. "Meine Tochter ist jetzt zwei Monate alt und ein unglaublich ruhiges, braves Kind. Sie hat mir unheimlich beim Songschreiben geholfen, ich denke, in Zukunft werde ich am besten immer eine neue Platte machen, wenn ich schwanger bin.“ Wünschen wir Nelly einen reichen Kindersegen.«


—amm (aktiv Musikmagazin), 12/2003
Hinweis: Hier dargelegte Meinungen von Gastautoren müssen nicht die Meinung der CCM-Rezis-Redaktion wiedergeben.


Daten:
12 Titel / 53 Min.
Musikstil: Folk-Rock
Label(s): 2003 Dreamworks Records, USA / Universal Music, Berlin /
               'Plattenläden'; online
Website: http://www.nellyfurtado.com  /  deutsche Fan-Site


weitere CDs - siehe Nelly Furtado-Künstlerseite >>
 


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