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Amy Grant - ''legacy ... hymns + faith''Amy Grant
"legacy…hymns & faith"


   ( 2002 Word Entertainment / Warner / bv-music;
           'Plattenläden'; online )

[Hinweis für den Leser: Der erste Teil des doch etwas länger geratenen Artikels ist eine Betrachtung zu Amys Karriere und Entwicklung, der zweite Teil bewertet dann ihre neue CD.]

25jähriges Künstlerjubiläum! Amy Grant sitzt damit ja fast in einem Boot mit Petra... Was es nicht alles gibt. Ok, im Ernst, Amy hat damals in den 70ern auch als Teeniepopperin angefangen. Nicht ganz unähnlich Stacie Orrico und Rachael Lampa heute.

In den 80ern begannen die großen Diskussionen um Amy, wegen ihres Vertrages mit der säkularen Firma A&M Records und ihren ersten "Hits in der Welt". Das wurde dann auf die Spitze getrieben in den 90ern, als ihr das Überqueren der Grenzpfade zwischen christlicher und säkularer Szene gelang. Ja, und dann waren da noch diese Episoden mit Gary Chapman, ihrem Ex-Eheman, von dem sie sich 1998/99 scheiden ließ. Bereits in den 80ern hatte es gekriselt, doch dann das. Und dann die neue Liasion mit dem US-Country-Schlagersänger Vince Gill. Die Spitzenfunktionäre der christlichen Musikindustrie und die Handelsgeschäfte entschieden entgegen vorangegangen, ähnlichen, Ereignissen in der Branche, dieses Mal alle Tonträger in den Geschäften zu lassen und so zu tun als sei nichts gewesen. Dennoch hat die Sängerin wohl etliche Fans verloren seid diesen Entwicklungen, die nicht so richtig zu ihrem Bild und Definition als "christliche Popsängerin" passen. Seit dem kommerziell nur "mäßig" (je nach dem, wie man es sieht...) erfolgreichen 1997er Album "behind the eyes" ging es mit dem frommen Image von 'sexy Amy' immer mehr bergab. Zwar gab es ein drittes Weihnachtsalbum 1999 und entsprechende Christmas-Tourneen, doch die sprachen wohl eher die treuen Fans an, als das (erhoffte?) große Publikum wie zu früheren Glanzzeiten Anfang der achtziger bzw. neunziger Jahre.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube, dieses neue Hymnen-Projekt ist lediglich dazu da, um alte christliche Fans zurückzugewinnen, um dann erst das längst überfällige echte neue Pop-Studioalbum nachzureichen. Das Image soll wieder hergestellt werden, es muß wieder Glaubwürdigkeit her. Und wie geht das besser als mit netten, süßlichen Geschichten von früher, wo sowieso alles besser war? Ja, wie ist das nett, was uns das Word-Label da sagt: 'Amy hat ihre theologischen Erkenntnisse allein aus diesen traditionellen Hymnen und sie bilden das Fundament'. Jeder wird unweigerlich an seine eigene Jugend erinnert und an sicherlich schöne Erlebnisse mit solchen Liedern. Richtig, die Amis verstanden schon immer etwas von Marketing. So werden dann auch alle Kirchen angeschrieben und Werbung gemacht für die Gemeindelieder in neuer Amy-Fassung, die den Erfolg besorgen sollen. Die hölzerne alte Südstaatenkapelle auf Cover und im Booklet sagt doch schon alles, oder? - Denn läßt man einmal dieses ganze Geplänkel von Management, Labels und Fans beiseite, sieht es echt so aus, wie eben geschildert. Uns soll eine Amy mit weißer Weste präsentiert werden, damit der Rubel wieder rollt.

So, ich war jetzt mal ein ganz ganz böser, hundsgemeiner Rezensent, der Amy das alles nicht gönnt. Ich weiß, ich weiß, das ist alles nicht wahr und ihr geht es nur darum 'Leute zu erreichen' und wie kann man eigentlich so was urchristliches wie eine Gemeindelieder-CD kritisieren? Man kann, sonst hätte ich es hiermit nicht tun können. Und man kann (oder sollte?) sogar manchmal eine vermeintlich unnahbare Diva bzw. "Institution" wie Himmelsfriedengesicht Amy Grant hinterfragen (und die Methoden, mit der ihre CDs beworben werden...).


Zurück zur vorliegenden CD: Rein musikalisch betrachtet, gibt es keine Innovationen, das war auch nicht anders zu erwarten bei einem solch speziellen Projekt. Dafür klingt dieses Amy-Album wohl genauso, wie es sich insgeheim die frommen Fans schon lange gewünscht haben: Evangeliumslieder im rootsigen Folksound mit Amys weltbekannter Stimme. Und ich kann auch nur bescheiden anerkennen, daß diese CD einfach voll abgeht. Die Arrangements sind erste Sahne und die Texte dieser Jahrhundertealten "Schlager" sowieso. Ebenfalls daran anknüpfen können die fünf neuen Stücke, die extra für diesen Opus komponiert wurden. Es ist einfach eine Passion, zu hören mit welcher Perfektion und Lässigkeit ein "this is my father's world" (# 1; erste Radiosingle!) aus den Boxen dringt.

Interessant ist, daß das Projekt in nur unglaublichen 25 Tagen aufgenommen wurde, ein neuer Rekord für Amy und ihren Produzenten und Entdecker Brown Bannister (und neu bei ihr Produzentensessel: Ehemann Vince Gill!). Um im Zweifelsfalle den Erfolg 100%ig zu garantieren, wurde der wohl erfolgreichste christliche Pop-Song des Jahres 2001, "I can only imagine" von MercyMe mit eingespielt, quasi als sicherer Hit in der Hinterhand. Dazu gesellt sich natürlich ein Medley, das bei einer derartigen Zusammenstellung nicht fehlen darf.

Fazit: Viele meiner Lieblings-Gemeindelieder gibt es hier im exzellenten Amy-Sound. Und so komme ich am Ende trotz manch kritischer Betrachtung nicht umhin, wegen der hervorragenden Musik doch eine Empfehlung für dieses Album auszusprechen. Allerdings sollte der geneigte Pop- und Amy-Fan vorher mal reinhören, ob ihm dieser Stil zusagt.


—David Decker für CCM-Rezis, Oktober & November 2002

Daten:
14 Titel / 53 Min.
Musikstil: Folk-Pop (Hymns)
Label(s): 2002 Word Entertainment, USA / Warner, USA / bv-music, Haan;
               'Plattenläden'; online
Website: http://www.amygrant.de

weitere CDs - siehe Amy Grant-Künstlerseite >>
 


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