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 Keith
Green
"the ministry years 1977-1979"

( 1999 Sparrow Records / Gerth
Medien )
»Falls meine Musik - und
mehr noch mein Leben - dich nicht zu göttlichem Eifer oder zu mehr Hingabe
an Jesus angeregt hat, bereue ich es, je ein einziges Lied aufgenommen
und je ein Konzert gegeben zu haben.« (Keith Green)
Keith Green - The Ministry Years 1977-1979
(1999 / Sparrow Records)

Keith Green, der 1982 als erst 28-Jähriger
bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, ist ein Pionier der zeitgenössischen
christlichen Musik (CCM) und zugleich ein sehr hoher Massstab für einen
evangelisierenden Musikdienst. Seine Lieder sind zugleich Predigt, Gebet,
Dank, Bussaufruf. Sie schöpfen direkt aus den einzelnen Glaubensschritten,
die das lebens- und sinnhungrige Musikwunderkind nach seiner Bekehrung
mit 21 Jahren erlebte. Während sich heute viele Stars und Blockbusters
der verkommerzialisierten CCM-Szene auf ein paar wenige Themen - meist
auf Gefühlsebene - zu beschränken scheinen, finden sich in Keith Greens
Werk alle Aspekte des Evangeliums: Gottes Zeugnis in der Schöpfung, Jesus
als Heiland und als Herr, Sünde, Gottes Gericht, Vergebung, ewiges Leben,
Erweckung, Jüngerschaft oder biblische Parabeln (der verlorene Sohn, der
barmherzige Samariter). Es lohnt sich auch heute noch, dieser Stimme zuzuhören,
etwa in der 1999 neu aufgelegten 2-CD-Anthologie "The Ministry Years 1977-1979"
(produziert von Bill Maxwell) mit ihren 38 Tracks von "Because of You"
bis zum "Altar Call". Keith Greens Lieder vermögen noch immer direkt und
persönlich anzusprechen.
Rock'n'Roll und Pop-Balladen mit viel Klavier
Klavier Zusammen mit seiner Frau Melody schrieb Keith Green anrührende
Balladen, innigste Anbetungslieder wie "Make My Life A Prayer To You"
oder "Rushing Wind", fetzige Pop-Rock-Nummern, trotzig-neckische Stücke
wie "Dear John Letter (To The Devil)" und auch eine eigentliche Synthi-Sinfonie,
"The Prodigal Son Suite". Und immer steuerte er seine Tastenkunststücke
bei, die gerne mit Elton John verglichen werden. Sein Musikstil ist bei
all seiner Reichhaltigkeit schlicht und hörbar in der Zeit verwurzelt
- da schwingen neben Gospeltönen Hippie-Gefühl, Flower-Power, Beatles-Beat,
Folk und Rock'n'Roll mit. Seine Melodien und Arrangements sind eine einladende
Verpackung gerade für die, die wie er ganz aus der Welt stammen. Sein
Vortrag ist enorm gefühlvoll, impulsiv. Wie er es einmal in einer Predigt
vor jungen Zuhörern thematisierte, liegen bei ihm Lachen und Weinen sehr
nahe beieinander. Seine enorme Bühnenpräsenz war im zeitlebens ein Vorteil
wie auch ein Stolperstein, da er sich seiner geistlichen Verantwortung
und der Gefahr der eigenen Eitelkeit sehr wohl bewusst war.
Christus einer verständnislosen Welt predigen
Kennzeichen der Lieder von Keith Green sind Ehrlichkeit, Kompromisslosigkeit,
schonungslose Direktheit und Geradlinigkeit. Diese werden nie von schwülstigen
oder kitschigen Klängen aufgehoben. Dazu ein tiefer Eifer und ein Brennen,
sich vom Heiligen Geist führen zu lassen, damit Jesus vor einer verständnislosen,
verkehrten Welt verkündet wird. Der quirlige Lockenkopf verstand es, seine
Botschaft in eine verständliche und lebensnahe Sprache zu packen, die
den Zuhörer oft unausweichlich mit "Du" anspricht. »Schau aus
deinem Fenster, sieh dir die Welt an ... Woher kommt sie? Wer erschuf
sie? Wohin wird sie gehen? Möchtest du nicht die Antwort darauf haben?
Nun, ich weiss es« ("Don't You Wish You Had The Answers"). Markige
Worte - »he is de-vine and we are de-branch« (in "He'll
Take Care Of The Rest") oder »Most people don't find out till
they're half dead / That they need another life« (in "Altar
Call") -, herausfordernde Appelle und Fragen, lebendige Dialoge, humorvolle
oder ironisch-flapsige Bemerkungen und dann wieder äusserst berührende
Bilder krallen sich im Gedächtnis fest: »In 6 Tagen erschufst
du [Herr] alles, aber am Himmel arbeitest du seit 2000 Jahren!«
("I Can't Wait To Get To Heaven")
Radikale Nachfolge statt billige Gnade
Da fallen klare Worte, wie wir sie in der Bibel zwar finden, wie sie aber
heutzutage oft nur zaghaft oder beschönigend ausgesprochen werden. Nicht
besserwisserisch, von oben herab abkanzelnd oder vorwurfsvoll, aber auch
nicht anbiedernd, sondern davon beseelt, Menschen zu überzeugen und eine
bequem gewordene Christenheit aufzuwecken und zur Busse zu rufen. Zum
Beispiel im Lied "Asleep In The Light", das eindringlich hervorhebt, dass
Glaube nichts mit Religion oder Tradition oder schönen Worten zu tun hat,
sondern ein lebensveränderndes Überzeugtsein ist. Und in "To Obey Is Better
Than Sacrifice" entlarvt er ohne Umschweife Lauheit und Scheinheiligkeit:
»Ich will mehr als nur Sonntage und Mittwochabende. Wenn du nicht
jeden Tag zu mir kommen kannst, so lass es am besten gleich ganz bleiben!«
- eine Liedzeile, die auch in seinem engsten Freundeskreis Unbehangen
auslöste. Doch Keith Green war es stets darum zu tun, Jesus über alles
zu stellen. Erkenntnisse, die er aus seinem Bibelstudium und im Zusammenleben
mit anderen Christen und Suchenden gewann, flossen unmittelbar in sein
kreatives Schaffen ein: etwa Gedanken über seine ungläubigen Eltern ("Song
To My Parents"), seine Ehe, seine Kinder, seine Musik, die Macht des Teufels
("No One Believes In Me Anymore"). Viele der frühen Lieder handeln vom
Suchen nach Sinnerfüllung, so etwa "You Can Run To The End Of The Highway".
Er singt vom Aufdecken von Sünde und Trägheit im eigenen Leben ("I Don't
Wanna Fall Away From You", "My Eyes Are Dry"), von der Begeisterung über
Gottes spürbares Wirken ("I Can't Believe It") und immer wieder ehrfürchtig
von Seiner Majestät ("The Battle is Already Won").
CD inklusive Biografie "No Compromise"
Ich bin überzeugt, dass jeder, der sich etwas in die englischen Texte
hineinkniet, grossen Gewinn für sich selber daraus ziehen wird, denn sie
predigen keine Ideologie oder Mode, sondern Jesus Christus. Lesenswert
ist auch Keith Greens von seiner Witwe Melody verfasste Biografie mit
dem bezeichnenden Titel "Kompromisslos", die der ersten CD in der englischen
Originalversion als PDF und Word-Dokument beigefügt ist. Sie schildert
spannend die Bekehrung des ruhelosen Ex-Hippies mit jüdischer Abstammung,
seine Erlebnisse als Musiker und in der Wohngemeinschaft, die Arbeit der
Last Days Ministries, den Hintergrund vieler Lieder, aber auch schonungslos
Keith Greens Kämpfe und sein Wachstum, das ihn zuweilen impulsiv unternommene
Schritte rückgängig machen hiess.
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