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Sara Groves - ''all right here''Sara Groves
"all right here"


   ( 2002 Sponge; INO / Asaph Musik, Gerth Medien )

Seit ihrer viel beachteten zweiten CD, "Conversations", hat Sara Groves unzählige Konzerte gegeben, mit Randy Stonehill ("Take me back") und Michael Card (Live-CD "Scribbling in the Sand") gesungen und bei den Produktionen "Traveling Light" (Titelsong mit Joel Hanson) und "City on the Hill" ("Child of Love") mitgewirkt. Ihre dritte CD, "All Right Here" (2002), war grossen Erwartungen ausgesetzt – und überrascht. Markenzeichen der Songschreiberin/Sängerin sind weiterhin ein Folk/Acoustic-Pop und der authentisch wirkende Erzähl- und Gesprächsstil. "All Right Here" ist jedoch stilmässig breiter, umfasst auch Bluegrass- und Blues-Elemente. Easy Listening scheint mir fast unmöglich, es ist vielmehr ein Album zum genauen Zuhören, Vertiefen, Wiederhören.

»Jedes Herz birgt so viel Geschichte. Dies ist mein liebster Ausgangspunkt. Komm, setz dich eine Weile zu mir und erzähl mir von dir. Ich habe keine Angst davor, wer du bist«, singt Sara Groves im Titelsong und sendet eine Einladung an uns Zuhörer aus, der ich sehr gerne und immer wieder nachkomme: Ich nehme mir einen Stuhl, rücke näher zur Sängerin mit der warmen Stimme heran und vertiefe mich ins freundschaftliche Gespräch ... Beziehungen stehen denn auch im Mittelpunkt aller Lieder: zu Jesus, einem Freund/einer Freundin, zum Bräutigam/Ehemann, zu einem Kind, zu Mitmenschen und Zuhörern. Nicht nur die bereichernden, erfüllenden Oasen, die uns die Liebe eines andern eröffnet ("Fly", "Every Minute"), werden angesprochen, sondern auch Reibungsflächen, Beziehungsstörungen und Einsamkeit ("Maybe there's a loving God", "Tornado"). Wie gehen wir miteinander in der Familie, in der Gemeinde, im Alltag um? Wie viel sind uns Mitmenschen wert? Nehmen wir uns Zeit für sie, oder schützen wir immer etwas angeblich Wichtigeres, Dringenderes vor ("One More Thing"), um dann nach dem schnellen Flug der Jahre mit leeren Händen dazustehen und zu realisieren: »Am Ende deines Lebens werden Beziehungen das Einzige sein, was übrig bleibt«?

Der stellenweise rockige, von Gitarren und Schlagzeug zunehmend vorwärts getriebene Eröffnungssong "Less like Scars" antwortet auf den verstörenden Schrecken des 11. September 2001 und generell auf persönliche Katastrophen – mit Dankbarkeit! Ähnlich wie im früheren Song "Painting Pictures of Egypt" erscheint Gott als liebevoller Hirte, der gerade durch den Schmelzofen der Probleme Wachstum und Heilung schenkt. Im Rückblick erscheinen die Wunden und Verletzungen als Charakterzüge – ein starker Vers: »Und in deinen Händen sehen Schmerz und Verletzung weniger wie Narben, sondern vielmehr wie Charakterzüge aus.« Einer der eindrücklichsten Titel ist "Maybe there's a loving God" aus der Sicht eines nach dem Sinn des Lebens suchenden, von seiner Umgebung unverstandenen Teenagers. Stimmungsvoll untermalen Flöte und Klavier das Bild der nachts im Garten hinter dem Haus unter dem Sternenhimmel nachdenkenden Jugendlichen: zuerst schwermütig, schleppend zu dumpfem Streicher- und Percussion-Arrangement, dann spürbar beschwingter angesichts der aufdämmernden Erkenntnis: »Vielleicht wurde dies [das Universum] für mich geschaffen. Damit ich mitten auf einem Feld auf meinem Rücken daliege. Vielleicht ist das ein egoistischer Gedanke: oder dann ist da ein liebender Gott. Vielleicht bin ich gerade so erschaffen worden, damit ich nachdenke, nach Gründen suche, frage, bete. Ich habe nie viel gebetet. Aber vielleicht ist da doch ein liebender Gott..«

Nein, Sara Groves selber ist keine Zweiflerin, keine Suchende. Doch einige ihrer Lieder sprechen von Menschen, die suchen und fragen. Sie blickt einfühlend in ihre Seelen, nimmt Anteil an Sehnsüchten, Verletzungen und Mängeln – und macht gerade dadurch deutlich, wie sehr wir Jesus als Heiland benötigen, seine Liebe, Vergebung und seinen Frieden ("This Peace", "Remember Surrender"). Ebenso atmosphärisch dicht und stimmungsvoll ist das Freundschaftslied "Every Minute", während das zärtliche Wiegenlied "You cannot lose my love" und die Hymne "Jesus, you're beautiful" (Nate Sabin) durch ihre Schlichtheit bezaubern. Mit letzterem Song und dem bluesigen "You did that for me" (Pierce Pettis und Jonell Moser) stellt die Sängerin klar, wo ihr Fundament ist.

Fazit: Wer Jill Phillips, Jennifer Knapp, Carolyn Arends oder Bebo Norman (oder Sarah McLachlan) und generell Folk/Acoustic-Pop mag und vor anspruchsvollen, unkonventionellen Liedtexten in der Tradition von Rich Mullins ("First song that I sing" ist eine hörbare Hommage an den früh Verstorbenen) und Michael Card nicht zurückschreckt, sollte sich diese vielfältige CD unbedingt anhören. Schon das Booklet fällt auf: Sara Groves' kreative Kritzeleien und die verschiedenen Schrifttypen entsprechen ihrem Retro-Stil und dem besungenen bunten Beziehungs-Kaleidoskop. Und es findet sich darin auch die Skizze zweier Stühle an einem Teetischchen mit den Anschriften "you" und "me"!


—Monica Seidler für CCM-Rezis, Dezember 2003

Daten:
13 Titel / 57 Min.
Musikstil: Adult Contemporary, Folk/Acoustic, Pop
Label(s): 2002 Sponge Records/INO Records, USA / Asaph Musik,
               Lüdenscheid; Gerth Medien, Asslar; online
Website: http://www.saragroves.com

Wo kaufen?:
bestellen im Gerth-Shop...  /  bei Amazon (D) ...

weitere CDs – siehe Sara Groves-Künstlerseite >>
 


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