|
 Sara
Groves
"station wagon - songs for parents"

( 2005 Sara Groves / online
)
»Kind, es gibt einige Löcher,
die du einfach nicht ausfüllen kannst. Du versuchst und versuchst es,
es wird dir aber nie gelingen. Kleines, ich glaube an einen Gott, der
sie füllen kann. Er hat den Knaben lieb, und er wird den Mann lieben.
Und ich bete für dich und für mich: Lass unsere Schwäche uns zur Stärke
werden.«
("A lot like me")
Ausserhalb ihres Pflichtenhefts beim Label INO Records
hat die amerikanische Sängerin/Liedermacherin Sara
Groves soeben ein Album für Eltern herausgebracht: "Station Wagon"
präsentiert heitere, innige, verträumte, verspielte und zuweilen schrullige
Lieder, die sie zwischen 2000 und 2004 geschrieben hat. Sie widerspiegeln
mit Wärme und Liebe Sara Groves' Begeisterung als Mutter von zwei kleinen
Kindern. Nicht kitschig weichzeichnend, sondern mit einem geschärften
und ehrfürchtigen Blick auf die Verantwortung, die ihr Gott zusammen mit
Kirby und Toby ans Herz gelegt hat, und auf die neue Welt, die sie durch
ihre Kinder kennen lernt: »Und du wirst mich Herzenssachen und
Träume lehren und all die wesentlichen Dinge und alles, was ich unterwegs
verloren habe. Ich kann's nicht erwarten.« ("I can't wait")
Innige Gebete am Kinderbett

Phantasie- und gefühlvoll arrangiert wurden die als Demos bereits von
der Bonus-CD zu "The Other Side of Something"
(2004) her bekannten Lieder "A lot like me" und "Prayers for this child",
wobei letzteres in ätherischem Stimmengewirr ausklingt und so verdeutlicht,
dass wir für unsere Kinder in anhaltendem Gebet einstehen möchten. Den
Zwiespalt, ein heranwachsendes Kind zu eng an sich binden, vor allem Unangenehmen
bewahren zu wollen und ihm doch zugleich den Freiraum für die nötigen
eigenen Erfahrungen zuzugestehen, schildert das beschwingte "Small piece
of you" (u. a. mit Phil Keaggy an der
E-Gitarre). Augenzwinkernd covert Sara Groves "When he cries (Charles
Bronson)" des Folk-Barden John Gorka. Ein liebevolles Kleinod ist auch
"Starfish" über den friedlich auf dem Fussboden des Tour-Busses schlafenden
Toby. Das Album enthält einige Wiegenlieder, so auch den Spiritual "Angels
watching over me" und zum Abschluss das zärtliche "Fast asleep", das mit
seiner Klavierbegleitung schon fast klassisch wirkt.
Folk-Pop mit mysteriösen und verspielten Beiklängen

Schon vor der Geburt ihres ersten Kindes, vor ihrem Labelvertrag, ihrem
internationalen Erfolg mit "Conversations"
(2000/01) und dem Dove Award hatte sich die Sängerin ein Lullaby-Projekt
vorgenommen, dann aber keinen Freiraum mehr gefunden. Begeistert von Lori
Chaffers (Waterdeep) Solodebüt "1beginning"
(2003), kehrt sie nun mit ihr und mit Don Chaffer als Produzent zu ihren
Indie-Wurzeln und zu bodenständig-folkigen Klängen zurück. Sara Groves
spielt selber Klavier/Synthesizer. Sie wird von weiteren Musikern, die
bereits bei Waterdeep mitwirkten, an Schlagzeug, Synthesizer, diversen
Gitarren und Bässen, Mundharmonika, Violine und Tambourin unterstützt.
Entstanden ist ein im Grundton sanftes und abwechslungsreiches Album mit
gewohnt warmem Gesang, stimmungsvollen Retro-Gitarrenriffs ("Station Wagon"),
Einsprengseln von Bluegrass und Blues sowie mysteriösen ("Beautiful Child",
"Morning will be on the other side") und scherzhaften Beiklängen. Überschäumend
vor Einfallsreichtum bis hinein in die krakelige Gestaltung des CD-Booklets
mit Schnappschüssen aus dem Familienalbum.

Fazit: Ich empfehle dieses bezaubernde, persönliche Projekt, das nur über
die Webseite und an Konzerten der Sängerin erhältlich ist, allen jungen
und begeisterten Eltern und natürlich den Freunden von Sara Groves' Musik
wärmstens. Besonders jene, die vom pop-rockigen letzten Album nicht so
angetan waren, werden sich freuen, hier ihre "alte" Sara im Stil von "All
Right Here" (2002) wieder zu hören.
|