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 Sara
Groves
"tell me what you know"

( 2007 Sponge; INO Records / Gerth Medien )
»Hope has a way of turning its face to you just when you least expect it. You walk in a room, you look out a window and something there leaves you breathless.
You say to yourself: it's been a while since i felt this but it feels like it might be hope.« (~ "It Might Be Hope")
Wachstum in mehrfacher Hinsicht

Mit jedem Album überrascht mich Sara Groves
aufs Neue. Sie entwickelt sich nicht nur musikalisch ständig weiter,
sondern man spürt bei ihr auch glaubensmässig ein Wachstum.
Jede CD zeigt sie an einem bestimmten Punkt auf ihrer Glaubensreise. Es
ist echt bereichernd, ihr auf diesem Weg zu folgen und ihre Botschaften
ins eigene Leben hineinzunehmen: dass auch Regenzeiten wichtig sind ("Rain")
der Entschluss, aktiv anzupacken, statt nur zu wünschen und zu
jammern ("Past The Wishing") der Segen liebevoller Gemeinschaft
("Every Minute") die Erkenntnis, dass unsere Beziehungen wichtiger
sind als manches andere, womit wir unsere Zeit vollstopfen ("One
More Thing") die Schönheit, die darin liegt, dass man gemeinsam
schwierige Zeiten durchsteht ("When It Was Over") ...

Gerade ihr letztes Projekt, "Add To
The Beauty" (2005), war mehr als nur eine schöne Liedersammlung.
Die damaligen Gedanken über Gottes Gnade und die Schönheit,
die jeder Einzelne beitragen kann in einer Welt, die sich nach einem Vorgeschmack
auf Gottes Reich sehnt, waren für Sara Groves selber eine Offenbarung
und Herausforderung. Vor allem über den Kontakt zur International
Justice Mission kam sie ganz praktisch dazu, ihr Herz für die Nöte
anderer zu öffnen, für Unterdrückte und Benachteiligte.
Vorher, so Sara Groves, habe sie vor allem ihren persönlichen Glauben
ausgebrütet. Nun sei die Zeit gekommen, aus dem Schutzraum herauszutreten.
[Mehr dazu in unserem Interview]
Wo Glaube, Liebe und Hoffnung greifbar werden

Ihre neusten Lieder sprudeln über von dem, was sie seither erfahren
hat. Sie erzählt von Menschen, denen sie begegnet ist (oder gerne
begegnet wäre) und deren Lebensgeschichte sie aufwühlt und zugleich
inspiriert. Vor dem düsteren Hintergrund von Naturkatastrophen, Aids,
Frauenhandel, Krieg, Armut findet sie unverwüstliche Hoffnung, Glaube
und Liebe, die nicht nur schöne Worte sind. Daher ihre Aufforderung
im Albumtitel und im Song "In The Girl There's A Room": »Erzähl
mir, was du über Gott und die Welt und die menschliche Seele weisst!
Wie so viel schiefgehen kann und es doch immer noch Lieder gibt.«
Es ist Sara Groves wichtig geworden, in der Masse der Leidtragenden den
einzelnen Menschen wahrzunehmen ("Abstraction").

Da
ist das Mädchen Elizabeth, das entführt und in ein Bordell verkauft
wurde und das mitten im Elend beharrlich zu Gott flehte (sanft: "Say
A Prayer"). Da sind mutige Christen, die allen Komfort und alle Sicherheiten
hinter sich lassen, um andere Menschen zu retten ("When The Saints").
Da ist ein afrikanisches Dorf voller Aids-Waisen, wo jede noch so kleine
Hilfe Augen aufleuchten und Seelen ihren Wert erkennen lässt ("Love
Is Still A Worthy Cause"). Da sind Jesus-Nachfolger wie Paulus und
Silas, Mutter Teresa, Jim Elliot oder Dietrich Bonhoeffer. Und da sind
ihre eigenen Söhne, die Sara Groves in den Gesichtern ruandischer
Buben wiedererkennt ("I Saw What I Saw"). Ihnen will sie vor
allem eins auf den Lebensweg mitgeben: »Lasst eure Liebe nicht
erkalten!« ("Song For My Sons"). Überhaupt steht
Liebe in Grossbuchstaben über diesen Liedern, die die Zuhörer
förmlich einhüllen und umarmen.
»Lasst eure Liebe nicht erkalten!«

Zusammen mit Produzent Brown Bannister (Amy
Grant, MercyMe) entwickelte Sara Groves
das soghafte, poppige Klangdesign von "Add To The Beauty" weiter,
wobei die Rhythmen komplexer und temporeicher ausgefallen sind. "When
The Saints" und "Love Is Still A Worthy Cause" mit ihren
eingängigen Refrains, vorwärtsspülendem Tempo, an- und
abschwellenden Lautstärken und gospeligen Chören klingen ausgesprochen
radiofreundlich. Auffällig ist die stärkere Rolle der E-Gitarre.
Als wichtige Inspiration nennt die Sängerin Paul Simons jüngstes
Album "Surprise". Auch bei ihr blitzen einige Male Weltmusik-Einflüsse
auf. Der Vergleich mit dem ruhigen Folk auf "Conversations"
(2000) zeigt eine erstaunliche Entwicklung. Sara Groves klingt heute abwechslungsreicher,
experimentierfreudiger, auch drängender was zur Botschaft passt.
Besonders "In The Girl There's A Room" (geschrieben mit Charlie
Peacock) verblüfft mit seinem eindringlichen Chanting, starkem Bass
und kreischenden Gitarren.

Selten hat man sie so abwechslungsreich singen gehört. Ihre Stimme
scheint an Wärme und Sanftheit noch zugelegt zu haben, kann aber
auch bluesig raspeln. Natürlich fehlen die typischen Balladen nicht:
Im berührenden "I Saw What I Saw" blickt sie auf ihren
augenöffnenden Aufenthalt in Ruanda zurück [mehr dazu in unserer
DVD-Rezi]. Das
geschmeidige "Honesty" gehört zu den Tracks, die kein Ende
nehmen wollen. Wunderschön gedichtet und vertont sind auch "The
Long Defeat" (das an die schwebenden Klänge von "Station
Wagon" erinnert) und "It Might Be Hope". Sie erzählen
davon, wie sich Hoffnung gerade dann Bahn bricht, wenn man es nicht mehr
erwartet, und dass Ausdauer in scheinbar aussichtsloser Lage ein Merkmal
des Glaubens ist: »Ich kann nicht nur dann kämpfen, wenn
ich den Sieg vor mir sehe; das ist das Ende allen Glaubens.«
Zum Schluss richtet die Sängerin mit "You Are Wonderful"
ein beschwingt-beatleskes Dankeschön an Jesus, der sie bis hierher
begleitet hat.

Fazit: ein wunderbar kreatives und intelligentes Popalbum einer
der besten christlichen Künstlerinnen unserer Tage! Sara Groves versteht
es, Schlaglichter auf Not und Ungerechtigkeit zu werfen, ohne dabei erdrückend
oder anklagend zu werden. Vielmehr macht sie ihren Zuhörern Mut,
ihre Herzen für andere zu öffnen und mit Gottes Hilfe an einer
Veränderung mitzuwirken.
Meine Favoriten: Song for My Sons, In The Girl There's A Room, It Might
Be Hope.
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