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 Charlie
Hall
"on the road to beautiful"

( 2003 sixstepsrecords / Sparrow
Rec. / Gerth )
»Eine Aufführung zieht
die Aufmerksamkeit auf dich selbst. Gottesdienst lenkt die Aufmerksamkeit
auf Gott. Ein Künstler richtet das Scheinwerferlicht auf seine eigenen
Begabungen und Fähigkeiten. Ein Anbeter macht Gottes schöne Eigenschaften
gross. Ich meine nicht, dass Künstler und Aufführungen falsch seien. Ich
sage aber, dass du ein Anbetungslied nicht aufführen kannst.«
(Charlie Hall, "Worship vs. Performance")
Hymnen auf unsere Schwachheit, die unsere Stärke
sein kann

Mit seinem zweiten Soloalbum, "On The Road To Beautiful" (2003), legt
Charlie Hall, der einigen als Stimme der
Passion-Alben bekannt sein dürfte, eine 12-Song-Produktion vor, die sich
durch ihre ehrlichen und anspornenden Texte über Umkehr zu Gott und Hingabe
sowie ein enges Zusammenspiel von Sänger und Musikern auszeichnet.

Charlie Hall zeigt sich als Kind der Grossstadt (Oklahoma City), als Zeitgenosse
in der universalen Strassenkluft, mit modischem Kinnbärtchen und Ohrschmuck.
Doch in seinen Liedern ruft der Worshipper gerade heraus aus den endlosen
Hochhausschluchten, weg von den lärmenden Strassen, den kalten Mauern,
den düsteren Hinterhöfen. Er besingt ein anderes Leben, ein anderes Reich,
das in Kontrast zu dieser anonymen Welt steht und in dem der Demütige,
der Schwache und Letzte der Erste sein wird. Er spricht auch von den eigenen,
immer wieder scheiternden Versuchen, echt und untadelig zu leben, und
erklärt dazu: »Wir können wählen, ob wir
darüber resignieren oder ob wir Gottes Herrlichkeit und Macht annehmen
wollen, die wir in Ihm erhalten. 'On The Road To Beautiful' handelt von
diesem Prozess, dieser Pilgerreise hin zu den Menschen, die wir in Gott
sind, davon, dass wir wirklich von Gott geliebt sind und uns völlig Seiner
Nähe erfreuen dürfen.«

Der
Eröffnungssong "I Will Overcome" stellt Gottes überragende Grösse unserer
Mickrigkeit und Schuldhaftigkeit gegenüber: Doch gerade das Eingeständnis
unserer Schwachheit sei der Weg zu neuer Kraft und zur Überwindung in
Christus. An dessen ein für alle Mal erbrachtes Opfer erinnert das Abendmahl-Lied
"My Drink (I Remember You)". Gott lässt 99 Schafe stehen, um das verirrte
eine zu suchen. Von dieser überwältigenden Liebe handelt "Chasing". Es
ist unsere freie Entscheidung, uns jeden Morgen neu auf diesen Gott auszurichten
und seine Gnade anzunehmen ("Waking Up"). "Swimming From The Shipwreck",
nach einer Predigt über Dietrich Bonhoeffer entstanden, spricht von Entschleunigung
und vom Blick für das Wesentliche, und das schlichte "Holy Heart" ist
ein inniger Schrei nach tieferer Gotteserkenntnis und Herzenserneuerung.
Während "The Rising Shout" (geschrieben mit Matt
Redman) einen Ausblick auf Christi Wiederkommen in Herrlichkeit nach
Offenbarung 19 wagt, spornt das rockige "Sending" (geschrieben mit Stuart
Townend) an, das Evangelium zu verkünden und diese Liebe heute weiterzugeben.
Kreatives Zusammenspiel der Band

Unter dem Produzenten und langjährigen Freund Nathan Nockels (Watermark,
Tim Hughes, Matt
Redman, Point of Grace) entstand ein eigenwilliges,
abwechslungsreiches Album - stellenweise kantig und rau, dann wieder melancholisch
und fast meditativ (z. B. der Titelsong "On The Road To Beautiful"); im
Stil eklektizistisch, aber als Ganzes aus einem Guss. In Anspielung auf
Label-Kollege David Crowder könnte man gerade
so gut von Charlie Hall Band sprechen: Neben ihm an der Akustikgitarre
würzen Gary Burnette und vor allem Kendall Combes mit erfinderischem E-Gitarren-Spiel.
Brian Bergman punktet am Keyboard mit Computertricks und Klangeffekten.
Auch Trent Austin am Schlagzeug, Pat Malone am Bass, Nathan Nockels am
Piano/Mellotron begnügen sich nicht mit einer voraussehbaren Begleitung
der an sich schlichten, repetitiven Melodien. Jedes Intro schlägt einen
ganz eigenen Ton an. Ein Feuerwerk der musikalischen Einfälle und Zitate
ist der von der ganzen Stammband komponierte Uptempo-Song "All The Earth".
Mit amüsanten Klangeffekten warten "Waking Up" und "Swimming From The
Shipwreck" auf. Hängen bleibt sicherlich der Refrain "There is no other
God but you / There is no other more beautiful" mit seiner E-E7-Am7-D7(no
3rd)-E- und E-E7-Am7-Cmaj7-Akkordfolge in der Ballade "Beautiful of Heaven"
oder der aufblühende Kehrreim des dumpf pulsierenden "Priceless Treasure".
Zwiespalt zwischen Kunst und Anbetung

Das Eingangszitat von Charlie Hall, der in seiner Gemeinde Bridgeway Church
im Musikdienst engagiert ist, benennt den Zwiespalt zwischen Kunst und
Gottesdienst, also zwischen aufwendig produziertem und vermarktetem Hörgenuss
und persönlicher, echter Anbetung. - Er bleibt auch bei diesem Album bestehen.
Doch laden die im CD-Booklet vermerkten Bibelstellen die Hörer zum eigenen
Nachvollziehen von Gottes Grösse und seinen Gedanken ein. Und wie einige
seiner Kollegen, die der zurzeit regen Nachfrage nach Musiknoten Rechnung
tragen und nicht aus jedem Gitarrengriff Kapital schlagen wollen, stellt
auch Charlie Hall auf seiner Website Liederblätter (Lead Sheets) frei
zur Verfügung. Das Anhören von sogenannter Anbetungs- und Lobpreismusik
ersetzt ja mitnichten das eigene Hinzutreten vor Gottes Thron ...

Fazit: Kein 08/15-Worship-Album, sondern einfallsreicher, jugendlicher
Alternative Pop-Rock mit Ehrfurcht, Innigkeit und Ehrlichkeit in den Texten
und einem Augenzwinkern in den Klängen.
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