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 JJ
Heller
"the pretty and the plain"

( 2007 Stone Table Records / online )
»Ich möchte dich nicht klein machen, ich möchte dich nicht auf Taschenformat zurechtstauchen, auf ein Kreuz um meinen Hals. Du bist heller als die Sonne, näher als die begrenzten Gedanken, die ich über dich hege. Doch ich könnte dich niemals ergründen.« (~ "Small")
Feminine Folk-Rock-Kunst über Angst, Liebe
und Erlösung

JJ Hellers neustes Album ist, wie erwartet,
künstlerisch anspruchsvoll, eigenständig und feinfühlig
ausgefallen. Jeder Song ist ein kleines Kunstwerk, zusammengesetzt aus
einer Vielzahl Stimmen: federnde Gitarrenrhythmen, gutdosierte Perkussion
und Bässe, Klavier, Banjo, Cello, Glockenspiel, Geklatsche, Wurlitzer
oder Korg-Gesäusel. Sogar ein Spielzeug-Raumschiff und eine CD-Hülle
erklingen! Tragend ist das Gitarrenspiel von Ehemann Dave Heller, der
obendrein an fast allen Stücken mitschrieb. Besonders der zärtliche
Hochzeits-Walzer "Tonight", das hüpfende "The Pretty
And The Plain" über eine erste Begegnung mit Jesus, der sich
gerade den Sündern und Schwachen zuwendet, und die rockig-kammermusikalische
Reprise von "When You Come Back" bestechen durch ihr Instrumenten-Patchwork.

Schon 2004 in ihrem Debüt hatte die
Sängerin mit ihrer puren Stimme, ihrem feinsinnigen Songwriting und
einem nach vielen Richtungen offenen Folk-Rock-Stil auf sich aufmerksam
gemacht. Mit packenden Rhythmen, interessanten Melodien und einem Flair
für besondere Harmonien. Sie singt nicht einfach, sondern stattet
ihren Gesang mit viel Gefühl aus. Das wiederum von Mitch Dane (Jars
of Clay, Scott Phillips) produzierte
neue Album klingt aufgehellter und etwas lebhafter als der Vorgänger
"Only Love Remains" (2006). Auch
ein Stück verspielter mit seiner Mischung aus Nostalgie und Schrulligkeit.
Aber sie ist noch da, die für JJ Heller typische Wärme und Zartheit.
Und einmal mehr spürt die 27-Jährige mit poetischen Versen der
Stimme des Herzens und der Stimme Gottes nach.

Für oberflächliche Alles-ist-perfekt- Songs ist sie die falsche
Person. Enttäuschung, Schwachheit und Lasten gehören für
sie zum Leben. Aber es komme darauf an, wie wir mit Problemen umgehen,
ob sie uns zerstören oder stärken. Ohne Regen gedeiht ja auch
keine Pflanze, wie das jazzig-neckische "Grow" klarstellt (geschrieben
mit Jaylene Johnson und im letzten
Moment – glücklicherweise! – der CD hinzugefügt). Ermutigt von
Andy Osenga von Caedmon's Call, der
auch auf dem Album mitwirkt, beschreibt JJ Heller im berührenden
"Have Mercy On Me" ihre Panikanflüge. Statt ihre Ängste
einfach wegzuwünschen, versucht sie, Gottes Sprechen darin zu erkennen
[mehr dazu in unserem Interview].

In den friedvollsten Momenten feiert JJ Heller das Aufgehobensein in Liebe,
menschlicher und göttlicher (träumerisch: "Where I Land",
"Tonight", "You Tell Me So"). Und es wächst der
Wunsch, selber mehr Liebe zu geben. Sei’s in noch so kleinen Dingen, einem
Becher Wasser, wie sie im folkigen "Little Things" beschwingt
singt, bevor Ben Shive über das Klavier wirbelt. »Liebe
ist gefährlich, sie kann dich dazu bringen, deinen Schutzpanzer abzulegen«,
heisst es in der Bridge von "Why Is It Colder" mit ihren genialen
Killerharmonien, »aber wenn du nie zerbrochen bist, kannst du
auch nie heile gemacht werden.« Eine Freiheitshymne, wie sie
"Fly Away" anstimmt – einer dieser Mitklatschsongs, die einen
nicht mehr loslassen –, jubelt einem auch aus dem kunstvollen und anspielungsreichen
CD-Leporello entgegen. Im Stil des belgischen Malers René Magritte schwingen
sich Vögel in bunter Menge aus der Enge einer Säulenhalle voller
Bücher auf in die Freiheit: »Fly away home, fly away home,
fly away home to you-u ...«

Fazit: ein ganz besonderes, sanftes Folk-Rock-Album voller inspirierender
Lieder, die in den Zuhörern etwas von dem aufspriessen lassen möchten,
was JJ Heller über Gott und über das Zusammenspiel von Angst,
Liebe und Hoffnung erfahren hat. Wer feminines Songwriting in der Art
von Patty Griffin, Jill Phillips,
Jill Paquette oder Jaylene
Johnson mag, dürfte hier hellhörig werden.
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