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Jars of Clay - ''christmas songs''Jars Of Clay
"christmas songs"

   ( 2007 Gray Matters / Nettwerk / Musikvertrieb )

Der Geist von Weihnachten

Beim ersten Anhören wurde ich den Eindruck nicht los, dass da jemand die Weihnachtslied-Tradition ein wenig gegen den Strich bürsten will – als Reaktion wohl auf Kitsch und Gefühlsseligkeit, die die meisten derartigen Einspielungen prägen. Auch wenn die Tracklist einige bekannte Titel ankündigt, so ist das, was man auf "Christmas Songs" von Jars of Clay (ihrer ersten Veröffentlichung auf dem eigenen Label) zu hören bekommt, nämlich ziemlich eigenwillig.

Dan Haseltine singt mit der ihm eigenen Melancholie, ohne Eile, aber auch etwas spröde und verhalten, während eine überraschungsreiche Begleitung abläuft, die halb live wirkt, halb wie ein Remix und gelegentlich so, als seien diverse Stile und Tonspuren durch den Fleischwolf gedreht und neu kombiniert worden. Mal klingt's nach Folk-Rock, dann nach traditionellem Carol oder klassisch orchestral, dann elektronisch-newagig, jazzig oder nach 80er-Jahre-Disco ... und doch fügen sich die Tracks fast bruchlos aneinander. Neben der vierköpfigen Band musiziert ein kleines Orchester mit, auch Hörner, Vibraphon und Glockenspiel kommen zum Einsatz. Und gelegentlich steuert Christine Denté ihre Stimme bei. Besonders eigentümlich ausgefallen ist "O Little Town of Bethlehem", das mit "Akte-X"-ähnlichem Riff und Sci-Fi-Klängen spielt und eine dumpf-schwermütige, psychedelische Stimmung verbreitet. Herbstliche und winterliche Klangfarben herrschen auf diesem Album vor, Moll ist immer in Reichweite. Freude und Wehmut ...

Typisch nach Jars of Clay klingt "Love Came Down At Christmas", in dem ebenfalls ein neckisches Signal wiederkehrt. Es greift am Schluss übrigens das Kinderlied "Children Go Where I Send Thee" auf. Die altertümliche Sprache in "Peace Is Here" täuscht – der symphonisch rockende Ohrwurm, der mitten in Gewalt und Chaos unserer Zeit Gottes Frieden ausruft, stammt wie vier weitere Stücke von den Jars selbst. Zudem bringen sie nochmals den Klassiker "Drummer Boy". Die dumpf scherbelnde, schwere Spielart reicht jedoch nicht an ihre beschwingte Version auf der EP von 1995 heran, auf der auch schon "God Rest Ye, Merry Gentlemen" zu hören war, das hier mit sanften Keyboard-Arpeggios beginnt und über Cello-unterlegtes Gitarrengeschramme in einen Chorus aufblüht, der einen nicht mehr so schnell loslässt.

Die 14 Lieder erzählen von den Umständen von Jesu Geburt (mehrstimmig barock: "Gabriel's Message") und von seiner Bedeutung für eine verlorene Welt, aber auch allgemein von Winterzeit und winterlicher Landschaft. Diese steht nicht nur für Kälte und Dunkelheit wie im klassisch von Bläsern, Streichern und Chor begleiteten "In The Bleak Midwinter", das Dan Haseltine um eigene Verse erweiterte. Sie kann auch Geborgenheit und Friede, Stille und Schneezauber bedeuten, wie in "Winter Skin" und im Instrumental "Evergreen", wo neben Kutschenglöcklein auch Schritte im Schnee zu hören sind. Der Ausdruck "ghosts of Christmas past and present" von Matt Odmark passt gut. Um verliebt-kuschelige Pyjama-Tage geht's in "Hibernation Day" mit seiner 40er-Jahre-Stimmung. – Es ist ein eigentümliches Erlebnis, wie da häppchenweise gefühlvolle Partien serviert werden, doch bevor man sich darin verlieren darf, schlägt's wieder in Abgeklärtheit um. Selbst in Paul McCartneys "Wonderful Christmastime" wird jeder Überschwang (und die albernen Ding-Dongs des Originals) vermieden, ebenso im hoffnungsvollen Folk-Klassik-Gitarrenrock-New-Age-Abschluss "I Heard The Bells On Christmas Day". Einige der Stücke sind ziemlich kurz geraten, was ebenfalls jede Festseligkeit auszubremsen scheint.

Fazit: Es fasziniert, was Jars of Clay mit diesen beliebten, weniger bekannten und eigenen Weihnachtsliedern anstellen und wie sie Stil-Erwartungen unterlaufen. "Christmas Songs" ist fast schon ein subversives, doch auf seine Art schönes musikalisches Vergnügen! Auch darum könnte das Album Kultstatus erlangen.

Anspieltipps: Wonderful Christmastime, O Little Town of Betlehem, Peace Is Here, Evergreen.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, November 2007

Daten:
14 Titel / 50 Min.
Musikstil: Christmas, Folk-Rock
Label(s): 2007 Gray Matters / Nettwerk, USA / online
Website: http://www.jarsofclay.com  /  bei myspace

Wo anhören und kaufen?:
bei Amazon / im Gerth-Shop

weitere CDs – siehe Jars Of Clay-Künstlerseite >>
 


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