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 Jaylene
Johnson
"finding beautiful"

( 2004 Harvest Music Group / online
)
Klanggewebe von schmetterlinghafter Schönheit und
voller Poesie

»Ich weiss, dass du Angst hast und deine
Flügel zerbrechlich sind. Aber der Sommer ist hier, du bist aus deiner
Seidenhülle herausgewachsen. Die Wände deines Kokons liessen keinen Raum
zum Atmen. Nun befrei dich! Brich aus! Schmetterlingsmädchen, weisst du
nicht, dass du jetzt schön bist? Lange genug warst du im Verborgenen.
Jetzt bist du frei zu scheinen, Mädchen. Es ist Zeit, dass du deine Flügel
ausbreitest und deine Farbenpracht der Welt zeigst, Schmetterlingsmädchen...«
(aus "Butterfly Girl")

Die offenbar inspirierende kanadische Prärie scheint auch in den Liedern
einer weiteren Sängerin/Songschreiberin aus dieser Gegend auf: bei der
1973 geborenen Jaylene Johnson aus Winnipeg
in der kanadischen Provinz Manitoba. Nach ihrem Indie-Debüt "Not
Forgotten" (2000) veröffentlicht sie in diesen Tagen ihr zweites Album,
"Finding Beautiful" (dt. Schön finden), das unüberhörbar in der Talentschmiede
von Eldon Winter und Stephen J. Rendall (Jill
Paquette, Matt Brouwer, Jake)
entstanden ist. Ein bezauberndes, atmosphärisches Hörerlebnis, das als
"Film für die Ohren" umschrieben werden kann.

Vom einladenden Eröffnungssong "Sit awhile" bis zum Schlusssong "Loving
me anyway", der verträumt-friedlich ausklingt, verströmt die Musik eine
mitreissende Weite. Jeder Gedanke wird ausgekostet, scheint eine Weile
schwebend im Raum stehen zu bleiben, hallt nach, wird wiederholt, vertieft.
Jaylene Johnson entfaltet ein subtiles, ungemein poetisches Gedankengewebe.
Ihre Liedtexte stecken voller Bilder und Metaphern. Auch wenn keine Namen
fallen, so kreist alles um den Schöpfergott und seinen Sohn Jesus Christus:
Darum, was in Gottes Augen schön ist und was seine Liebe in unseren Herzen
auslöst. Was er für uns getan hat und was unserem Leben Ausrichtung und
Erfüllung gibt.

Die Sängerin weiss, wovon sie spricht, kennt sie selber doch tiefen Schmerz,
Verunsicherung und Minderwertigkeitsgefühle aus ihrer eigenen Vergangenheit
als Scheidungskind. In ihren Liedern erzählt sie nicht zuletzt von ihren
Fragen, Zweifeln, dem Bedürfnis nach echter Annahme und Geborgenheit,
den kleinen Siegen - und dem Abdruck von Gottes gnädiger Hand in allem.
Da sprechen nicht Schwermut oder Selbstmitleid, sondern Vertrauen und
neu gewonnene Zuversicht. Mit ihrer poetischen Sprache und den gefühlvollen
Texten spricht sie bewusst auch Nichtgläubige und Kirchenferne an.

»Du
warst gebrochen, fallen gelassen und verworfen, verkauft mit dem Kuss
eines Freundes, geschlagen und nackt.
Du hast mein Leid ertragen, hast meine Fehler auf Dich genommen - bis
ans Ende.
Darum komme ich, eilend, in Deine Arme.
Denn Du lässt mich nicht los, obwohl Du mich kennst, durch und durch,
all das Unvollkommene.
Aber Du liebst mich auch so ...«
(aus "Loving me anyway")
Die Ausdrucksvielfalt dieser feinen Stimme ist frappant. Pop, Klassik,
Jazz und Soul finden in einem faszinierenden Gemisch zusammen. Von gehauchten,
beinahe geflüsterten Zeilen über gedehnten Klageton oder fröhlichen Jubel
bis zu eindringlichem Appell reicht ihr Spektrum. In der Ballade "Angels",
dem Abschied am Sterbebett, schwingt sie sich zu glockenreiner Höhe auf:
ein ergreifender Song, der Gänsehaut erzeugt. Wie durch einen samtenen
Nebel erklingen das schon fast tranceartige "Only Have My Love" und "Do
Anything", die von einer falschen Suche nach Anerkennung, Erfolg und Liebe
handeln, sowie "Envy" über Eifersucht, die zuerst leise, dann immer besitzergreifender
ihr Gift verströmt.

Eigentliche Ohrwürmer sind das beschwingt-heitere "Wonder" (die erste
Single-Auskopplung), "Here & Now" mit dem flotten Stakkato-Rhythmus und
der wunderbare Popsong "Butterfly Girl", der von Selbstannahme nach Gottes
Massstab und von seelischer Schönheit handelt. "Not Forgotten" von 2000
erscheint auf diesem Album in einer etwas zerdehnten, aber immer noch
feinen Version. Die meisten Lieder beginnen zurückhaltend mit Klavier
oder Gitarre. Sie steigern sich zu dichten, von Percussion, Samples und
Loops (Eldon Winter) verfeinerten, mit stehenden Keyboard- und Gitarrenklängen
unterfütterten Klanggebilden - um dann wieder sacht auszuklingen. Namen
wie Jill Paquette, Nichole
Nordeman, Michelle Tumes, Norah Jones
und Sarah McLachlan mögen in etwa die Stilrichtung angeben.

Die ehemalige Mitarbeiterin von Jugend mit einer Mission, Bibelschülerin,
Flugbegleiterin und Lehramtstudentin wurde unter anderem 2002 an einem
internationalen Kompositionswettbewerb für "Daughter" und im September
2003 für "Prairie Girl" ausgezeichnet. Sie stand bereits gemeinsam mit
Steve Bell, Carolyn Arends, Downhere,
Israel oder Jon Buller auf der Bühne, sang an den Vibe Awards, und ihre
Songs finden sich auf einigen Kompilationen. Diesen Frühling wird sie
Jill Paquette ("Jill Paquette" 2003) auf ihrer Tournee begleiten.

Fazit: Just beautiful! Melodien und Texte von delikater Schönheit und
mitreissendem Fluss. Balsam für Ohr und Seele! Ein rundum stimmiges, ungewöhnliches
Soloalbum und ein beachtlicher Meilenstein im Schaffen dieser talentierten
Songschreiberin!
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