|
 Erin
Kincaid
"freely" (EP)

( 2001 Erin Kincaid / Gerth; Kawohl
)
Eine Amerikanerin in Magdeburg. Christin und zusammen
mit ihrem Mann als "Mini-Team" ins "alte Europa" übergesiedelt. Rocksängerin
und Missionarin. Englischer Pop mitten in Sachsen-Anhalt. Geht sowas?
Und wie! Erin Kincaid macht seit Jahren
den manchmal schwermütigen, manchmal etwas kleinbürgerlichen Deutschen
vor, wie unbekümmert man als Christ in einem unchristlichen Umfeld leben,
arbeiten und musizieren kann. Und sie macht einfach ihre
Musik, ohne Rücksicht auf lokale Befindlichkeiten und "Meinungen" in der
(west-) deutschen Szene. Löblich, das. Und sehr sympathisch. Denn viele
werden mir zustimmen: zu viele Importe aus den Vereinigten Staaten mit
dem legendären "Nashville-Sound" können auf Dauer langweilig werden. Wird
dieser Sound jedoch von Amerikanern und Deutschen mitten in Deutschland
gemacht, klingt er plötzlich auf eine mitreißende Art und Weise frischer,
originell und dennoch authentisch. Er klingt nach der rauhen Prärie Amerikas,
genauso wie nach verschlafenen Dörfern in Anhalts Sachsen...

Und ach: Dabei habe ich diese Platte lange Zeit ziemlich verachtet, durch
nicht-anhören unverdient abgestraft, bis ich sie drei Jahre nach Erscheinen
endlich "entdeckt" habe! Sie braucht nämlich aufmerksames Zuhören (am
besten unter Kopfhörern...) und einiges an Lautstärke (Ja!). Ist das gegeben,
kann man fünf wundervolle Poprock-Songs genießen, handgemacht, fetzig,
leidenschaftlich, einfach Musik, die fasziniert.

Erin hat erst mal "nur" eine halbe CD herausgebracht, eine EP. Keine künstlich
aufgeblähte Produktion mit Füll-Titeln, sondern die fünf Stücke, die eben
gerade gut genug waren. Ansprüche setzt die kleine Amerikanerin offenbar
hoch an; weiß ganz genau, was sie will. Produziert bzw. arrangiert wurde
"freely" von Hans-Werner Scharnowski, Uli Kringler und Tobias Eichelberg.
Als Musiker haben im Studio unter anderem Ralf Gustke, Helmut
Jost, Florian Sitzmann, Andreas Claus, Ingo Beckmann sowie Bernd-Martin
Müller mitgewirkt. Interessanterweise hat nicht ihre live-Band die CD
eingespielt, sondern die "bewährten" Studiomusiker. Das mag man bedauern,
doch das Ergebnis klingt sicher ganz nach Erin, der Sound paßt absolut
zu ihr und ihrer klasse Stimme!

Bis auf einen Titel hat Erin alle Stücke selbst oder mit ihrem Gatten
Will zusammen geschrieben; dieses eine Cover wurde von einem gewissen
Frank Wildhorn komponiert. Irgendwie erinnert mich ihre Art, Musik zu
machen, an ihre Namensvetterin - die 'O´Donnell' (aus Amiland, versteht
sich) - die auch solche nüchternen, etwas versteckten, dennoch sehr emotionalen
Lieder schreibt. Während die Ami-Erin softigen Pop kreiert, frabriziert
die "German"-Erin eine etwas rockigere Mixtur. Bei beiden muß es beim
Zuhörer erst mal 'funken', ist das jedoch geschehen, gibt es viel zu entdecken...!
Qualität setzt sich eben durch. Früher oder später.

Fazit: "Freely" war vor drei Jahren die runde Visitenkarte einer eigenständigen
Künstlerin, die sich schnell innerhalb der christlichen Musikszene Deutschlands
freigeschwommen hat. Ihre Stimme und Lieder sind eine echte Bereicherung
für den Hörer, der (oder die) auf originellen Pop-Rock steht - welcher
handgemacht ist und neben schönen Refrains, Solis und Stimmen auch aussagekräftige
Texte zu bieten hat!
|