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 Kashew
"come with me"

( 2006 Ruuf Records / Asaph Musik;
online )
Man kann da alles außer hochdeutsch. Mmmh, und wie
sieht's dort aus mit "rocken"? Klar, kann man auch. Machen auch
schon viele. Ok, und was ist mit Country? Häh, was? Ach so, das käme
natürlich auf den Versuch an. Toll, aber das geht doch nur auf Änglisch,
ähem, ich mein' Amerikanisch, oder? Richtig, mal schauen, ob's ein
gelernter BaWü'ler auf U.S.-Style hinkriegt.

...also probieren wir's doch einfach mal:
Abgefahrene Ideen, lohnende Experimente, Wunschträume - die sollte
man in die Praxis umsetzen, oder?! So geschehen durch Kashew - alias Markus
Kern, Schlagzeuger von Capewalk - und
Tobias Kurrle, Produzent (sowie Gitarrist u.a. bei Ararat).
Studio, inkl. Studio-Sessionmusiker, und Flüge in bzw. nach Nashville
gebucht, rübergedüst und in zwei Tagen zehn Songs im Kasten.
Diese Geschichte ist die Basis für vorliegende Platte. Natürlich
kamen da noch zwei in Good 'ol Germany aufgenommene Stücke hinzu,
ebenso der Gesang usw. So wurde aus all den verrückten Ideen und
feinen Zutaten letztlich das, was wir jetzt als "come to me"
in den Player schieben können. - Erfreulicherweise ist es mal kein
Label-Auftrag, auch kein "wir-wollten-unbedingt-mal-dieses-Genre-bedienen"-Werk,
sondern ein reines "aus-Spaß-an-der-Freude"-Produkt. Dieser
Geist legte sich auf die Musik, die einem vom ersten Ton an packt!

Auch wenn die CD sicher in dieser Form eine Premiere ist, so ist Markus
Kern doch nicht der erste, der seine Lieder von amerikanischen Country-Sessionmusikern
einspielen ließ. Altmeister Manfred
Siebald macht es seit Jahren schon und entsprechend gut klingen
seine Liedermacher-Lieder. Wenn man das bei einem - deutsch-textenden
- Amerikanistik-Professor vielleicht irgendwie nachvollziehen kann, so
liegt es beim Schlagzeuger einer deutschstämmigen Rockband aus Süddeutschland
nicht unbedingt auf der Hand... Doch wie schaffen es die eigentlich meist
gesetzten älteren Herren in irgendeinem der viel zu vielen
Nashviller Studios soooo "live" zu klingen nach Südstaaten,
Bible-Belt und den Weiten der amerikanischen Prärien und alledem?
Wir wissen es nicht, es wird vermutlich ihr Geheimnis bleiben, auch für
kommende Zeiten.

Was wir wissen - und hören - sind zwölf hammerstarke Lieder,
die ordentlich Groove und genügend "Profil auf der Sohle"
haben und somit ein Gefühl DER amerikanischen Volksmusik rüberbringen.
Zur Musik kommen natürlich Einflüsse von Modern- und Alternative-Rock
(Bsp. "golden ages", # 7), damit das ganze noch origineller
abgeschmeckt ist. Die Würze für die Lieder sind nicht allein
die beteiligten Musiker, sondern in erster Linie die tolle Stimme von
Kashew alias Kern: rauh und tief, mit viel "Volumen". Das klingt
so authentisch, daß man meint, er wäre schon seit zwanzig Jahren
Sänger bei den Lost Dogs oder
einer ähnlichen Combo. Da kann man nur den Hut ziehen! Apropos Musiker,
ein paar darf man doch nennen: Tony Paoletta (u.a. Dixie Chicks; Over
The Rhine), Don Kerce (u.a. Aaron
Neville) sowie Gastsängerin Stefanie Neumann (trinity).

Die Songs begeistern durch klar herausgearbeitete Songsstrukturen mit
klassischem Refrain bzw. einer Hookline. Es ist moderner "Country",
aber nicht zu episch, schließlich soll die Musik in erster Linie
Spaß machen. Es geht bei den Inhalten um die Reise mit der Musik
("come with me", # 1), natürlich die Freiheit ("freedom",
# 2) aber auch Beziehungen, oder gar Sozialkritik, wie im Larry
Norman-Cover "the great American novel" (# 12). Nicht immer
erschließen sich die Liedtexte, ähnlich wie bei manchen älteren
Capewalk-Stücken. Sogenannten "christlichen Inhalt" sucht
man vergebens, bis auf die Anklänge im Norman-Song, der sich jedoch
konkret mit amerikanischer Religiösität bzw. Heuchelei beschäftigt.
Während viele US-Country-Produktionen mit einem irgendwie religiös
angesiedeltem Gestus turteln, aber in Wirklichkeit nichts glaubensmäßig
vorhanden ist, zeigt diese "fremdländische" Country-Scheibe,
daß es in diesem Genre durchaus auch "neutral" zugehen
kann und darf. Und das hat dann auch mal etwas von Freiheit...

Fazit: Egal ob mit oder ohne Hut, 's Ländle rockt! Dieser Klischeebefreite
"Schwarzwald-Country" macht einfach nur Laune, sei es beim Autofahren,
im Heimischen Wohnzimmer oder wo auch immer: in jeder Hinsicht geerdete,
handgemachte Musik für Liebhaber der etwas beschwingteren, rauheren
und "cooleren" Klänge!
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