Peter Maffay - ''laut und leise''Peter Maffay
"laut und leise"


   ( 2005 Ariola/BMG / 'Plattenläden'; online )

Gehört eine Plattenkritik zu Peter Maffay hierher? Ich denke ein paar freundliche Zeilen hat er sich verdient, zumal er mit "Laut und leise" jüngst eines seiner besten Alben überhaupt veröffentlicht hat. Ein Doppelalbum mit einer "lauten", rockigen Seite und einer "leisen" Seite. Maffay steht bei mir seit seiner 1979er Scheibe "Steppenwolf" hoch im Kurs, weil er meines Erachtens wirklich singen kann und in seinen besten Momenten Rockromantik im Stile der US- Heartland-Rocker wie Springsteen, Petty, Mellencamp usw. zaubern kann. Ansonsten haben wir ja hierzulande vornehmlich singende Ex-Schauspieler, schnoddrige Ewigpupertierende oder Exkurspopper (ich bin heut böse, ich weiß). Doch zurück zu Maffay: musikalisch zeigt er sich hier angenehm gelassen: um dem Schlagerimage zu entkommen, mußte er sich früher manchmal als schweinerockende Dampfmaschiene betätigen. Auf "Laut" wird zwar manchmal auch ganz ordentlich "losgebrettert", aber es wirkt immer zum Thema des Songs passend; z.B. wenn Maffay wie in "Die Hölle ist hier" über die Medienlandschaft wütet. Überwiegend singt Maffay aber relativ kitschfreie Liebeslieder und einige Songs haben wieder einen religiösen Touch. Maffay bezeichnet sich zwar nicht als Christen, aber die Frage nach Gott stellt er eigentlich fast auf jeder Platte, die ich von ihm kenne mindestens einmal, hier z.B. in dem wunderschönen Lied "Die Antwort" oder in "Wer schenkt uns ein Wunder?". Leider schreibt Maffay fast nur Melodien und muss sich beim Texten von angeheuerten Profis helfen lassen, was dazu führt, dass ausgerechnet der Castingshow erprobte Lukas Hilbert über den Zynismus von TV-Machern schreiben darf (das Thema und die Richtung hat Maffay vorgegeben).

Deshalb hat Maffay immer ein gewisses Glaubwürdigkeitsproblem, weil seine sozialkritischen Songs aufgesetzt und seine Liebeslieder klischeebeladen wirken. "Laut und leise" wirkt auf mich dennoch wie ein relativ persönliches und reifes Album. Maffay scheint zur Zeit glücklicher Ehemann und Vater zu sein und er läßt uns an seinem Glück teilhaben, das er jedoch mit der nachdenklichen Demut eines Mannes genießt, der die Erfahrungen gescheiterter Beziehungen ebenfalls kennt. Wer Maffay schon über Interviews kennengelernt hat (zu empfehlen ist ein 1988 in der DDR erschienenes Buch von Lutz Bertram), wird staunen, wie ernsthaft und verantwortungsbewußt Maffay seine Rolle als Künstler sieht, auch wenn er deshalb vielleicht etwas hölzern und uncool wirkt. Unsere Zeit kann Menschen mit seinen konservativen Tugenden brauchen.


Rainer Buck für CCM-Rezis, März 2005


Daten:
Doppel-CD / 18 Titel / 82 Min.
Musikstil: Pop-Rock, Liedermacher
Label(s): 2005 Ariola/BMG, München / 'Plattenläden'; online
Website: http://www.maffay.de

 


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