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Sandra McCracken - ''best laid plans''Sandra McCracken
"best laid plans"


   ( 2004 Independent / Shell Records / online )

Schon die Wahl des Produzenten Peter Collins (Jewel, Indigo Girls) und des jungen Londoner Labels Shell Records UK macht deutlich, dass sich die 1977 geborene Sandra McCracken mit ihrem dritten Album nicht auf die (amerikanische) CCM-Szene beschränken will. Obwohl sie hier seit ihren unabhängigen Veröffentlichungen "The Crucible" (1999) und "Gypsy Flat Road" (2001) und dank ihrer Mitarbeit am Worship-Projekt "Indelible Grace" grosse Beachtung findet. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann Derek Webb, Ex-Mitglied der Gruppe Caedmon's Call, der mit gemeindekritischen und theologisch komplexen Liedern von sich reden macht, richtet sie in "Best Laid Plans" keine Botschaft an die Kirche. Es finden sich auch keine neu-alten Hymnen, wie sie sie mit "I boast no more" oder "Jesus, the lord, my savior" nach Texten von Isaac Watts bzw. William Gadsby und mit "Awake my soul" durchaus im Repertoire hat. Vielmehr kreisen ihre 11 Stücke vordergründig um menschliche Liebe und Beziehungen.

Wie Söhne Kains ...

Die wehmütig eröffnende Klavierballade "Plenty" - bereits 1999 geschrieben und unter den Fans sehr beliebt -, das energisch vorwärts preschende "No more tears", das warme "Find you out" oder "Took you for granted" feiern nicht eine idealisierte harmonische Liebe, sondern erzählen in poetischen und sehr stimmungsvollen Versen von schwierigen Momenten, von Missverständnissen und Vorwürfen, von Versagen und auch von Abschied. Dabei lässt Sandra McCracken dem Hörer viel Raum für eigene Deutungen und Erinnerungen. Zu einem früheren Liebeslied erklärte sie einst, dass in Beziehungen die Folgen des Sündenfalls, unser Egoismus und unsere Unvollkommenheit auf der einen Seite und Gottes Gnade auf der anderen Seite deutlich sichtbar würden. Im Gegensatz zu unseren stümperhaften Liebesversuchen fänden wir "unsere Gerechtigkeit, vollkommene Ruhe und alles, was wir brauchen, in Jesus". Tatsächlich sind die Titel so angeordnet, dass nach Auseinanderleben und Beziehungs-Burnout die Zuversicht und die Vergebungsbereitschaft überhand nehmen - eben gerade im Bewusstsein, dass wir alle unfähig sind, perfekt zu lieben. Wir seien wie "Sons of Cain", die bis zu ihrem Lebensende irregehen, singt sie im gleichnamigen Lied, das ein Lieblingswort von Derek Webb enthält: "crooked" (dt. krumm, verbogen). Der Schlusssong "Age After Age" mit seinen schimmernden Gitarren ist ein kleines Kunstwerk in bester Folksong-Manier, das Streiflichter auf Familienbande, die amerikanische Geschichte und die Reformation wirft.

Sandra McCrackenMix aus Folk, Pop, Country und Rock

Das Packendste ist von Anfang an ihre leidenschaftliche, warm-raue Stimme, die oft mit Julie Miller und Sheryl Crow verglichen wird, manchmal auch an den eindringlichen Gesang einer Joan Baez erinnert (wer's nicht glaubt, höre sich "Springtime Indiana" auf der CD "Gypsy Flat Road" an). Stilmässig ist die Sängerin, Pianistin und Gitarristin in Folk/Americana und Country zu Hause, mit einer Vorliebe für die 70er Jahre und einer Neigung zu Pop und Rock. Als ihre Vorbilder nennt sie Bob Dylan, Jackson Browne, Johnny Cash, Shawn Colvin und Patty Griffin. "Last Goodbye", woraus der Albumtitel abgeleitet wurde, ist denn auch eine poppige Hommage an Johnny Cash. Zudem taucht eine inhaltlich aus der Reihe tanzende Coverversion von "Where do you go to my lovely" (Peter Sarstedt, 1969) auf - die Geschichte der in Paris zu Ansehen und Reichtum gelangten, innerlich aber arm gebliebenen Marie-Claire. Wohl die eingängigsten Tracks sind "Stay (Missing evidence)" und der Konzert-Renner "500 Miles".

Fazit: ein temperamentvolles, kurzweiliges Album! Sandra McCracken hat ein auffallendes Talent für poetische, zeitlose und tief ehrliche Songs und sei als Geheimtipp den Folk- und Country-Freunden empfohlen. Mir persönlich gefällt allerdings manche der erdigen, farbenreichen früheren Aufnahmen mit ihrem Live-Charakter besser als die nun rockigeren Arrangements für den Mainstream. Wer eindeutige Lyrics oder eine praktische Glaubensbotschaft erwartet, kommt hier nicht auf seine Rechnung.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, Oktober 2004

Daten:
11 Titel / 41 Min.
Musikstil: Folk/Americana, Country, Singer/Songwriter
Label(s): 2004 Independent / Shell Records, GB / online
Website: http://www.sandramccracken.com  /  bei myspace.com

weitere CDs - siehe Sandra McCracken-Künstlerseite >>
 


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