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Newsboys - ''devotion''Newsboys
"devotion"


   ( 2004 Sparrow Records / Gerth Medien )

Die Newsboys sind wieder da! Noch vor der berühmt-berüchtigten Zweijahresfrist ist es ihnen möglich gewesen den Nachfolger von "adoration" vorzustellen. Damit verbunden sind für mich zwei Botschaften.

Zuerst die Schlechte: Dreist hat Sparrow Records einfach auf das Cover vorn drauf eine Werbebotschaft über das Album von Tim Hughes drucken lassen. Einfach nur arm so was. Professionelle Alben wie die der Newsboys haben sowas einfach nicht nötig. Dabei hat der Tim mit seiner Aussage aus meiner Sicht sogar Recht, aber es gehört halt nicht auf ein Album-Cover! Auf der CD-Rückseite ist nochmals ein längeres Zitat von ihm abgedruckt, auch eine positive Aussage zum Werk, zudem wird er als Autor des Liedes "here I am to worship" ausgewiesen. Mag alles so sein, wie es ist. Allein, es gehört nicht dahin! Es bleibt die Frage, ob es Sparrow als frommes "Muster-Label" nötig hat, so tief abzusinken? Was dürfen wir in Zukunft erwarten: Christliche Künstler bewerben gegenseitig ihre CDs - auf den Coverbildern?!? Bewahre!

Jetzt die Gute: Die Platte ist ein Hammer! Nach anfänglichem Zögern, Mißtrauen und Enttäuschung habe ich trotzdem noch die Kurve gekriegt und es mir anders überlegt. Nein nein, das Album hat mich überzeugt, so wird ein Schuh draus! Einzig die erste Radiosingle "presence (my heart's desire)" finde ich nach wie vor etwas deplaziert, da sie musikalisch zu klischeebeladen ist (geht in Richtung "He reigns" und "it is You") und ich sie textlich für zu flach halte. Die Melodie erinnert übrigens stark an alte Newsboys-Zeiten während des Albums "boys will be boyz" (Star Song, 1991). Den Text hat oben erwähnter Tim Hughes mitgeschrieben. An die neun restlichen Stücke kommt man nun aber schwerlich vorbei: Sie kommen als rassiger, hymnischer Britpop daher, sodaß man denken könnte die Newsboys hätten die bessere U2-Platte in diesem Jahr vorgelegt!!! Erwähnungen des Bono-Vereins, der delirious?- und Coldplay-Kollegen dürfen (oder müssen?) erlaubt sein. -- Wer weiß, vielleicht liegt es am neuen Gitarristen Bryan Olesen, der im September 2003 die Nachfolge von Jody Davis (braucht mehr Zeit für seine Familie, hat eine kranke Tochter) angetreten hat.

Was die Lieder neben den erstaunlich ergiebigen Texten und den hochinteressanten Arrangements so einzigartig macht, ist Peter Furlers Gesang. Der Frontmann hat seine Stimme gegenüber dem Vorgängeralbum leicht gewandelt und so entsteht eine herrlich melancholische - aber nie depressive - Stimmung der Musik. Insofern was ganz neues bei den Jungs, auch wenn natürlich "Happy-Radiorocker" nicht ausbleiben ("name above all names", "blessed be your name"). Produziert hat Peter wieder ganz alleine (wie zuletzt die Newsboys-Platte "love liberty disco" oder die Petra-Platte "Jekyll & Hyde"), er wird jedes Mal besser darin. Ein Höhepunkt der CD ist zweifellos sein Duett mit Rebecca St. James beim Matt Redman-Cover "blessed be your name"; die bisher schönste Version von diesem Lied finde ich. Beide Stimmen überlagern sich nicht, sondern ergänzen sich sehr gut. Außerdem paßt das Arrangement auf den Punkt - ein sicherer Konzert- und Radiohit!

Interessanterweise enthält der Liederzyklus noch zwei weitere Cover und zwar vom 2004er Tim Hughes-Album "when silence falls". So was habe ich auch noch nicht erlebt, aber es ist tatsächlich so. Die beiden Stücke sind sogar in der gleichen Reihenfolge wie auf dem Original. Auch hier gefallen mir die Cover besser, weil noch emotionaler. "When silence falls" ist ein tief berührendes Stück mit einem anfangs traurigen, dann hoffnungsfrohen Text. Ein "Krisenlied" oder ein moderner Psalm, wie man will. "Name above all names" ist freudiger Lobpreis für den Namen aller Namen, Jesus Christus! Ein weiterer sehr intensiver Track ist "the orphan", wo allegorisch ein Waisenkind beschrieben wird, als Sinnbild für die Gemeinde Jesu, sich mehr praktisch um ihre Nächsten zu kümmern. Eindrückliche Mahnung und Hoffnungshymne zugleich, heißt es doch im Schlußteil: »[...] wir bauen Dir ein Zuhause. [...] Keine Angst, Kind, / ich werde dir ein Wiegenlied singen.« In "landslide of love" wird beschrieben wie Selbstsucht zur Liebesarmut führt. Durch einen 'Erdrutsch der Liebe' sollen wir gleichsam wachgerüttelt werden und mehr für die Gemeinschaft untereinander tun. - Beide zuletzt erwähnten Lieder wurden von Steve Taylor wieder in seiner unnachahmlichen Art genial mitgetextet, genau wie weitere Lieder auf der CD. Für mich sind "the orphan" und "landslide of love" die schönsten Songs auf dem Silberling. Ganz einfach Newsboys at its best!

Das eigentliche Thema der Platte ist 'Hingabe' (devotion). Es ist in logischer Konsequenz zu 'adoration' (Verehrung) konzipiert worden. Denn für Peter und seine Mannen ist das, was nach dem ersten "Anbetungsüberschwang" kommt, ein Wachstumsprozeß. Es geht darum, noch hingegebener in der Liebe und Nachfolge des Herrn zu werden; Seine Verehrung praktizierend auszuleben und nüchtern mit beiden Beinen auf dem Boden (und im Glauben) zu stehen. Hingabe enthält den Aspekt der Aufopferung, genau das ist es, diese enge Verbindung. Sie läßt Aussagen wie "ich liebe Deine Wege" (Lied # 2) nur zu natürlich erscheinen. "Devotion" ist kein typisches Worshipalbum, dazu geht es zu sehr abseits der betretenen Pfade, ist zu tiefsinnig. Genau wie der Vorgänger hat es einen besonderen "Spirit", der die Lieder kennzeichnet. In "strong tower" kulminiert es vielleicht am besten, wo der Herr als mächtiger Beschützer besungen wird. Dieses Lied steht in der Tradition bekannter Kirchenhymnen und Gospel bzw. Spirituals. "God of nations" ist keine Hymne der neuen ökumenischen Bewegung, sondern hat einen eher schlichten Text, der den gemeinsamen Geist derer beschreibt, die aufgrund der Nachfolge zu Jesus gehören - weltweit: »Es ist unser Wunsch - Du seist verherrlicht, hoch erhoben.«

Fazit: Dieses neue Newsboys-Werk kann ich nur wärmstens empfehlen. Es bietet zehn Lieder, deren Melodien nicht mehr aus dem Kopf gehen und Texte, die wirklich Gehalt haben. Musikalisch mag es etwas Eingewöhnung bedürfen, weil es atmosphärisch ungewohnt ist. Dennoch rockt es einerseits voll ab, hat aber andererseits genug besinnliche Passagen. Wer erstklassigen Pop-Rock sucht, wird hier garantiert fündig!


—David Decker für CCM-Rezis, November & Dezember 2004

Daten:
10 Titel / 42 Min.
Musikstil: Rock, Brit-Pop, Praise & Worship
Label(s): 2004 Sparrow Records, USA / Gerth Medien, Asslar; online
Website: http://www.shinemedia.de/newsboys/

Wo kaufen?:
bestellen im Gerth-Shop...

weitere CDs - siehe Newsboys-Künstlerseite >>
 


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