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Ginny Owens - ''blueprint (e.p.)''Ginny Owens
"bluEPrint" (EP)


   ( 2002 Rocketown Records / Free Records Music )

»Mögen sie Deine Stimme erkennen!
Lass sie Dich durch mich hören, O Herr.«

(aus "Let Them Hear")

Feinfühlig und perfektionistisch, immer auf der Suche nach dem passenden Klang, scheut Ginny Owens nicht davor zurück, eigene Songs neu zu arrangieren und in anderen Stil zu kleiden. Ihre 2002 von Margaret Becker produzierte EP "bluEPrint" bringt sieben bereits veröffentlichte Lieder (fünf davon vom Vorgängeralbum "Something More", das an Pop-Effekte-Overkill krankte ...) in alternativen, verschlankten Arrangements sowie neu das auf "Beautiful" (2004) später nochmals eingespielte "Let Them Hear". Den stimmungsvoll jazzigen Live-Aufnahmen von "Free", "With Me" und "True Story" auf dem Album "Live from New Orleans" (2005) dürften diese abgespeckten Versionen zugrunde liegen. Allerdings wirkten hier nicht nur drei, sondern eine Handvoll hochkarätiger Begleitmusiker im Studio mit: Ken Lewis und Will Denton am Schlagzeug, Matt Slocum (Sixpence None The Richer) am Cello, Chris Donahue an Upright-Bass, Gitarre, Fender Rhodes, Akkordeon und Whistles sowie Scott Denté (Out of the Grey) an der Gitarre. Aus der Ferne steuerte das Prager Festival-Orchester Oboen- und Streicherklänge bei. »Ihr macht, dass ich so klinge, als wüsste ich, was ich da tue«, notiert die Sängerin in den Danksagungen.

Ohne die Liebe ist alles umsonst

Wie die Musik einer Nichole Nordeman, Sara Groves oder der Jazzkollegin Norah Jones entstehen Ginny Owens' Lieder am Klavier. Eine konzertähnliche Intimität bleibt auch in den Vertonungen auf "bluEPrint" gewahrt, die stark auf ihre Tastenkünste setzen. Immer bleibt dem entspannten, weichen Gesang genug Raum zum Atmen, Ausstrahlen und Nachklingen, ob er nun von warmen Flötenrufen umspielt, von Klangwaben eingehüllt oder von funkigem Bass und Latinogitarren unterstützt wird – und das ist sehr wichtig, denn die Liedermacherin wählte besonders zeugnishafte Stücke aus. Manche Textstelle dürfte direkt aus ihrem Gebetstagebuch stammen. Besonders berührend ist die Klavierballade "I Am Nothing", die zu hellen Streichern, Cello und irischer Flöte nach 1. Korinther 13 bekennt: »Ich könnte wie ein Engel singen, Lieder, so demütig und dankerfüllt, voller Dramatik und Gefühl, so dass die Welt Deine Wahrheit erkennen würde ... Aber wenn ich keine Liebe habe, dann bin ich nichts.« Ein starkes Rhythmusgefühl zeichnet das erzählerische "I Am" aus, ein Lied über Gottvertrauen und Gehorsam, das hier die Popklänge abschüttelt. Auch "Something More" mit seinen weichen Klavierakkorden, Streicher-Einschüben und temperamentvollem Latino-Groove überzeugt mit mehr Ernsthaftigkeit und Ausdruckstiefe. "Run To You" wird von Bass und Cello warm begleitet, "Let Them Hear" von einer klassisch anmutenden Oboe.

Ernsthafte Musikerin statt Pop-Starlett

Wie eine effektheischerische Produktion die gesungene Botschaft zur Nebensächlichkeit werden lässt, demonstriert das auf der EP mitgelieferte Musikvideo zur ersten Albumversion von "With Me". Ginny Owens posiert etwas hölzern vor nervös wechselndem Städtereise-Hintergrund. Doch nach Ablauf der farbenfrohen dreieinhalb Minuten hatte ich keine Ahnung, worüber sie eigentlich sang. Ganz anders die neue, "beseeltere" Akustik-Aufnahme. Ginny Owens und Produzentin Margaret Becker (die in ihrem Album "My Refuge / Just come in" zur gleichen Zeit und z. T. mit denselben Musikern nochmals über eigene alte Songs ging) verstanden es wirklich, das Charakteristische und Beste aus Ginny Owens’ Liedern herauszuholen.

Fazit: Es ist doch bemerkenswert, dass Ginny Owens' Debütalbum "Without Condition" (1999) manche angesprochen hat, die der sogenannten christlichen Musik skeptisch oder Glaubensdingen generell abweisend gegenüberstehen. Dabei sind die Liedtexte sehr fromm und frei von ohrenkitzelnden Klischees. Auch in "bluEPrint" sind Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Schlichtheit, gepaart mit Musikalität, wiederum starke Werkzeuge dieser Sängerin, die trotz Blindheit zur Verbreitung der Frohen Botschaft beitragen möchte. – Wer von "Live from New Orleans" begeistert und von "Something More" eher enttäuscht ist, sollte versuchen, diese bald vergriffene EP aufzustöbern.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, August 2005

Daten:
8 Titel + 1 CD-ROM-Video / insgesamt 33 Min.
Musikstil: Acoustic Pop, jazziger Piano-Pop, Singer-Songwriter
Label(s): 2002 Rocketown Records / Free Records Music, Witten; online
Website: http://www.ginnyowens.com  /  http://www.ginnyowens.net

Wo kaufen?:
Asaph-Shop / Hänssler-Shop / Free Records-Shop /
                     Ginny Owens's Shop

weitere CDs - siehe Ginny-Owens-Künstlerseite >>
 


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