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 Ginny Owens
"live from New Orleans"

( 2005 Rocketown Records / Gerth
Medien )
Einfachheit und Wahrheit

»Jeder, der meine Musik gehört hat, weiss,
wie wichtig Einfachheit für mich ist – einfaches Leben, einfache
Wahrheiten, einfache Liedtexte und einfache Melodien«, schreibt
Ginny Owens zu ihrem neusten Album. Die blinde
Profimusikerin ist eine begabte Geschichtenerzählerin, die ihre Gedanken
und Erfahrungen so vor ihrem Publikum offenlegt, dass dieses anknüpfen
und sich selber darin finden kann. Ähnlich wie seinerzeit Ex-Labelkollege
Chris Rice mit "Welcome To Our World"
eroberte sie 1998 mit dem schlichten "If You Want Me To" die
Herzen zuerst der Labelverantwortlichen von Rocketown
Records, dann der Musikwelt und schliesslich der Dove-Award-Jury.

Einfachheit und Beschaulichkeit kennzeichnen tatsächlich diese 11-Track-CD,
die grösstenteils 2004 im House of Blues in New Orleans mitgeschnitten
wurde. Was bei den Studioalben unter Produzent Monroe Jones an dichter
Programmierung, überblendeten Stimmen und Soundeffekten beigesteuert
wurde, fällt hier weg. Es bleiben Ginny Owens am Flügel und
drei Bandmusiker an Bass, Schlagzeug und Gitarre, die sie bereits bei
über 100 Konzerten begleitet haben und daher mit solidem, zurückhaltendem
Akkompagnement hervortreten. Und da ist ihre unverkennbare Stimme, immer
etwas nuschelnd, kindlich, samtweich, die von Anfang bis Ende entspannt
wirkt, mühelos soulige Verzierungen anfügt.
R’n’B und Jazz in New Orleans

Mit den ersten Stücken, "I Wanna Be Moved" und "Free",
kommt sie sogleich zum Thema: Gott bewegt, verändert und befreit!
Darum dreht sich alles in ihren glasklaren, gedankenvollen Texten. Die
beiden ersten Songs geben auch das dominierende Midtempo vor: beschwingt,
aber nie hektisch. Souliger R'n'B wie im letzten Album, "Beautiful"
(2004), und – wie könnte es in New Orleans anders sein! – viel Jazz-Feeling
bestimmen ihre Darbietung. Drei Lieder, die sie bereits auf ihrer viel
gelobten EP "Blueprint"
(2002, produziert von Margaret Becker)
in einer verschlankten Version nachreichte, wurden ein drittes Mal aufgezeichnet:
neben dem #1-Hit "Free" "True Story" und "With
Me", das völlig anders als auf "Something
More" (2002) klingt. Ginny Owens steuert hier einmal mehr jazzige
Klavierakkorde bei und lässt ihre Finger leicht über die Tasten
gleiten. Die andern Begleitinstrumente sind vor allem Rhythmusgeber. Ein
funkiges Solo von Schlagzeug und Bass prägt den Mittelteil von "I
Love The Way". Ich persönlich finde, dass in diesen schlankeren
Arrangements ihre Stimme sehr viel an Ausstrahlung und ihre Botschaft
an Tiefe und Glaubwürdigkeit gewinnt.

Die einzige gesprochene Einleitung ist vor "Call Me Beautiful"
zu hören, dessen Botschaft von bedingungsloser Liebe und gottgegebener
Schönheit der Sängerin so wichtig ist, dass sie es gegen abschätzige
Kritik verteidigt. Die etwas eintönige, dumpfe Performance des Liedes
selbst überzeugt leider nicht ganz. Dafür dürfte für
viele die Ballade "If You Want Me To", die bereits auf "A
Night in Rocketown" (1999) live zu hören war, ein stilles Highlight
sein: Ginny Owens bietet sie leicht abgeändert, besinnlich und etwas
verträumt allein am Flügel dar. Längst ist die tröstliche
Botschaft den Fans ins Herz übergegangen.
Du lebst nur einmal – worüber singst du?

Als Neuheit findet sich das bluesige "Let Love Rule" (von Lenny
Kravitz), das Ginny Owens ungewohnt energisch covert. Der Bonustrack
"Live Once" schliesslich gibt einen Vorgeschmack auf das für
Herbst angekündigte Studioalbum. In der Art von "Who Are You
Listening To" fordert sie darin die Zuhörer auf, sich zu überlegen,
wofür sie eigentlich leben. Sie schreibt dazu: »Da
wir nur einmal hier auf dieser Erde leben, müssen wir etwas finden,
worüber wir singen können, etwas, wodurch wir unser Leben leben,
woran wir unsere Hoffnungen hängen. Ich glaube, dass dies Jesus ist.
Er ist das Einzige, worüber wir immerfort bis zum Ende des Lebenswegs
singen können.«

Fazit: Das CD-Cover mit der Strassenlaterne und dem Flügel unterm
Sternenzelt fängt die Stimmung dieses jazzig-bluesigen Live-Albums
gut ein: relaxt und so nahe am Zuhörer, wie es diese "wahren
Geschichten" brauchen. Die Lieder sind der Band längst in Fleisch
und Blut übergegangen, und Ginny Owens wirkt routiniert und entspannt.
Die ideale Musik an einem lauen Sommerabend im Freien, wo die Gedanken
von keiner Zimmerdecke abgebremst werden, wenn die Sängerin sanft
an unsere Herzenstür klopft.
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