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 Ginny
Owens
"without condition"

( 1999 Rocketown Records / online
)
Musiklehrerin macht jetzt Alternative-Pop

Ginny Owens ist seit dem zweiten Lebensjahr
blind; sie stammt aus dem US-Bundesstaat Mississippi und ist studierte
Musiklehrerin. Da aber niemand eine nichts-sehende Musiklehrerin einstellen
wollte, wurde sie kurzerhand selbst Musikerin. Als Singer/Songwriterin
und Pianistin konnte sie mit ihrem Demo-Tape schnell die Aufmerksamkeit
von Rocketown Records gewinnen und flugs war ihr erstes Album "im Kasten"...
Der Rest ist Geschichte. Ginny gehörte mit zur ersten Generation auf dem
"Familienlabel" Rocketown Records und damals ging es wahrlich familiär
zu... Mit ihrer aufgeschlossenen, humorvollen und geistlichen Art paßt
sie hervorragend zu dieser "Firma" (eher "Werk"? :-); was man wenig später
auch auf dem live-Mitschnitt "a night in Rocketown" (1999) eindrucksvoll
hören konnte.

Mit einem kurzen Akustik-Intro der altirischen Hymne "be thou my vision"
(dt.: "sei Du meine Zuversicht") beginnt Ginnys Debütalbum. Inhaltlich
ist damit eine klare Richtung eingeschlagen, musikalisch macht es zunächst
erst einmal neugierig. Produzent Monroe Jones hat hier ein sympathisches
Klanggebilde rund um Ginnys einzigartige Stimme entwickelt. Sich stilistisch
zwischen rockigem Alternative-Pop, ein bißchen R&B und klassischem Singer/Songwriter
bewegend, liegt mit "without condition" ein absoluter Knaller vor. Da
liegt soviel Emotion und Tiefe in der Musik, verbunden mit Ginnys Musikalität
und ihren geistreichen Texten - man kommt schwerlich daran vorbei! Herr
Jones arbeitete teilweise mit Samples und sanften "Beats", ähnlich einigen
Songs auf den Debüts von Riley
Armstrong sowie Jars Of Clay. Dennoch
ist die Platte weit davon entfernt ein überproduzierter Studio-Opus zu
sein, es klingt eher wie eine live-im-Studio-Aufnahme - das scheppernd
heraustönende Schlagzeug holt einen wieder auf den Boden der Tatsachen
zurück. Man hört auf der Platte "nur" das Piano, Keyboards, Schlagzeug
und Bass. Lediglich die Keyboard-Effekte sind für das unbeschreibliche
Feeling verantwortlich (z.B. bei "I wanna be moved"). Neben Ginnys gesanglichem
und instrumentellem Einsatz standen ihr als Gastmusiker unter anderem
Lisa Cochran (Gesang), Dan Needham (Schlagzeug) und Michael
W. Smith zur Seite. Komischweise sind im Booklet außer den Danksagungen
keine Credits aufgeführt - sowas ist mir bei einer Nashville-Produktion
noch nie untergekommen...
Musikerin und ihre Zuhörer - sie alle werden bewegt!

»Dieser Weg ist gewunden, schmal und steil,
und ich kann nicht weiterlaufen mit kalten Füßen,
mein Geist ist nicht willig;
mein Herz ist kalt wie Eis;
meine Überzeugungen tauen auf;
die Leidenschaft hat mein Leben verlassen.
 
Chorus
Ich will keine Flamme sein,
ich will ein tobendes Feuer sein!
Ich bin müde von meinem Willen, meinem Weg -
Deine Berufung ist größer.
Oh, ich weiß, es ist Zeit - ich habe aufgehört, vor der Wahrheit wegzulaufen,
also stehe ich still hier, bis ich erfüllt bin.
Ich möchte bewegt sein,
ich möchte von Dir bewegt sein.

Ich will ein Rebell mit einer "heiligen Sache" sein,
ich will gegen den Teufel stehen und mein Kreuz auf mich nehmen,
Du hast eine Mission/ einen Auftrag für mich; einen Grund, warum ich hier
bin,
um Deine Herrlichkeit auszustrahlen, mit lieblichen Liedern zu Deinen
Ohren. (Chorus)«
(Lied "I wanna be moved", dt. "ich möchte bewegt sein")
Diese CD startete ihre Karriere in Amerika und wurde vielerorts
enorm beachtet, auch und gerade wegen dieser Liedtexte (deutsche
Übersetzungen exklusiv bei uns!): Sie vertreten einen kühnen
Anspruch - Ginny legt die Meßlatte für ihr Glaubensleben sehr hoch an.
Bei allem Streben, einen treuen kindlichen Glauben an ihren Herrn Jesus
Christus zu haben, ist sie sich ihrer eigenen Heuchelei bewußt, weiß,
daß sie der Gnade bedürftig ist. Und sie fühlt sich wohl und angenommen
in ihr. Daß sie das so offen ausbreitet, ist mutig, macht sie aber verletztlich
und angreifbar. Eine Alanis Morissette zum Beispiel, macht sowas auch,
allerdings mit den ihr eigenen Themen... Ginny, - unendlich weit davon
entfernt ein "Miststück" innerhalb der Musikszene zu sein - kann mit ihrer
schonungslosen Ehrlichkeit mitten ins Herz treffen. Und dies richten die
Lieder sicher mehr als einmal an. Musik die berührt aber dabei das Evangelium
auch klar benennen kann. Leider ist sowas eher selten geworden heutzutage.
Frau Owens läßt uns einmal an ihrem Lebensziel teilhaben ("I wanna be
moved", # 2), andermal an ihren Krisen und Problemen ("if you want me
to", # 5) und genauso an ihrer Lebensfreude ("free", #4). Nicht nur Selbstreflexion
betreibend, knöpft sie sich ebenfalls ihr Land mit manch anstößiger (Lokal-)
Politik vor ("land of the grey", # 6) und spielt uns überdies hymnenartige
Anbetungslieder auf dem Klavier ("own me", # 11). Das Album stellt fast
keine Fragen, gibt aber um so mehr Antworten. Das Gotteslamm ist die einzige
feste Größe im Leben, Ihn gilt es anzubeten und Ihm alles anzuvertrauen,
bedingungslos.
Kleine Entdeckungsreise

Neben elf einzigartigen Liedern enthält der Silberling einen CD-ROM-Teil
für den heimischen PC mit 143 Megabyte an Quicktime-Videomaterial: Es
ist ein Videointerview mit Ginny, aufgenommen während das Werk enstand.
Zudem gibt es ein nettes Fotoalbum aus Kindheit und Jugend mit Audiokommentaren
von ihr selbst! Und zu den Liedern gibt es Bibelstellen und Kommentare
zum Nachlesen. So ein liebenswürdiges Teil konnte schwerlich jemand anderes
als Craig A. Mason erschaffen, der Meister der frommen Musik-CD-ROM-Teile...
;-) (Ex-) Labelkollege Chris
Rice hat übrigens auch seine Grußbotschaft untergebracht, wo und wie,
daß muß man allerdings selbst rausfinden...

Fazit: Wer diese Platte aus Ginnys Katalog (noch) nicht kennt, kennt ihre
Karriere nicht richtig! "Without condition" ist in meinen Ohren ein echtes
Meisterwerk mit Arrangements, die einen überlisten und Liedtexten, wo
einem der Mund offen stehen bleibt. Ginny lädt auf erfrischend positive
Weise ein, zuzuhören - ganz 'ohne Bedingungen'.
»Lieder werden verblassen
zur Stille,
Geschichten, sie werden aufhören.
Der Staub wird sich niederlassen, alle meine selbstlosen Taten bedecken.
Also wenn ich mich anstrenge, Dir zu dienen,
wirst Du es mir dann nicht klarmachen -
wenn ich nicht liebe, bin ich nichts.«
(Refrain von "I am nothing", dt. "ich bin nichts")
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