|
 Andrew
Peterson
"the far country"

( 2005 Andrew Peterson/independent
/ Fervent
Records
/ Free Records Music; online )
Top-Album des Jahres 2005!

»Wir sehnen uns nach dem, was verloren ging, während wir auf den heiligen Gott von Vater Abraham warten.« (aus "The Far Country")
»...Rich Mullins«,
schoss es mir durch den Kopf, als ich den US-Singer-Songwriter Andrew
Peterson zum ersten Mal hörte, und nun auch wieder bei seinen
neusten Songs auf "The Far Country" (dt. das ferne Land). Dies
ist als Kompliment gemeint – als begeistertes, gerührtes, dankbares
Kompliment! Dieselbe Klangschönheit und Wärme, dieselbe bilderreiche
Erzählkunst, eine ähnliche leidenschaftliche Stimme. Derselbe
pulsierende, gitarrenreiche Folk-Rock-Stil samt Hackbrett, Bouzouki, Klavier,
Mandoline und Fidel, der das gemeinsame Musizieren betont (hier u. a.
mit Ben Shive, Andrew Osenga, Andy
Gullahorn und Jill Phillips, Danny
O'Lannerghty, Ken Lewis und Stuart Duncan). Ja, auch ähnliche Themen:
unsere beängstigenden, dunklen Seelenwinkel – die Liebe Gottes, die
den stärksten Mann in die Knie zwingt – unsere tiefe Sehnsucht nach
seiner Nähe – Blicke über den Tod und unseren Horizont hinaus.
Diese Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr: Tief beeindruckt
von der Musik Rich Mullins, hat sich "AP" vorgenommen, in seinen
Liedern ebenfalls diese »Kombination von Schönheit,
Wahrheit und Ehrlichkeit« zu suchen.
Tod und Sehnsucht

Der Albumtitel stammt von einer Erkenntnis Meister Eckharts, eines deutschen
Mystikers des 17. Jhs.: »Gott ist zu Hause,
wir sind in der Fremde.« Dieser Vers drücke so einfach
aus, was er über das Leben auf dieser Erde empfinde, sagt Andrew
Peterson dazu: »Normalerweise denken wir
an den Himmel als das ferne Land, ein wolkiger, ätherischer Ort,
ein ewiger Gottesdienst, was etwa so attraktiv wie Verkehrsunterricht
klingt.« Diese 10 neuen Lieder setzen gerade am andern Ende
an. Sie beschreiben in packenden Bildern unser Dasein hier "in der
Fremde", wo all unsere Sehnsüchte nach Anerkennung, Nähe,
Ruhe, Arbeit, Befriedigung, Schönheit im Grunde eine Sehnsucht nach
dem Himmel sind (C. S. Lewis).
Es mag zuerst befremden, dass die Mehrzahl der Songs irgendwie von Sterben
oder Abschied handelt: der Besuch bei einer an Aids sterbenden Schönheit
(# 3 "The Queen of Iowa"), Gedanken über das eigene Begräbnis
(# 2 "Lay Me Down"), der Kampf gegen hartnäckige Sünden
(# 7 "Mountains on the Ocean Floor"), Trennung, Seelenödnis
in den langen Nächten Alaskas (# 8 "All Shall Be Well").

»Wir wurden für den Garten [Eden] geschaffen,
doch jeden Tag erwachen wir im Grab«, schreibt Andrew Peterson
in seinen Liederklärungen. Doch wir sind bei all dem nicht allein
gelassen. »Da ist mehr, als wir von unserem
schmalen Aussichtspunkt aus in dieser weiten Ewigkeit sehen können«,
singt er in # 10 "More", das in den Lyrics an "Ask For
More" von David Wilcox erinnert
und tatsächlich auch zusammen mit Pierce Pettis geschrieben wurde.
Wir sehnen uns nach dem Ewigen und Unvergänglichen, nach der eigentlichen
Heimat (# 1 "The Far Country"). Gott hätte uns, so ist
Andrew Peterson überzeugt, dieses Verlangen nicht eingepflanzt, wenn
er nicht die Absicht gehabt hätte, es auch zu stillen.
Das Ende ist der Anfang der Geschichte

Und das ist die Kehrseite seiner Lieder: Sie erzählen auch von Licht
in der Dunkelheit, von unverwüstlicher Hoffnung, von der unbeschreiblichen
Liebe und Gnade Gottes (# 6 "Mystery of Mercy") und von Friede,
der wie ein Strom fliesst. Dank Jesus Christus sind alle Anfechtungen
und auch der Tod keine Endpunkte, sondern Türen hin zu einem Neuen:
»Der Tod ist nicht das Ende, sondern der
Beginn einer Geschichte.« Und so will Andrew Peterson den
Weg in die himmlische Heimat antreten, erwartungsvoll wie der Knabe, der
sich voller Neugier und Vertrauen ins Spiel stürzt (# 4 "Little
Boy Heart Alive"), und wehmütig wie Frodo in Tolkiens "Herr
der Ringe", als er sich von den Grauen Anfurten zu den Unsterblichen
Landen aufmacht (# 5 "The Havens Grey", Verse von Ben Shive).

»Wir sind nicht allein. Wir sind mehr als
Fleisch und Knochen.
Was sichtbar ist, geht vorbei. Das Unsichtbare geht nach Hause.«
(aus "Lay Me Down")

Fazit: "The Far Country", das etwas voller, pop-rockiger
und stärker plugged-in als "Love
& Thunder" (2003) klingt, ist ein wunderschönes, bereicherndes
Musikerlebnis, das eine seltene Intensität, Tiefe und Wärme
besitzt und die Sehnsucht nach dem himmlischen Zuhause füttert. Andrew
Petersons intelligente, tiefgründige Songs werden besonders jene,
die Rich Mullins schätzen, begeistern.
|