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 Jill
Phillips
"nobody's got it all together"

( 2006 Square Peg Alliance / online
)
Beschwingter, "wohliger" Folk-Pop

Endlich hört man wieder Neues von Jill
Phillips! Die Sängerin-Songschreiberin mit der unverkennbaren
"Killerstimme" (O-Ton Randall Goodgame) legt mit "Nobody's
Got It All Together" ein wie erwartet und von ihr gewohnt feines
Folk-Pop-Menü vor: mit Tiefgang, einnehmendem Gesang und solidem
Musikerhandwerk. Die 11 Tracks wechseln angenehm zwischen peppig-rockig
und soft, zwischen dynamisch und ruhig ab. Sie sind von einer wohligen,
vielschichtigen Schönheit und durchaus eingängig.

Die Mehrzahl der Stücke schrieb die Sängerin aus dem Nashviller
Indie-Klüngel allein oder mit ihrem Mann Andy Gullahorn, der natürlich
seine Gitarrenkünste und schöne Gesangsharmonien beisteuert.
Akustikklampfen, E-Gitarren, 12-Saitige, Steel-Gitarren (Andrew
Osenga, Stephen Mason) sowie Aaron Sands Bass und Ken Lewis’ Handwerk
am Schlagzeug, dazu Klavier (Matt Stanfield), Cello, Violine und ein paar
Soundspielereien schaffen einen poppig geglätteten Folk-Sound, der
gut zum leidenschaftlichen Gesang passt. Zart und schwebend, wo es angemessen
ist, rockig und ostinat, wo es Nachdruck braucht. Im voranpreschenden
"Moving On" (# 7) wirkt ein gesampelter Andy-Chor mit. Das ausdrucksstark
gesungene "Never Let Me Down" (# 8) wartet mit einem flirrenden
Outro auf. Überraschend anders klingt die nachdenkliche Klavier-&-Cello-Ballade
"The Middle" (# 6), die geradezu von Sara
Groves stammen könnte. Den ruhigen Abschluss bildet eine Akustik-Neueinspielung
von "I Am" (# 11), bekannt vom Debütalbum "Jill
Phillips" (1999).
Gegen den Mythos der Vollkommenheit

Der beschwingte Titelsong fasst das Albumthema einleuchtend zusammen:
»Was nützt der Ausruf: Bitte, Heiland, komm!, wenn es gar
nichts gibt, wovon du gerettet werden musst? ... Färbe die Wahrheit
über dich selber nicht schön. Denn bei keinem ist alles in Ordnung.«
Es sind Lieder gegen den Mythos der Vollkommenheit: Keiner ist fehler-
oder sündlos. Da kann es nur unbehaglich und unecht werden, wenn
wir krampfhaft in ein Schema zu passen versuchen. Wichtiger als ein scheinbar
perfektes, abgesichertes Leben ist für Jill Phillips, dass sie echt
lebt und in Abhängigkeit vom Schöpfer – auch wenn Entscheidungen
noch unklar sind, es sich unbequem anfühlt (bester Country-Rock:
# 2 "By A Thread") und sie auf Überraschungen gefasst sein
muss. In ihren Liedern schildert sie ihre Erfahrung eines fürsorglichen
himmlischen Vaters (schlicht-schön: # 4 "Daily Bread")
und eines vergebenden Heilands, der in unser ganz reales Leben hinabgestiegen
ist (# 9 "Rise Above", # 10 "The Door").

In "Square Peg" (# 3, mit Andrew
Peterson) singt Jill Phillips: »Wie ein eckiger Pflock in
ein rundes Loch, so scheine ich nicht in ihre Schablone zu passen und
Zugang zu finden. Auch ich hatte meine Chance, verstand aber nicht ihr
Spiel – und noch weniger, wie es einer gewinnen kann.« Dieser
ansteckende Folksong ist eine Art Hymne der jungen Künstlervereinigung
Square Peg Alliance [mehr dazu in unserem Interview].
Der Wunsch nach ehrlich gelebter Gemeinschaft, in der der Einzelne erst
voll "funktionieren" kann, zeigt sich auch auf dem köpfereichen
Cover: Hier erhält das "all together" eine zweite Bedeutung ...

Fazit: Wie Jill Phillips unsere Beschränktheit und Gottes perfekte
Antwort darauf in zeitlosen, treffenden Versen und packendem Gitarren-Folk-Pop
ausdrückt, fasziniert immer wieder neu. All jenen, die die Songs
von Sandra McCracken, Andrew
Peterson, Carolyn Arends oder
Sara Groves mögen, sei diese verwandte
Sängerin in Erinnerung gerufen.

Meine Favoriten: Nobody’s Got It All Together, Square Peg, The Middle,
Never Let Me Down.
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