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 Petra
"revival"

( 2001 inpop Records / Gerth Medien
)
Nach über drei Jahren gibt es nun endlich den Studionachfolger
zu "God fixation" (1998, Word), die letztjährige akustik-Best-of
nicht mitgerechnet. Mittlerweile ist die Band auf ihre Basis "geschrumpft":
John Schlitt am Gesang, Bob Hartmann an der Gitarre (zumindest im Studio)
und Louie Weaver am Schlagzeug. Für kommende Tourneen werden dann je nach
Bedarf live-Musiker zusammengetrommelt. Petra
wurde in den letzten Jahren vom Label Word fast nicht mehr unterstützt,
entsprechend ging das Image bergab. Mit der neuen Firma inpop Records
(von Newsboys-Chef Peter Furler) hat sich
nun ein Hoffnungsträger den Rockpionieren angenommen. Aus marktstrategischen
Gründen wurde deshalb nach sechs Jahren Abstinenz Bob Hartmann wieder
als Studiomusiker reaktiviert. So hofft man in USA auch wieder die Verkaufszahlen
anzukurbeln.

Wenn es im folgenden um die Musik geht, ruhig einige Worte vorweg:
Den ewig gestrigen Besserwissern, die Petra ausschließlich auf den Rock
der End-80er festnageln wollen, sei gesagt: Petra war nie eine Hard-Rock-,
geschweige denn eine Heavy-Metal-Band. Seit eh und je war die Formation
eine Pop-Band im besten Sinne. Sie nahmen den jeweils populären Sound
der Zeit und machten ihn zu dem ihren. In den 70ern spielten sie rauhe
Hippie-Mucke, Anfang der 80er Jahre fuhren sie eine Stufe runter, in den
soften Synthie-Pop. In der Mitte besagten Jahrzehnts folgte ein Aufbruchphase,
die nach einigen Experimenten zu härterem Rock führte, der jedoch immer
im poppigen Mainstream-Bereich blieb. Mitte der 90er Jahre wurde der Schwenk
der Massen hin zum Gitarrenorientierten Alternative-Rock mitgezogen. Ja
und nun, wo die "80er Jahre" und "Synthesizer" keine Schimpfworte mehr
sind - wohlgesagt im 21. Jahrhundert - läßt es Petra wieder etwas mehr
krachen und fügt früher erfolgreiche Elemente wieder in seine Musik ein.
Ist etwas dabei? Nein! Petra war und ist musikalisch eine zeitgeistige
Band, wer dies nicht erkennt, hat deren Arbeit nicht richtig verstanden.
Schon immer war die Musik nur Mittel zum Zweck bei Petra. Dies ist auch
der Grund, warum die Gruppe weiterhin auf der Bildfläche ist.

'Petra Praise 3' steht zwar nicht auf dem Cover, aber eigentlich gehörte
es dort hin. Nach zwei erfolgreichen Praise-Scheiben, 1989 ("the rock
cries out") und 1997 ("we need Jesus"), wurde nun die dritte Runde eröffnet:
"Revival" klingt richtig modern und richtig gut. Es stimmt einfach alles.
Die beiden neuen Produzenten Jason Halbert und Dwayne Larring waren früher
mal bei SonicFlood und wissen nur zu
gut wie moderner Rock zu klingen hat. Sie spielen auch die Keyboards sowie
zusätzliche Gitarren auf der Platte. Am Baß stand übrigens Rick Cua! Während
der Titelsong als Einsteiger kräftig dem Radiopop huldigt, vermißt man
etwas den Rock. Der folgt dann aber mit Nummer zwei "the noise we make"
(Cover von Chris Tomlin) und hält erst
mal bis "Jesus, friend of sinners" (Cover von Paul Oakley) an. Letzteres
Lied ist wohl das Rockigste der Platte, mit dominanten Gitarren und allerlei
Spezialeffekten aus dem Keyboard-Reich. Überhaupt nehmen die 'kleinen
Japaner' wieder eine zentrale Rolle im Petra-Sound ein, ähnlich wie bereits
beim 1984er "beat the system".
Der Song "amazing grace" ist nicht etwa eine neue Version des alten Gospels,
sondern ein neugeschriebener Worship-Song. Insgesamt der beste Titel des
Albums, einfach total gut. Zusammen mit "the noise we make" klingt er
sicher am meisten nach den "älteren" Petra, die wir so lieben...
Balladen gibt es natürlich auch wieder, "satisfy" und "how long" überzeugen
auf der ganzen Linie mit typischen Petra-Harmonien. Nur den mehrstimmigen
Satzgesang vermißt man schmerzlich auf diesem Werk! Dafür hat John zum
ersten Mal seit langer Zeit mit seiner Stimme experimentiert, man hört
viele neue Akzente!

Was man über die Musik alles gutes sagen kann, gilt leider nicht in vollem
Umfang für die Liedtexte. Zum ersten Mal in der Petra-Geschichte wurden
alle von fremden Songschreibern angeliefert. Außerdem gibt es einige Cover-Songs.
Ob die Matt-Redman-Stücke "send revival, start with me" und "better is
one day" wirklich notwendig waren, bezweifle ich. Sie sind keinesfalls
Highlights der CD. Am besten finde ich da noch die beiden Titel von John
Hartley und Gary Sadler, "oasis" und "amazing grace", die auf neue Weise
Dinge ausdrücken. Irgendwie weisen die Texte kaum Lob auf, sondern eher
allgemeine Bitten und intime Gebete.
Letztendlich schießt den Vogel "we want to see Jesus lifted high" ab:
Ein Song bereits von 1993, der die unbiblische Lehre der geistlichen Kriegführung
propagiert. Diese kritischen Anfragen muß sich das Projekt gefallen lassen,
eine uneingeschränkte Empfehlung textlicherseits kann nicht ausgesprochen
werden!

Den Kritikern, die sagen, Petra würde auf's Abstellgleis gehören, kann
ich nicht folgen. Bei Petra hört man immer die Frische und die neuen Ideen,
die man bei anderen vor lauter Langeweile nicht findet. Zwar war der Label-
und Produzentenwechsel schon einige Jahre überfällig, aber besser spät
als nie. Nun ist die Musikwelt gespannt, ob die Band auch ohne den Lobpreis-Hype
ein zweites neues Studioalbum hinbekommen wird. Doch wer die Jungs kennt,
traut ihnen das ohne weiteres zu...

Fazit: Überraschend aktuelle, aber äußerst infektiöse neue Petra-Rock-Klänge.
Hiermit wird das achtziger Jahre-Revival entgültig besiegelt. Während
sich das Werk die Lobpreis-Welle zunutze macht, kommen die Texte im Gegensatz
zur komplexen Musik manchmal etwas platt bzw. simpel daher. Es fehlt eindeutig
(wenigstens) ein Bob-Hartmann-Song.
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