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Point Of Grace - ''I choose you''Point Of Grace
"I choose you"


   ( 2004 Word, WBR Christian, Curb / Free Records
           Music; online )

Wenn ein deutscher Vertrieb bloß den originalen amerikanischen Werbetext für eine CD übernimmt und dabei lediglich die Satzreihenfolge variiert, muß das Schlimmste befürchtet werden. Und in der Tat, scheint bei "I choose you" den Marketingleuten von bv-music wohl nichts besseres eingefallen zu sein, als die übertriebenen Werbephrasen ihrer US-Kollegen...

Nach dreijähriger Albumabstinenz kehren die Vorzeigedamen der christlichen Popszene mit diesem Silberling nun wieder "richtig" ins Rampenlicht zurück. Nach ihrem Projekt-Album "girls of grace" und der Best-Of-Zusammenstellung "24" haben viele Anhänger der vier Goldkehlen bereits sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet. Aber war da nicht noch was anderes? Richtig, Neumitglied Leigh Cappillino trat die Nachfolge von Terry Jones an, die Point Of Grace 2004 verließ, um mehr Zeit mit ihrem Ehemann und den drei Kindern verbringen zu können. Leigh fügt sich wunderbar in die Gruppe ein und man merkt keinen größeren Unterschied beim Gesang. Die Karriere dürfte also sicher gut weitergehen... ;-)

Woanders sehe ich da eher Probleme, nämlich bei dem vorliegenden Werk! Vier namhafte Produzenten wurden auf das Album angesetzt, dazu ein Dutzend Songschreiber aus Amerika und England. Unter dem Stichwort "neue schöpferische Mischung" sollte ein personeller und musikalischer Neuanfang versucht werden, der jedoch gründlich daneben ging. "I choose you" hat einen ziemlich hohen Plätscherfaktor, man muß sich zwingen, aufmerksam zuzuhören (unter Kopfhörern), um überhaupt markante Passagen aufzuschnappen. Die Platte ist im schlechten Sinne überproduziert, klingt wie zehntausendmal gehört und absolut ausgelutscht.

Zwanghaft auf jugendlich getrimmt wurden die Frauen fürs Coverbild - dabei sind sie alle in ihren Vierzigern und mehrfache Mütter. Das Artwork läßt auch eher auf eine Teenie-Girlgroup schließen, denn auf auf niveauvollen Inspirational-Pop. Für nichts anderes stand Point Of Grace seit 1992! Ob die Frauengruppe mit diesen Voraussetzungen ihre zuerst beeindruckende, danach verständliche Liste von 24 Nummer-Eins-Hits (christliches Radio!) erweitern kann, bleibt fraglich. Höchstens dem Titelsong, dem zweiten Stück "down", dem sechsten Stück "God is in it" oder der konzeptionellen Schlußballade "this is your land" traue ich Achtungserfolge im Radio zu - mehr nicht! Die Arrangements wurden im Vergleich zu früheren Produktionen einerseits von Ballast befreit, andererseits wieder zugefüllt mit Modern-Rock-Elementen. Diese passen aber nur schlecht zum mehrstimmigen Satzgesang der Damen; die ja hier auch mehr ins 'Solo- und Backgroundstimme'-Konzept gedrückt wurden. Woraus wenig Harmonien und Hooklines flossen. Schöne und neue Melodien läßt der Opus obendrein vermissen.

Schade, denn die Liedtexte sind durchaus clever und tiefsinnig, dennoch eher allgemein und unpersönlich - zumindest aus Sicht des Quartetts. Vielleicht liegt es daran, daß die vier Bandmitglieder nicht am Liederschreiben beteiligt waren. Auf jeden Fall hat John Waller und seine Ex-Band According To John mit "I choose you" einen sehr schönen Songtext abgeliefert; das etwas andere Glaubensbekenntnis würde ich sagen. Die von vielen Songschreibern angelieferten weiteren Texte beschäftigen sich mit der Beziehung zu Gott; es geht um Anbetung, Vergebung, Sein Reden in unserem Leben und überhaupt einen realen Glauben. Das Lied "waiting in the wings" wurde von Psalm 31 inspiriert, der Refrain heißt: »Ich glaube - auch wenn Gott außerhalb der Sichtweite ist - / Er wirkt inmitten aller Dinge. Das Böse mag seine Zeit der Aufmerksamkeit haben, / doch Liebe wartet auf ihren Abflug.« Die Botschaft der Platte ist letztlich, daß Gott alles im Griff hat, man kann sein Vertrauen voll auf Ihn setzen, Ihn "wählen".

Interessant, fast schon außergewöhnlich, ist Track numero elf, wo es einen anderthalbminütigen Auszug aus dem englischen Buch von John Bunyans "Pilgerreise" gibt - gelesen von Adrian Plass! Daran schließt sich auch ein Cover von dem 1997er "City Of Gold"-Projekt aus England an, welches seinerzeit dem Engagement von Adrian Plass, Phil Baggaley, Dave Clifton und Ian Blythe zu verdanken war. Das Original ist inzwischen ein echter Klassiker geworden und wird bis heute weltweit "entdeckt". Mit diesem "Rausschmeißer" zeigt dieses Point Of Grace-Album erstmals, daß es auch musikalisch besser geht. Ein tolles Stück, von Brent Bourgeois toll produziert!

Fazit: Die Entscheidung, den Sound etwas "runterzuholen" war sicher richtig, leider klingt das Ergebnis noch nicht überzeugend. Unverkennbar unterdurchschnittlich wird die Platte durch vorhersagbare Songs. Im Ergebnis ist das irrelevante Musik, einmal angehört und dann wohl nie wieder (trotz guter Liedtexte!). Selbst für treue P.O.G.-Fans dürfte diese Scheibe schwer verdaulich bleiben...


—David Decker für CCM-Rezis, Dezember 2004

Daten:
12 Titel / 44 Min.
Musikstil: Pop
Label(s): 2004 Word Entertainment, WBR Christian, Curb Records, USA /
               Free Records Music, Witten; online
Website: http://www.pointofgrace.net  /  'Girls Of Grace'

weitere CDs - siehe Point Of Grace-Künstlerseite >>
 


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