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 Scott
Phillips
"love and the like"

( 2005 Independent / online )
»Ich glaube, dass Ehrlichkeit den Weg zu Individualität pflastert – was ironisch ist, denn wenn wir aufrichtig ehrlich miteinander sind, werden wir erkennen, wie 'gleich' wir doch alle sind!« (Scott Phillips)
Stimme und Stimmung pur!

Ich liebe es, wenn Musiker direkt in meiner guten Stube aufspielen. Wenn
der scharfsinnige Derek Webb ("The
House Show"), die gefühlvolle Sandra
McCracken, der Gitarrenvirtuose David
Wilcox oder die leidenschaftliche Tara Leigh Cobble ("Things
you can’t stop with your hands") mit ihrem Gesang, ihrem Gitarrenspiel
und ihrer packenden Präsenz meinen Raum füllen. Auch Scott
Phillips aus der Nashviller Singer-Songwriter-Szene verstand es in
"Love and the Like" (dt. Liebe und dergleichen), eine intensive
Live-Atmosphäre festzuhalten. Während das vielseitige Full-Band-Vorgängeralbum
"Tightrope" (2003)
aus der Steckdose gefüttert wurde, beschränkte er sich hier
auf seine Akustikgitarre und die stützende, zwischendurch malerisch
ausladende Begleitung des jungen Pianisten Chris Hennig, der auch bei
den Arrangements mithalf. Keine Click Tracks, kein Tonhöhengebastel,
sondern Stimme und Stimmung pur!

Mit leicht angerautem Tenor, der gerne in die Höhe steigt (der Einfluss
von Coldplay, Keane und Damien Rice ist spürbar ...), singt Scott
Phillips von Beziehungen, Wachstum und der Sehnsucht nach Veränderung.
Hauptthema ist die Liebe in allen Schattierungen: die überschwengliche,
die verschmähte, die uneingestandene, die oberflächliche – und
immer wieder Gottes Agape-Liebe, die das Innerste umkrempelt. "Enough
To Deserve You" (# 1) beschreibt ein Ehepaar in der Krise, das zu
Jesus um seine heilende Liebe fleht. "Three Wishes" (# 2) trauert
einer durch den Tod des andern verhinderten Aussprache nach. "If
I Promised You The Moon" (# 11) zeichnet Ratlosigkeit und Sorge eines
Mannes nach, der von seiner Frau verlassen wurde. Verliebte Augen beschreiben
schliesslich "Carol Jean" Phillips (# 12), ihre innere wie äussere
Schönheit.
Eindringlicher Gesang und tiefehrliche Selbstgespräche

Scott Phillips steckt enorm viel Ausdruck in seine oft selbstgesprächigen, grüblerischen Songs, verausgabt sich in eindringlichem Gesang und nachdrücklichem Gitarrenspiel. Er beisst sich an Fragen, Erkenntnissen, Bitten fest, wiederholt sie, manchmal frenetisch-eindringlich, dann wieder feierlich, zart. Es scheint, als werde die Melodie in ihrer spröden, melancholischen Schönheit von der Botschaft geformt. Da stösst man nicht nur auf gelungene Reime, sondern auch auf packende Wortspiele wie »Du bist 'Ich bin', und ich bin, weil du bist« und auf einschlagende Fragen wie: »Bin ich Salz dieser Welt oder Salz in einer Wunde?« Auch auf originelle Bilder: die Signalrakete, versehen mit einem schlichten Gebet, die zum Himmel steigt; Geduld, die wie Ebbe und Flut kommt und geht.

Am meisten beeindrucken mich die Ehrlichkeit, Verletzlichkeit und Lebensnähe.
Scott Phillips will nicht einfach unterhalten, sondern seine Zuhörer
im Glauben ermutigen, indem er sie tief in sein Inneres blicken lässt.
Im Paul-Simon'schen "Hide and Seek" (# 5) schwankt die Stimme
zwischen Resignation und Hoffnung, wenn sich der Sänger eingesteht,
dass sein Leben ausser Kontrolle geraten ist, seine Scheinsicherheiten
versagen: »Ich hoffe jemanden zu finden,
der sich die Mühe macht, mir dabei zu helfen, mich vor mir selber
zu retten.« Das aufwühlende Solostück "I
Can't Sleep" (# 7) legt den Finger auf unsere kranken Seelen, auf
den Mangel an Glauben, Hoffnung und Liebe.
Heilmittel gegen Gefühlskälte und Oberflächlichkeit

Im grossartigen "Time To Come Home" (# 4) – mit der Bridge »Ich
habe einen Ort vorbereitet, aber die Barrikaden der Sünde haben den
Schlüssel weggeworfen. Mein Blut jedoch wird dich hineinbringen«
– greift er am Schluss die über hundertjährige Hymne "When
We All Get To Heaven" auf. Auch andernorts vermischt er Alt und Neu,
traditionellen Liedklang mit modernem Folk. "Hymn / Because You Are"
(# 9) könnte fast im 18. Jh. gedichtet worden sein, als man noch
theologischen Inhalt in die Glaubenslieder packte und nicht nur Refrains
produzierte. Sehr schön ist auch "Center of the Universe"
(# 3): Es gibt nur für einen Platz im Zentrum des Universums – und
dies ist nicht der Mensch, auch wenn er es gerne wäre ...

Fazit: berührend, bewegend, aufrüttelnd. "Love and the
Like" gehört zu den Alben, die sich erst nach und nach, dafür
umso hartnäckiger im Gehör einnisten. Die Songs sind ein Heilmittel
gegen Gefühlskälte, Verhärtung und Oberflächlichkeit!
– Wer die als Vergleiche genannten Stimmen mag, sollte die Mühe auf
sich nehmen und diese ganz besondere Indie-Perle aus Übersee an Land
ziehen!
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