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 Joe
Rogness
"right with you"

( 2004 Two Fish Records / online
)
Wieder einmal macht aus der wimmelnden Nashviller Szene
ein Indiedébut auf sich aufmerksam. Und wenn sowohl Sara
Groves als BGV, Nate Sabin als Song(mit)schreiber und Produzent sowie
bekannte Namen wie Steve Brewster am Schlagzeug, Matt Pierson am Bass,
Jeff Roach an den Keys und Dave Cleveland an den Gitarren auftauchen,
wenn Stimmen wie Charlie Peacock das Album in den höchsten Tönen loben,
dann ist die Neugierde umso grösser. Die Rede ist von Joe Rogness aus
Minneapolis und seinem Erstling "Right With You" (2004). Der dreifache
Familienvater stieg unlängst aus einer lukrativen Verkaufskarriere aus
und entschied sich zugunsten der unsicheren Musikbranche, obwohl mich
hier der Verdacht beschleicht, dass es nun um eine gut vermarktete Karriere
in dieser Szene gehen könnte. Nun denn, was ist zu hören?

Das 10-Track-Album wirkt beim ersten Anhören unaufdringlich, etwas gleichförmig.
Doch der Eindruck des Mittelmasses verschwindet schnell, und man lernt
gerade die feine Dynamik, das leise Verspielte und den jazzigen Hauch
schätzen. So entspannt, wie der Sänger auf dem CD-Cover posiert, so entspannt
und erfrischend klingen auch seine Lieder. Sein rauchiger, weicher Gesang
entwickelt sich fast aus dem Sprechen heraus, wird zunehmend lebhafter,
rhythmisierter. Anfänglich begleiten oft nur Gitarre und Schlagzeug, doch
wird die Melodie bald von schlanken, fliessenden Arrangements unterfüttert,
leichthin umspielt. Die BGVs sind sparsam, harmonisch eingesetzt; es bleibt
viel Raum für instrumentale Zwischenspiele und Atempausen. Und so entsteht
ein organisches, verträumtes Gemisch aus Jazz, Folk und Pop. "My Little
Faith" mit seinem R'n'B-Touch erinnert stark an Sade Adu, "You Are My
Journey" an Sting. Allerdings hüllt in "What Will You Say" der gemächliche
Jazz-Sound alle ernsthaften Lebensfragen in so wohltuenden Balsam, dass
das Lied dem Easy Listening anheim zu fallen droht. Sehr schön und eingängig
ist die zärtliche Ballade "Catch Me" mit der warmen Nebenstimme von Sara
Groves, geschrieben von Nate Sabin; ein Lied, das wie auch "You Never
Stop" und "Simply Divine" nicht zuletzt durch sein stimmungsvolles Streicherarrangement
(John Catchings) besticht. Die Nähe zu vielen der vom selben Produzenten
und mit denselben Musikern aufgenommenen Lieder von Sara Groves ist gerade
hierin unüberhörbar; die beiden Vollzeitmusiker aus Minneapolis sind auch
in ihrem Konversations-Stil vergleichbar.

Joe Rogness singt von seiner Beziehung zu Gott: vom Wiederfinden des Ur-Glaubens,
wie er ihn an seinen Kindern beobachtet ("Childhood Eyes"), von der Sehnsucht
nach konstanter Nähe zu Gott ("Satisfied", dessen Refrain den Albumtitel
ergab), die leider im Alltag zu oft fehlt ("You Never Stop“), und
von dem schwächlichen Glauben, der daraus folgt ("My Little Faith"). Die
Texte haben es in sich, sind persönlich, gedankenvoll, besonders das erzählerische
"Forgiveness Looks Good" über Ehebruch und Vergebung oder "Talk to Me",
das gemäss Epheserbrief 4,26 - "Die Sonne gehe nicht unter über eurem
Zorn" - von der Versöhnung nach einem Streit handelt. Es sind oft Gespräche
mit Gott. Sie leben von Wortspielen ("You are My Journey"), Fragen, Andeutungen
und poetischen Bildern. Gleichwohl weicht Joe Rogness der Konfrontation
mit Unangenehmem, Verletzungen und Schwächen nicht aus, etwa im nachdenklichen,
feierlichen "Simply Divine" über Jesu Opfertod am Kreuz. Er zielt nach
eigenen Aussagen bewusst auf das Gefühl und möchte mit seiner Ehrlichkeit
und Authentizität andere anstecken.

Fazit: ein stimmiges Album mit leisen Zwischentönen und gedankenvollen
Texten, das durch seinen ganz speziellen, wohltemperierten jazzigen Folk-Pop
auffällt und vor allem Liebhabern von David Wilcox, John Mayer, Sara Groves
und Charlie Peacock gefallen wird.
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