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Lidija Roos – "not for sale" (1997) |
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Lidija
Roos – "lidija roos" (EP) (2004) |
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Lidija
Roos
"not for sale"

( 1997 Whatever? Records / *vergriffen!*
)
Lidija
Roos
"lidija roos" (EP)

( 2004 c|works / online
)
Ein besonderes Juwel in meiner Sammlung ist die CD "Not
for Sale" (1997) von Lidija Roos. Ein
buchstäblich unbezahlbares, weil unverkäufliches Album. Die
damals 22-jährige Schweizer Multi-Instrumentalistin und Gesangstudentin
mit der wunderbar souligen Powerstimme hatte nach einem längeren
Amerika-Aufenthalt und dem Gewinn des Kleinen Prix Walo als Best Newcomer
Jazz ein 13-Track-Album – durchgängig in Englisch, aber mit beigefügten
deutschen Liedübersetzungen – als "Missionar" aufgenommen.
Es sollte nach Markus 16, 15–18 das Evangelium von Jesus Christus in die
Welt hinaustragen. Nach dem Bibelwort »Umsonst habt ihr empfangen,
umsonst gebt!« (Matthäus 10, 8) lag die farbenfroh gestaltete,
von Matthias Heimlicher produzierte CD in Buchläden und andern Orten
zur freien Mitnahme auf.

Ihr Lied "As a Child" über ein Mädchen, das sich vor
einem Geräusch an der Tür fürchtet, war für mich ein
Augenöffner und läuft mir heute noch nach: »Sie ist
nur ein kleines Mädchen, doch schau, was ihr Glaube getan hat: Sie
schickte Jesus an die Türe. Möge mein Leben wie ein Kind werden,
wie ein Kind, das soeben angefangen hat. Mit einem weit offenen Herzen;
ich brauche mich nicht zu verstecken. Suche und finde wie ein Kind.«
Und ihr selbst geschriebenes Anbetungslied "Sweet Taste" ist
bis heute eines meiner Lieblingslieder. Ich erinnere mich gerne daran,
wie eine Freundin und ich das Stück einst an einem Sonntagnachmittag,
während des Abstiegs vom Zürcher Üetliberg, zweistimmig
in die Welt hinaus sangen ... Lange hörte ich nichts mehr von der
grosszügig mit ihren Gaben wuchernden Lidija Roos, bis sie 2004 eine
EP mit ihrem Namen herausbrachte. Mit dieser möchte ich euch die
begabte Jazzsängerin und ihre Band wärmstens ans Herz legen.

Die wiederum von Matthias Heimlicher produzierte 4-Track-EP ist sozusagen
die Visitenkarte der jungen Schweizer Jazz-Formation mit Joe Greisser
(Bass), Christoph Jorns (Drums), Matthias Studer (Piano), Andi Allenbach
(Gitarre) und Lidija Roos (Vocals). Wie ein Stück von Sade Adu beginnt
"Beautiful Life" (# 1), ein Gemeinschaftswerk von Studer, Allenbach,
Jorns und Lidija Roos: sinnlich und weich der souljazzige Gesang, sehnsuchstvoll
die Melodie, eingängig der Refrain. Das sanfte Ziehen und In-die-Seele-hinein-Sprechen
färbt jede Silbe, jeden Schlag, jeden Gitarrengriff dieses relaxten,
poetischen Stücks: »Beautiful life come to me, save me from
the silence and take me to the place I long to be.« – »If
I would lose this hiding place, I would lose myself. Do you know, do you
know that place?«, fragt die Sängerin darauf eindringlich
im grungigen "Safe Place" (# 2), geschrieben von Greisser. Es
vermischt Jazz und härteren Rock zu einem intensiv pulsierenden,
hypnotischen Klang mit treibendem Schlagzeug, irrlichternden Keys und
heavy Gitarren.

Chris Jorns’ Song "Friend" (# 3) mit hell schimmernden Gitarren
und funkigem Klavier-Interlude, der rhythmisiert und zugleich meditativ
um seine Verse kreist, ist die Herzensantwort auf Jesu Liebeszusage. Ein
Lied voller Zufriedenheit und Zärtlichkeit! Träumerisch und
sanft, mit einem wohlig rieselnden Jazz-Feeling, Akustikgitarren, Tamburin
und samtweichem bis säuselndem Gesang, der Gänsehaut erzeugt,
schliesst der Akustik-Track "Story Telling" (# 4) das Kurzalbum
ab. »I long to tell, I’d like to tell of my story – I’d like
to tell you all, I wonder if I can invite you to listen to me – at all?«
... Klar, ich könnte dem Gesang von Lidija Roos (in dem immer ein
Lächeln mitschwingt) endlos zuhören, denn sie versteht es, mit
soulig ausgekosteten Melodielinien und sanft schwebenden Worten zarte
Bilder in die Luft zu malen. Skizzen, die ich weiter ausgestalten, ausmalen
und mit meinen Erinnerungen und Vorstellungen beleben kann: »My
mistakes turned into stepping-stones / determining the path I walk / Wounds
that once bled non-stop / Have disappeared.« Was für ein
Vers – hier ist Gnade am Werk!

Obwohl alle Stücke viereinhalb bis sechs Minuten lang sind, ist "Lidija
Roos" natürlich viel zu kurz geraten. Gerne hätte ich noch
mehr Stimmungen durchlebt, wie sie gerade im Zusammenspiel von Poesie,
Jazz und gefühlvollem Gesang entstehen können. Anderseits ermahnt
mich dieses lange erwartete musikalische Lebenszeichen von Lidija Roos,
mit wenigem, dafür Hochdosiertem und Anspruchsvollem zufrieden zu
sein. So stimmungsvolle Musik kann nicht kübelweise konsumiert werden.
Sie will ja gerade meine Ohren und mein Herz öffnen und nicht zuschütten.

Fazit: ein Hörgenuss für alle, die sinnlich-souligen Jazz in
der Art von – Lidija Roos :-) – Suzanne Brewer ("Prone To Wander"),
Sarah Kaiser ("Miracle")
oder Katja Zimmermann (Kaschu) mögen.
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