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Red Barchetta - ''Futirocker''Red Barchetta
"Futirocker"


   ( 2003/2004 Pleitegeier Records / Asaph Musik )

Nach über zwei Jahren liegt nun endlich der Nachfolger des experimentellen "ich sag was"-Albums vor. Seitdem hat die Band aus der Hauptstadt viele weitere Konzerte gespielt, ihre Bekanntheit und Beliebtheit weiter vergrößert und weiter zu sich selbst gefunden. Von diesem ganzen Prozeß zeugt eindeutig der neue Opus, welcher schon durch eine gelungene äußere Gestaltung gefällt. Zwar wird hier gleich ein Zeugnis der Fußballiebe abgegeben, aber es sieht einfach spitze aus und paßt auch inhaltlich... - dazu unten mehr! ;-)

Die Produktionsleistung konnte weiter gesteigert werden und es klingt immer professioneller (aber nie mainstreamig!) - super! Zwar ist es seit dem ersten Album derselbe Produzent - Arno Jordan aus Dresden - doch das Ergebnis wird jedesmal besser. Nun läßt sich um die Wette spekulieren, ob die Band besseres Songmaterial anliefert oder der 'Chef der Regler' seinen Technikpark vergrößert... Egal, es macht echt Laune solchen satten Elektrorock-Sounds wie etwa im Einsteiger "Bastard" zuzuhören. Beim Roten Barchetta trifft deutscher Innovativ-Rap auf eine Mischung aus Rock, Ska und Hip-Hop, was die Band selbst als "Rackskop" getauft hat. Darin enthalten sind auch witzige Samples aus der Geschichte (z.B. bei Nr. 7 der unvergessene Radiokommentar Herbert Zimmermanns beim 1954er Endspiel der Fußball WM) und der Kultur (z.B. bei Nr. 5 von einer "Fuchs und Elster"-Schallplatte aus DDR-Zeiten - Kult!) sowie tolle Elektronik-Effekte. Zusammengehalten wird das ganze von Stimme (und Texten) des charismatischen Bandleaders Axel "Fischakahn" Fischer.

Was die Texte betrifft, so pendelt man zwischen phantastischem Flow und schöpferisch-geschraubten Versen. W4C trifft auf die Spezies eines Steve Taylor. Naja, so oder ähnlich vielleicht... Man muß sich schon mal einige Zeit nehmen, um das Booklet in Ruhe durchzulesen, dabei kann man ablachen, grübeln und sich hinterfragen lassen - Aha-Effekte nicht ausgeschlossen. Der Titelsong ist eine Ode an den Straßenfußball aller Großstadtkiddies. Red Barchetta, die bekennenden Fans davon, verbinden das ganze mit einer Metapher auf ihre Musik und Live-Konzerte: "Futirocker" rockt natürlich und wird zu einem kreativ gemachten Kopfnicker-Händehoch-Mitmach-Partysong. (Nach der 'Wunder von Bern'-Euphorie sollte nun die 'Wunder aus Berlin'-Euphorie folgen, oder?! :-)  Das Stilbekenntnis "Rackskop" (# 4) ist ein ähnliches Textprojekt und verbindet geistreich musikalisches mit inhaltlichem Anliegen. Der Einsteiger "Bastard" bezeichnet den Stil der Band als "musikalischen Bastard". Ja, richtig gelesen. Bastard - in musikalischer Ehelosigkeit entstandene Songs? Nee, das macht keinen Sinn, denn die Band geht ja gerade viele "Ehen" ein, um ihren neuen Klangkosmos in die Welt zu schießen. Naja, dieses Teil verstehe, wer will (und kann)... "Wott1" (# 2) ist gleich noch so ein Stück, wo ich gar nicht weiß, um was es gehen soll. Um das eigenartige Leben manchesmal vielleicht?

Auch der christliche Glaube hat in den Liedtexten Raum, aber auf sehr eigenwillige, eigenartige Weise. Red Barchetta bedankt sich bei Gott, kritisiert den Zeitgeist, rapt über Wertgefühl und Angenommensein beim Schöpfer, philosophiert über den (geistlichen) (Lebens-) Traum und bringt ein Glaubensbekenntnis in Frageform an den Zuhörer. Im Schlußstück "Mr. Potemkin" (# 11) geht es darum, daß in christlichen Kreisen manchmal was vorgemacht wird (der Schein trügt) - so wie es eben potemkinsche Dörfer tun. Jesus ist nicht so, dies kommt zwischen den Zeilen aber raus!

Beinahe hätte ich es wieder vergessen: die mittlerweile obligatorische CD-ROM-Spur mit Videoclip! Dieses Mal gibt es eine live-Version des Titelsongs "Futirocker" und zwar aufgenommen hin zum und dann beim Balinger Rockfestival im April 2003. Echt lustich - einfach selber anschauen...

Fazit: Nicht nur für echte Futirocker ein genialer Soundtrack, auch für alle Rap-, Elektro- und Crossover-Freunde eine dringende Empfehlung für kommene Reinhör-Sessions. Red Barchetta-Fans und -Konzertbesucher kommen sowieso schwerlich an dieser inhaltlich dichten, musikalisch einfallsreichen Scheibe vorbei!


—David Decker für CCM-Rezis, Januar 2004

Daten:
12 Titel / 47 Min.
Musikstil: Rock, Rap, Ska
Label(s): 2003/2004 Pleitegeier Records, Karlsruhe / Asaph Musik, Lüdenscheid
Website: http://www.red-barchetta.de

weitere CDs - siehe Red Barchetta-Künstlerseite >>
 


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