toelz - ''fragments''toelz
"fragments"


   ( 2006 Ruuf Records / Asaph Musik; online )

»Wie lang, oh Herr,
willst Du Dein Angesicht vor mir verbergen?
Aber ich, ich vertraue auf Dich
und Deine Treue!
Oh mein Herr!
Mein Herz soll jubeln -
jubeln in Dir und Deiner Erlösung!
Ich will Dir singen, mein Herr«

~toelz 2006, aus "how long".

Es spricht für eine Band, wenn sie nicht schon kurz nach ihrer Gründung eine Platte vorlegt. Reifeprozesse brauchen Zeit und es ist besser eine richtig gute CD zu machen, als einen Schnellschuß. Das ist wohl ganz die Strategie von toelz gewesen, einer aufstrebenden Alternative-Band aus Süddeutschland.

Entgegen der Werbung ihres jungen Labels würde ich ihr Debüt "fragments" in meinem Plattenschrank jedoch prompt zwischen meine alten Schätze von Deitiphobia, Aleixa, Massivivid, Circle Of Dust oder gar The Echoing Green einordnen. Geniale Sounds eben. Nur mit dem Unterschied, daß toelz über die mit Abstand beste Stimme verfügen! Ich mag diesen Elektronika-Touch der Produktion absolut; und diese dazu vortrefflich harmonierenden Vokals von Martin Schabel sind hier wirklich das gewisse Etwas. Dabei sind ihm solche Sounds wohl gar nicht fremd, denn als er noch für Snubnose vor dem Mikro stand, legten sie seinerzeit ihr Abschiedsalbum "Jesus" vor, welches auch wunderbar Elektronika-infiziert daherrockte. Das ist einige Jahre her und man kann beide Bands bis auf die stimmlichen Verbindungen ansonsten eher schwerlich miteinander vergleichen. Dennoch, einstigen Fans sei auch die aktuelle Band ans Herz gelegt... ;-)

Wie auch immer, "fragments" zieht vom ersten Ton an in den Bann: von Daniel Konold und Tobias Kurrle (beide sind Ruuf-Labeleigentümer, Produzenten und Musiker für diverse Bands) präzise und detailreich produziert, hat die Band ihren Sound gefunden. Die Songs rocken, sind oft temporeich und begeistern durch herrliche Melodiebögen, Hooklines bzw. Refrains. Die flächigen Keyboard-Passagen, Instrumental-Solos, sowie Background-Effekte (z.B. bei "rain on me", # 6) tun ihr Übriges. Einziges Manko, was mir auffiehl, war das Schlagzeug (sei es live oder programmiert): im Klangteppich könnte es deutlicher platziert sein und auch druckvoller bzw. bassreicher daherkommen! Dennoch stört dies nicht den guten Gesamteindruck.

Die 13 von den Bandleuten selbstgeschriebenen (!) Stücke sind für ein Erstlingswerk schon erstaunlich ausgereift. Trotzdem liegt vielleicht im Songwriting noch das größte Zukunftspotential des Quartetts. In ihren Songtexten zeigen sich toelz schon jetzt von einer sehr poetischen Seite. Obwohl sie deutlich nachvollziehbare Themen verarbeiten, erdrücken sie den Hörer nicht mit Plattheiten und Klischees. toelz fordern heraus zum Nachdenken, lassen auch Raum für eigene Hörer-Interpretationen. Bei alledem verschweigen sie ihren christlichen Glauben nicht. Die Inhalte kreisen oftmals darum, den Seelenzustand nach außen zu kehren – es wird gerungen in der Beziehung des Gläubigen zu Gott. Es hat was Psalmhaftes, wenn Martin Schabel über einen schweigenden Gott singt ("how long"), der dennoch erhoben und angebetet wird ("to You"), dem aber auch menschliche Schwächen betend gebracht werden ("sometimes"). Die Motive von Schuld und Vergebung durchziehen gleich mehrere Stücke (z.B. "rain on me"; "forgive"). Doch ebenso gesellschaftliche Themen, wie die Berührung/ Abstumpfung durch Leid ("everywhere") und die 'Zeit für jedes Vorhaben' ("time"; inspiriert durch Prediger, Kap. 3) finden ihren Platz in den sehr glaubwürdigen Lyrics.

Bleibt als Fazit: "fragments" ist eine der herausstechendsten und besten Rock- bzw. Alternative-Produktionen aus Deutschland im Jahre 2006. Produktion, Gesang und handwerkliche Qualität überzeugen in der Endabrechnung durchweg. Es ist schön, wenn es ab und an solche Lichtblicke wie toelz gibt. Man kann der Truppe nur wünschen, daß sie noch lange so eine geniale Musik machen und dabei das eine oder andere feine Silberscheibchen vorlegen werden ;-)

Meine Anspieltips: "more of you" (# 1), "memories" (# 5), "where do we go" (# 12) und "how long" (# 13).


—David Decker für CCM-Rezis, Januar 2007


Seit 2001 macht Toelz die Musiklandschaft unsicher. Toelz-Frontmann ist kein geringerer als "Snubnose"-Sänger Martin Schabel.
Wer die CD in seine Stereo-Anlage legt, wird einen Mix aus U2, Skillet und Delirious hören. Die Songs sind mit harten Gitarrenriffs versehen, stehen auf einem groovenden Bass-Fundament und sind sehr dynamisch. Hinzu kommt die aussdrucksstarke Stimme von Martin Schabel. Immer wieder wechseln sich rockige und ruhige Passagen ab. So bekommt die CD ihren ganz eigenen Charakter. Beim ersten Hören klang die Scheibe eintönig und trist. Doch je öfter ich "fragments" spielen ließ, desto mehr entwickelten die Songs eine Schönheit und Tiefe abseits des Mainstreams.
Ein Werk mit Ecken und Kanten. Aber vielleicht ist "fragments" gerade deshalb ein erfreulicher Sonnenstrahl in der deutschen Musiklandschaft.
Bewertung: 4 von 6 Sternen ("ganz ok")

—Willi Pankratz für dennoch 1-2007 (Februar/März)

Daten:
13 Titel / 55 Min.
Musikstil: Alternative-Rock, Dance-Rock
Label(s): 2006 Ruuf Records, Ulm / Asaph Musik, Lüdenscheid; online
Website: http://www.toelz.tv
 


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