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 Projekt
/ Verschiedene
"chillout worship - das, was mich atmen lässt"

( 2004 Gerth Music / Gerth Medien
)
Zwar rühmt sich der Verlag Gerth Music etwas damit,
die erste christliche Chillout-Produktion aus Deutschland vorzulegen,
doch dem ist nicht so. Es gibt bisher mindestens eine Platte, die eher
erschien ("das Lobpreis Experiment Vol. #01", Tehillah-Records/
Asaph Musik). Außerdem gab es schon in den vergangenen Jahren einige
Songs, die - bewußt oder unbewußt - sich des Chillout-Genres
bedienten. Sei's drum, dem hessischen Label ist auf jeden Fall für
den Mut zu danken, daß sie sowas nun einmal unter offiziellem Titel
durchgezogen haben und auch ein gewisses Risiko mit der Veröffentlichung
eingegangen sind. Von beidem brauchen wir mehr in unserer Szene, um wirklich
die Kreativität zu fördern und zukünftig auch mehr Nachwuchstalenten
eine Chance zu geben.

Die Chillout-Szene ist in den letzten 15 Jahren weltweit stark angewachsen,
es ist fast wie eine eigene Industrie entstanden, mit Produktionen in
wirklich allen nur denkbaren Spielarten. In der englischsprachigen Hemisphäre
sind bereits in den letzten zehn Jahren christliche Produktionen in diesem
Stil erschienen - in allen drei Hauptbereichen: Ambient, Lounge und Chillout.
Wenn es gediegenen akustischen Folk-Pop mit Anbetungstexten gibt, warum
dann nicht auch das elektronisch beeinflußte und "hergestellte"
Pendant dazu? Eben. "Chillout worship" versucht nun genau das
zu leisten - mit ausschließlich deutschsprachigen Texten.

Was diese Platte gut macht, sind die gelungenen Arrangements. Sie pendeln
zwischen behutsamer elektronischer Rafinesse und live-Einspielung mit
Instrumenten. Hier hat Produzent Stefan
Weyel sehr gute Arbeit geleistet. Man merkt, daß er sich in
der elektronischen Musik auskennt. Was diese Platte nun wieder schlecht
macht, sind fast durchweg nicht überzeugende Gesangsarrangements.
Die Tracks sind praktisch durch den Gesang zugesetzt, er dominiert zu
stark. Bei guter Chillout-Musik sollten die Vocals voll integriert sein,
wie ein zusätzliches Instrument wirken, jedoch keinesfalls aufgesetzt.
Leider trifft letzteres hier zu. Teilweise erscheinen die Gesänge
wie Fremdkörper auf den Arrangements. Zudem passen Vocalisten wie
Linus Kraus und Arne Kopfermann absolut
nicht zu diesem Genre; ihre kratzigen Rockstimmen stören hier das
Hörerlebnis. Einzige Ausnahme: mit "nimm mich mit auf deine
Reise" legt Linus Kraus einen astreinen Soultrack in typischer Xavier
Naidoo-Manier hin! Die beiden Damen, Katrin Lauer (Kopfermann
Band) und Pamela Natterer, fügen sich weitaus besser in den Sound
ein, mit ihren klaren hellen Stimmen. Trotzdem kommen auch sie nicht an
die starken Vocals auf der oben genannten Produktion im Asaph-Vertrieb
heran. Für eventuelle zukünftige Produktionen in diesem Stil
würde ich bei den Sängerinnen Namen wie Carmen
Bode vom Janz Team, Steffi Neumann von trinity,
Jenny Hartmann von New Life oder auch gleich
Anja Lehmann ins Gespräch bringen.
Bei den männlichen Kollegen würden die Stimmen von ProJoe
oder Andreas Volz sicherlich ebenfalls
bessere Ergebnisse als die jetzigen Protagonisten hervorbringen.

Was bei dieser CD ebenfalls nicht überzeugt, ist die Liedauswahl:
Auf dem Cover heißt es: '13 bekannte Worship-Songs im Club-Sound'.
Was jedoch die Bekanntheit angeht, so können allenfalls "Vater,
ich komme jetzt zu dir" (# 1), "du hast Erbarmen" (# 6),
"bis ans Ende der Welt" (# 8) sowie "immer mehr" (#
13) mit hoher Popularität trumpfen. Die restlichen neun Stücke
sind eher Insidern in der charismatisch orientierten Lobpreis-Szene bekannt.
Viele der Lieder sind für dieses Genre überhaupt nicht geeignet,
mit ihren sperrigen Texten, die oft genug auf sprachlich fragwürdigem
Niveau stehen. Die schlechte Übertragung ins Deutsche wird bei "das,
was mich atmen lässt" (Original: "breathe" von Marie
Barnett, Vineyard-Bewegung) deutlich, das gestreckte Arrangement offenbart
sofort die Schwächen. So redet doch sonst niemand in unserem Land.
Die deutsche Übertragung, "Jesus, sei das Zentrum" (Original:
"be the centre", Vineyard UK),
präsentiert sich theologisch fragwürdig: Jesus wird hier mehr
wie eine transzendente Kraft beschrieben, die unser Leben ausschließlich
wohl zu machen hat. Daß der Herr eine Person ist, die eine Beziehungen
zum Mensch haben will, fällt unter den Tisch. Und das, wie gesagt,
alles unter dem Titel "Jesus, sei das Zentrum". Sollte man auch
mal drüber nachdenken.

Fazit: Diese CD hinterläßt einen zwiespältigen Einduck,
indem interessante musikalische Arrangements auf schlecht eingefügte
Gesänge und bisweilen unterdurchschnittliches Liedgut treffen. Man
kann nur hoffen und wünschen, daß Gerth den Mut aufbringt,
eine zweite Folge herauszubringen, dann aber mit einer besseren Songauswahl,
geeigneteren Vocalisten sowie einer einheitlichen Produktionstechnik.
Bis dahin muß jeder Hörer selbst entscheiden, ob diese Scheibe
hier was für ihn ist...
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