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 Projekt
/ Verschiedene (Oratorium)
"der Messias - Händel meets Pop"

( 1995 Pila Music / Hänssler-Verlag
)
Es war schon ein Wagnis. Ein paar Musiker der kleinen
deutschen CCM-Szene wollten Georg Friedrich
Händels Meisterwerk "verpoppen"? Manche haben da sicher schwarz gesehen...
...Doch heraus kam ein Werk, daß ich als eins der besten in Deutschlands
CCM-Szene bezeichnen würde. Es ist bis heute einzigartig und einmalig,
denn die Musicals und Oratorien von Johannes
Nitsch und Kumpanen können da nicht mithalten. Es ist auch nicht vergleichbar
mit bisherigen "Messias"-Versionen (meist aus den USA), denn es wirkt
absolut nicht aufdringlich oder überladen. Und gerade deshalb hatte es
auch diesen ungeahnten Erfolg und deshalb wurden mehrere Jahre später
noch Tourneen im deutschsprachigem Raum durchgeführt.
"Händel meets Pop" - das bedeutet, daß Händels Jahrhunderte altes Werk
seine Melodien behalten durfte, diese aber verpoppt wurden, also Orchestermusik
durch Pop-Elemente und -Instrumente ergänzt wurde. Die (Bibel-)Texte wurden
nur minimal von den Journalisten Andreas Malessa und Martin Buchholz verändert
und so verständlicher gemacht. Die Produktion von Florian Sitzmann und
Helmut Jost lebt von der völligen Hingabe
der erstklassigen Solisten: Etablierte wie Cae
Gauntt, Helmut Jost und Eberhard Rink
reihen sich hier neben die weniger Bekannten Robbin Casey und OneWayTicket-Sängerin
Angela Gerhold. Äußerst positiv
wirkt sich aus, daß diese fünf keine ausgebildeten Opernstimmen haben.
Der relativ kleine Chor, bestehend aus Cae, Hemi, Ebi sowie Ruth Wilson,
Frieder und Sabine Jost und dem Layna-Ehepaar Thea Eichholz-Müller und
Bernd-Martin Müller, steht den Solisten in keiner Weise nach; es fehlt
lediglich eine Sopran-Sängerin, die auch "richtig hochkommt". Die ausgeklügelten
Gesangsarrangements und die vielen Instrumental-Parts überzeugen.
Inhaltlich geht es bekanntlich um die Geschichte Jesu, angefangen bei
den Jesaja-Ankündigungen, endend bei der Auferstehung. Der "poppige Messias"
ist nicht so deutlich wie das Original in die drei Akte (Ankunft des Erlösers
/ Leiden / Auferstehungshoffnung) geteilt, doch stellt er dem Hörer immer
wieder deutlich die wichtigsten Aspekte der Geschichte Jesu vor Augen.
"Der Messias" beginnt mit einer von Lothar
Kosse arrangierten, (und somit) e-gitarren-lastigen Ouvertüre, in
der verschiedene Stücke des Oratoriums vorgestellt werden. Darauf folgend
singt Ebi Rink mit seinem glockenhellen Tenor "Tröstet diese Menschen"
und Hemi Jost in souliger, aber nicht übertriebenen Art "Alle Tale". Cae
Gauntt stellt mit "Doch wer kann ertragen" ihre Vielseitigkeit unter Beweis,
da sie den langsamen Beginn des Stückes wunderschön gefühlvoll interpretiert,
dann aber im poppigen Teil zeigen kann, daß sie beides drauf hat! Danach
singt die oft unterschätzte Angela Gerhold, von der man heute leider nix
mehr hört, "Steh auf, du Botin der Freude", das hiphoppige "Uns ist zum
Heil ein Kind geboren" geht in die Beine und mit "Seht an das Gotteslamm"
gibt es das einzige Instrumentalstück. In "Er war verachtet" und "Wahrlich,
Er litt unsre Qual" machen Robbin Casey bzw. Helmut Jost Jesu Leiden besonders
deutlich, beiden Sängern liegt ja diese gewöhnungsbedürftige "schluchzende
Art" (man muß hören, was ich meine). Mit "Doch Du ließest Ihn im Grabe
nicht", das von Eberhard Rink mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit
und von herrlichen Backings dargeboten wird, sowie "Wie lieblich ist der
Boten Schritt" und "Ich weiß, daß mein Erlöser lebt", beide gesungen von
Cae Gauntt, wird wieder Hoffnung verbreitet. Das abschließende "Halleluja"
war sicherlich am schwierigsten umzusetzen. Vom Arrangement und der Instrumentierung
her ist das m. E. gelungen, doch bei den Sopränen hapert es beim "Immer-höher-werden"
sichtlich.
Als Fazit kann ich nur sagen: Das muß man gehört haben!

Übrigens: Seit Ende 1998 (und vielleicht nicht mehr lange) ist ein TV-Live-Mitschnitt,
etwa eine Stunde lang, bei Pila erhältlich. Einem Oratorium gemäß gibt
es keine große Show, trotzdem ist das Video noch eindrücklicher als die
CD-Produktion. Sechs Titel fehlen leider, dafür gibt es aber vier zusätzliche:
das gospel-rockige "Die Menschen, die im Dunkeln leben" von Hemi Jost,
das soulige "Machet das Tor weit für den Herrn" von Robbin Casey (beide
Songs könnte man auf einer CD nicht so "einfangen", wie sie live begeistern!),
die Hymne "Würdig ist das Lamm" mit allen Solisten sowie das das "Halleluja"
einleitende "Er ist auferstanden". Im Gegensatz zur CD singt live ein
größerer Chor und Danielle Ewert-vanEs statt Angela Gerhold.
Auch hier kann ich sagen: Absolut empfehlenswert!
PS: Robbins Körpersprache ist immer so und nicht gekünstelt.
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