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Projekt / Christoph Zehendner & Freunde
"im Blick - neue Fenster in die Welt der Psalmen"

( 2004 Auf den Punkt-Musik / Brunnen
Verlag )
Das Autorenduo Christoph
Zehendner und Manfred Staiger legt hiermit das Nachfolgeprojekt zu
"Beziehungen" vor: "Im
Blick", das sind "neue Fenster in die Welt der Psalmen".
Standen vor vier Jahren eben mehr die Menschen und ihre Beziehungen zum
allmächtigen Gott im Mittelpunkt, so ist es nun Gott selbst. Dieses
Blick-Konzept bedingt eine weitere Vorstellung, die der Nähe. Wer
im Blick Gottes ist, der ist in Seiner Nähe. Und dort ist Wärme,
Geborgenheit, Heilung, aber mitunter auch Ermahnung oder Zorn. Es ist
immer wieder erstaunlich, wie real die Psalmen doch sind; wo diese beiden
Musikprojekte jeweils nur einen Aspekt herausstellen, den personellen
und den göttlichen.

Inhaltlich setzen sich die Lieder mit zwölf Psalmen auseinander.
Das Wachen Gottes über den Menschen klingt in mehreren Stücken
an ("im Blick", "weil Gott wacht"). Staunend und lobend
wird Gott verehrt, angebetet sowie gefeiert ("mein Leben lang",
"Staunen", "Hosianna"). Das Lied "herrlich"
bringt es auf den Punkt: »Herr, was du machst, ist herrlich,
vollendet, wunderschön. / Wer offen durch die Welt geht, kann es
mit Staunen sehn!« Die Texte zeigen auch sehr schön die
Verbindung von Altem und Neuem Testament auf, indem sie Prophetie aus
den Psalmen verarbeiten. "Schenk mir deine Gnade" zeigt die
Reue des Menschen und deutet Gottes Vergebungsbereitschaft und Barmherzigkeit
an, während "Gottes neue Welt" eine - dichterisch geniale
- Analyse der Jetzt-Zeit sowie einen Ausblick auf die Ewigkeit im Himmel
bietet.

Was bei der Musik auffällt: Sie klingt eine Idee moderner, jedoch
aufs Wesentliche reduziert. Keyboards (Manfred Staiger) und Gitarren (Peter
Schneider) werden komplettiert durch die Solisten sowie einen kleinen
Chor. Die Produktion hat Thomas Adam erledigt, besser gesagt: souverän
gemeistert! Christoph teilt sich die Solos dieses Mal "nur"
mit Njeri Weth. Das war eine wirklich gute Wahl, denn die Nachwuchssängerin
aus Deutschland hat eine der besten Soulstimmen, die ich bisher hörte.
Sie bringt ganz neue Akzente in die Musik, d.h. eine wirklich seelische
Tiefe, die im Zusammenklang mit den Texten den richtigen "Spirit"
ergibt. Der Mini-Chor besteht aus Thea Eichholz-Müller, Ulrike Ferdinand,
Eberhard Rink und Ingo Beckmann. Auch hier
fällt die Beschränkung auf Background-Vocals und Ad-Libs sehr
positiv ins Gewicht. Die Arrangements orientieren sich bisweilen stark
am modernen Soul, der ja in Deutschland mittlerweile ein Zentrum hat.
Deshalb auch die etwas stärkerere Betonung auf den Keyboards sowie
der beatreicheren Klänge.

Bereits beim Vorläufer-Album wurde mit einer Choralmelodie gearbeitet,
hier gibt es gleich eine zweifache Fortsetzung davon: Das Lied "schenk
mir deine Gnade" wurde neu getextet zur Melodie von "wie soll
ich dich empfangen" (Johann Crüger, 1653). Ebenfalls tief verwurzelt
ist "Staunen", welches als neuer Text auf der Melodie zu "Gott
ist gegenwärtig" (Joachim Neander, 1680) fußt. Diese beiden
"Choralsäulen" sind eine musikalische Wohltat auf der CD
und zeigen wieder einmal auf, wie groß unser Schatz an diesen Hymnen
doch ist. Dabei gelingt es Christoph die Textadaptionen behutsam einzupflegen,
sodaß man wirklich fast das Gefühl hat, das alte Lied zu hören,
obwohl das neue erklingt.

Während Christoph Zehendner alle Texte verfaßte, hat Manfred
Staiger in bewährter Weise die Musik komponiert. Ersterer besitzt
die Gabe der sanften und einfachen, dennoch aussagekräftigen Worte.
Letzterer bringt die Fähigkeit mit, Melodien einzufangen, die ebenfalls
die Sanftheit und bisweilen Zaghaftigkeit mitbringen, dafür aber
auch zeitlos klingen. Beides sind ideale Voraussetzungen, daß diese
neuen Lieder auch in den Gemeinden gesungen werden können. Nichts
aufdringliches, aufpeitschendes, sondern eher zurückhaltende Lieder,
die den Inhalt in den Vordergrund stellen. Eine Stärke der Texte
ist es, daß sie absolut verständlich und nachvollziehbar sind
- gerade in der heutigen Zeit. Es wurde sich bemüht, ein Stück
weit Antworten auf aktuelle Zeitfragen zu finden. Die Lieder bieten viel
Trost im Angesicht von innerer Not und Leiden in unserer ach so modernen
kleinen Welt.

Übrigens, im Unterschied zum Vorgänger erscheint "im Blick"
nicht mehr bei Pila/ Hänssler, sondern auf dem eigenen Label der
Herren Zehendner & Staiger, 'Auf den Punkt-Musik'. Der Vertrieb erfolgt
über den Brunnen-Verlag. Damit bleibt auch weiterhin sichergestellt,
daß die Zielgruppe der Gemeinden erreicht wird. Die Booklet-Gestaltung
geht teilweise neue Wege, behält aber einige bekannte Elemente bei.
Besonders erfreulich: Nun sind wieder alle Liedtexte direkt im CD-Booklet
integriert worden. Außerdem gibt es ja abermals ein kleines Begleitbüchlein
zum Projekt, welches neben den Liedtexten 15 originelle Beiträge
zu Psalmen enthält. Diese ganz persönlichen Eindrücke bzw.
Erlebnisse wurden von "frommen Prominenten" verfaßt (Bischof
Gerhard Maier, Andreas Malessa, Jürgen
Werth, Sarah Kaiser u.a.), genauso
wie von ganz normalen Zeitgenossen, die nie im Rampenlicht stehen (Anke
Kallauch, Renate Wolf, Hartmut Hühnerbein, Ute Paul u.a.).

Fazit: Dieses neue Projekt rund um die Jahrtausende alten Psalmen verdient
meine ganz besondere Empfehlung. Es ist moderne geistliche Musik, die
hohes sprachliches Niveau mit kreativer und gemeindetauglicher Musik verbindet.
Im Mittelpunkt steht jedoch die inhaltliche Tragweite, die jedem Hörer
persönlich was zu sagen hat und sich dabei auf tiefe biblische Wahrheiten
gründet. Man (und Frau) sollte dieses Album auf jeden Fall im Blick
haben - und im Ohr natürlich!
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