Projekt / Various - ''The Passion Of The Christ Songs - original songs inspired by the film''Projekt / Various
"The Passion Of The Christ Songs - original songs inspired by the film"


   ( 2004 Lost Keyword/Wind-up; Sony / Asaph Musik )

Nach dem offiziellen Soundtrack ('Score') und einem Sampler-Pprojekt zum Mel Gibson-Film "Die Passion Christi" (Original: 'The Passion Of The Christ') gibt es mittlerweile auch ein inspieriertes Album dazu. Da hört man zwölf neue Songs, die eigens rund um das Thema 'Kreuz' geschrieben wurden. Interpretiert von verschiedenen christlichen wie säkularen Künstlern aus Amerika ergibt sich ein sehr interessantes Konzeptalbum.

Third Day sang zusammen mit Steven Curtis Chapman und MercyMe "I see love" ein, wo es um das Kreuz als Symbol für Liebe geht. Ein fetzig-rauher Radiorocksong mit dem entsprechenden "Southern Flair". Musikalisch knüpft da Scott Stapp an. Der einstige Creed-Frontmann macht nun solo weiter und zeigt mit "relearn love", daß er auch ohne seine Kollegen wie seine alte Band klingt... Er bekennt sich nach vielen Spekulationen in den vergangenen Jahren nun erstmals offen zu seinem christlichen Glauben. Das Lied fordert auf, lieben neu zu lernen - selbstlos, nach dem Vorbild des Sohnes! Den aus meiner Sicht schwächsten Beitrag des Albums liefern P.O.D. ab - musikalisch wie inhaltlich äußerst fade. So schnell wie die Hookline im Ohr ist... ups, schon wieder draußen! Dafür legen Brad Paisley und Sara Evans einen sehr berührenden Titel vor: "new again" erzählt im entspannten Country-Folk-Stil aus der Perspektive von Jesus und seiner Mutter Maria bei der Kreuzigung - was sie gedacht und gefühlt haben könnten. Ob die beiden Koriphäen der Nashviller Country-Szene jedoch auch selbst Christen sind, weiß ich bislang nicht. Wie auch immer, beide singen ein herrliches Duett und einen der stärksten Songs der gesamten Platte!

Big Dismal legt als einziger Interpret zwei Stücke vor: "rainy day" ist ein netter Rocksong mit einem weniger gelungenen Text. "Reason I live" ist eine würdige Schlußballade mit starker Aussage - auch wenn die Band sich nicht traute "Gott" oder "Jesus" auch mal wörtlich zu nennen. Der kraftvollste, zugleich nachdenklichste Liedtext steckt in "how many lushes" von Kirk Franklin & Yolanda Adams: die beiden Gospelprofis singen von den Striemen Christi, die zu unserer Heilung wurden, um es einmal mit einem bekannten Ausdruck der deutschen Bibelübersetzung zu sagen (vgl. Jesaja, Kap. 53!). Der Text stellt Fragen nach dem 'Warum?' - und gibt Antworten! Musikalisch weniger getragen, dafür punkig, kommt MxPx zusammen mit Mark Hoppus von Blink 182 daher. Ihr Song geht ab; präsentiert textlich starke Bilder und Aussagen, wenngleich man sie kaum zuordnen kann, wer oder was wirklich gemeint ist.

Ein weiteres Highlight stellt "the passion" von Lauryn Hill dar: eine Art puristischer Unplugged-Gospel, nur mit Percussion eingespielt und darauf der leidenschaftliche Gesang von Lauryn, der mehr ausdrückt als es Instrumente könnten! Die Katholikin verleiht ihrer Sehnsucht nach echter, ausgelebter Liebe eine Stimme. Wer für die Sängerin "Sie" sind, bleibt allerdings offen. Wünscht sie sich mehr Liebe unter den Menschen allgemein oder besonders unter den Christen? (Wahrscheinlich beides!) "Finding my own way" von Charlotte Church erklingt als ein leicht eingehender Popsong. Wußte gar nicht, daß die Klassik-Sirene auch das gut beherrscht! Kündigt sich da eine neue Sarah Brightman an? Ungeachtet dessen sollte Charlotte in Zukunft weniger textliche Belanglosigkeit runterträllern, denn ihr Text ist ähnlich tröge wie der von P.O.D. und paßt nicht auf dieses Werk!

Für noch ein Gospelschmankerl in Duettform haben BeBe Winans und Angie Stone gesorgt. "To give love" präsentieren den Gospelaltmeister und das Talent im Bereich New Soul in Hochform. Im Lied wird der Aspekt des Wunders betont und dabei auch die Tatsache der Auferstehung nicht ausgespart. Dan Lavery, ansonsten mit der Rockgruppe Tonic, schrieb ein Lied über die Quintessenz dessen, was der Passion-Film für ihn aussagte: Liebe, Liebe zu geben. Es ist ein einfaches Lied, mit einer simplen, aber treffenden Botschaft. Es regt den Zuhörer zur Positionsbestimmung an und vermittelt Hofffnung, auch wenn es Gott nicht direkt nennt. Musikalich ist es schnörkelloser amerikanischer Rock mit einer Prise New Country drin, Third Day lassen grüßen...

Während sich thematisch die "Liebe" wie ein roter Faden durch das Projekt zieht, so gibt es musikalisch erfreulicherweise keine Festlegung. Die Mischung aus Modern-Rock, New Country, Folk und Gospel ist absolut gelungen und auf einem hohen musikalischen Niveau angesiedelt. Nur der Punk-Rock von 'MxPx meets Bling 182' fällt an dieser Stelle etwas aus dem Rahmen und hätte vielleicht nicht sein müssen. Zudem darf man fragen, ob alle beteiligten Interpreten wirklich schon dieses Kreuz Christi in ihrem Leben angenommen haben. Ich hoffe und wünsche es! Denn irgendwie ist ja diese unbekümmerte Zusammenkunft von christlicher mit säkularer Musikszene nicht so oft der Fall und dann noch bei diesem Thema. Dennoch überzeugen die meisten Lieder allein durch ihre Aussagen und das ist ja letztlich entscheidend.

Fazit: Ein musikalisch vielseitiges Albumprojekt, das geistig und emotional anregt, dabei aber nicht unbedingt das erwartete klischeehafte Filmscheibchen bringt. Diese Passion-Songs sind ein sehr behutsamer Zugang, um sich erstmals oder wieder mit dem Geschehen um das Kreuz Christi - und etwaige persönliche Konsequenzen daraus - zu befassen.


—David Decker für CCM-Rezis, Dezember 2004

Daten:
12 Titel / 51 Min.
Musikstil: Modern-Rock, Roots, Gospel
Label(s): 2004 Lost Keyword Records/Wind-up Records, USA / Sony Music
             Deutschland, Berlin / Asaph Musik, Lüdenscheid; 'Plattenläden'; online
Website: http://www.passionsongs.com  /  'Passion-Film'  /  'Die Passion'
 


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