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Sampler / Various - ''WOW Hymns''Sampler / Various
"WOW hymns – 30 modern & classic hymns from today's top artists"


   ( 2007 Word / Provident-Integrity; EMI-CMG /
      Hänssler-Verlag/SCM; online )

Ziemlich spät geht WOW mit der Doppel-CD "30 moderne und klassische Hymnen der Topkünstler unserer Tage" auf das Hymnen-Revival ein. Dabei hatten die Verantwortlichen bei Word, EMI und Provident – wie schon jene bei Integrity ("Hymns 4 Worship", 2005) – keine Bedenken, Altes und Neues, Live- und Studioaufnahmen, ja sogar Hymnen und Nicht-Hymnen in einen Sack zu stecken. Doch lassen wir die Labelpolitik besser beiseite und hören genauer hin, wie alte Gemeindelieder für den Massengeschmack upgedated werden ...

Besonders beliebt ist das Hinzufügen eines Refrains, der ausdauernd wiederholt wird, wie in "The Wonderful Cross", zu hören in Michael W. Smiths Live-Version mit Chor von 2002. Oder man unterlegt sie "very british" mit Gitarrenschlaufen und mehr oder weniger stur durchzählendem Schlagzeug wie etwa Matt Redman in seiner anheizenden Triff-Gott-im-Rockkonzert-Version von "Here Is Love". Beide Ansätze verschmilzt Steven Curtis Chapman in "Holy, Holy, Holy". Bewährt haben sich auch weiche Pop-Arrangements mit souligem Gesang wie Brian Littrells "I Surrender All". Während die plumpen Coldplay- und U2-Nachahmungen ihren Reiz allmählich verlieren, wirken derart gefühlvolle Darbietungen länger frisch. So auch Selahs feierliches "There Is A Fountain" (noch mit Nicol Sponberg), auch wenn es nicht die beste ihrer "Greatest Hymns" (2005) ist. Wenig überzeugt das verkitschte "For The Beauty of The Earth", in dem ich die sonst so peppigen Harmonien von BarlowGirl vermisse. Eine erstaunliche A-cappella-Nummer ist dagegen "All Hail The Power of Jesus' Name" von Point of Grace.

Choräle lassen sich auch modernisieren, indem eine effektreiche Soundkulisse programmiert wird wie im (unpassend) sinnlich gesäuselten "Fairest Lord Jesus" (Natalie Grant). Diesen Ansatz – noch etwas rockiger – kennt man auch von Rebecca St. James ("It Is Well With My Soul"). "All Creatures of Our God and King" von Bethany Dillon und ihrem Schwager Shawn McDonald entwickelt sich aus ätherischen Klangwolken in einen genial verschlungenen Soundtrack. Andererseits erfreut sich auch Acoustic/Folk einer steigenden Beliebtheit, weil er im digitalen Zeitalter für authentisches Musizieren steht. So zu hören im mehrstimmigen, Violinen-umspielten "’Tis So Sweet To Trust In Jesus" (Casting Crowns) oder im rau und archaisch anmutenden "All The Heavens" (Third Day), das eigentlich eine Hymnen-Nachahmung ist. "This Is My Father's World" (Amy Grant) verschmilzt routiniert Folk und Pop. Ein Sax-Solo ist das Tüpfchen auf dem i im beschwingten "Trust and Obey" (Big Daddy Weave).

Besonders gelungen dünkt mich Nichole Nordemans Zugang: Sie schrieb zum Refrain von "Just As I Am" eigene Strophen in ihrer nachdenklichen Art, die sie zu einer verwehten Klavier-Malerei daherhaucht. Neue Verse erfand auch Building 429 im folk-rockig verwitterten "Grace That Is Greater". Extra für WOW im Studio stand neben Brian Littrell, Casting Crowns, Point of Grace und Building 429 zudem Mark Schultz. Der Pianoman und Geschichtenerzähler – bisher nicht für Hymnen bekannt – macht aus "Come Thou Fount" eine streicherreiche Ballade ΰ la Smitty. Nicht fehlen durften Experten wie Fernando Ortega ("Be Thou My Vision" von 1998), der sich schon vor dem Hype für alte Glaubenslieder stark machte; Jars of Clay, von deren beliebten "Redemption Songs" (2005) das dringliche "I Need Thee Every Hour" erklingt, und Bart Millard, der mit seinem Country-satten Soloalbum "Hymned No. 1" 2005 vorübergehend aus dem MercyMe-Pop ausscherte. Sein zartes, von Gitarre, Bass und Dobro geradezu liebkostes "Old Rugged Cross" ist ein besonderer Moment. Ein Klavier und seine warme Stimme genügen Chris Rice im schlicht-andächtigen "Rock of Ages" von der letztjährigen CD "Peace Like A River".

Die fünf Tracks von der Inspired-by-CD zum Film "Amazing Grace" dürften noch wenig bekannt sein. Aber mussten gleich drei der Passion-Live-Einspielungen von 2004 aufgewärmt werden, darunter Christy Nockels zugegeben einnehmendes "Praise To The Lord, The Almighty"? Auch befremdet es, dass WOW mit "Wonderful Maker" (Jeremy Camp) und "Take My Life" zwei Chris-Tomlin-Songs einschmuggelt. Ein Streitfall wäre auch "In Christ Alone" (Newsboys). Ich bin allerdings überzeugt, dass dieses hymnische Lied von Keith Getty & Stuart Townend, das sich innert kurzer Zeit zum Klassiker gemausert hat, noch gesungen wird, wenn die heutigen "Worship-Stars" längst verklungen sind. – Im Booklet staunt manch einer der Interpreten über die Aussagekraft seines Liedes und über das Gottvertrauen, das frühere Hymnenschreiber(innen) in grössten Lebenskrisen in Verse fassen konnten, die nun seit Generationen in den Herzen anderer weiterleben.

Fazit: Auch wenn Namen wie Crystal Lewis, Ashley Cleveland oder Cece Winans fehlen, ist das Line-up dieses Hymnen-Samplers beachtlich, und es erklingen einige sehr schöne, auch kreative Interpretationen alter Glaubenslieder. Die Lied-Auswahl ist nicht ganz nachvollziehbar und hätte besser ausfallen können.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, November 2007

Daten:
Doppel-CD / 30 Titel / 127 Min.
Musikstil: Hymnen, Worship-Pop
Label(s): 2007 Word Entertainment, USA / Provident-Integrity Distribution,
               EMI-CMG, USA / Hänssler-Verlag/SCM, Holzgerlingen; online
Website: http://www.wowhymnsonline.com

Wo kaufen?:
bei Kir Music (CH)  /  Amazon (D)

weitere CDs & Infos – siehe WOW Serie-Projektseite >>
 


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