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 Virgin
"boomerang"

( 2003 Virgin Band / Eigenverlag
)
Im Jahre 1999 erschien das vielbeachtete Debüt "soon
comes the day" der Frauenrockband aus Wetzlar, 2001 der gereifte
Nachfolger "2nd chance". So weit, so gut. Doch dann kam die
Band und ihr damaliger Vertrieb etwas in die Gerüchteküche bzw.
in die Schlagzeilen. "Menscheln" kann es überall einmal,
davor ist keine Band und keine Firma gefeit. In dieser Zeit vollzog Asaph
Musik jedenfalls die
Trennung von der Formation, diese machte aber weiter ihre Musik wie
bisher. Was auch immer war, als Christen haben wir die Möglichkeit
alles unters Kreuz Christi zu bringen! Keine Augenwischerei und kein "unter-den-Teppich-kehren",
sondern ein Neuanfang ist möglich. Virgin
machen jetzt alles selber, angefangen von der Produktion, über den
Vertrieb bis hin zur Vermarktung. Vielleicht werden jetzt etwas kleinere
Brötchen gebacken, doch das veränderte Konzept ist nicht schlechter,
eben nur anders. Neu ist zum Beispiel der persönliche Rück-
und Ausblick der Band auf den ersten Booklet-Seiten. So wird die Verbindung
zum Hörer noch intensiver gesucht.

Ich freue mich, daß nun 2003 doch eine dritte CD dieser originellen
Band erschien, sie wieder mit ihren Managern und Songschreibern kreativ
gearbeitet hat. Als Frucht dieses Wirkens liegt jetzt "boomerang"
vor - eine etwas andere Rockplatte, aber in jedem Falle bodenständig.
Und es ist wieder eine "christliche" Platte: Die Bandmitglieder
singen weiter über ihre Beziehung zu Gott und den christlichen Glauben,
trotzdem haben sie das Ziel ihre Musik in die säkulare Szene zu tragen
und vielleicht auch irgendwann von der Musikarbeit leben zu können.
Dies ist zu würdigen! Musikalisch gibt es hier eine Kombination aus
dem Sound der beiden Vorgängeralben zu hören, dazu einen Ausbau
des Rockanteils. Die fetzigen, härteren Stücke haben einen starken
80er-Jahre-Einschlag, teilweise denkt man die "weiblichen Petra"
zu hören ("all or nothing", # 12). Etwa die Hälfte
der 14 Lieder sind ruhigere Popsachen bzw. Balladen und hier kann die
Band gut ihre gefühlvolle Seite nach außen kehren. Auf jeden
Fall stimmt die Mischung, das Album ist abwechslungsreich und bietet einen
guten Unterhaltungswert. Übrigens: Es gibt auf dem Silberling auch
eine neue Version der Ballade "rivers" (# 9) zu hören,
im Original bereits auf der Vorgänger-CD "2nd
chance" erschienen!

Am Interessantesten ist wohl, daß Virgin im Booklet schreiben, daß
dies nun endlich "ihr" Sound, den sie schon immer haben wollten.
Und sie haben tatsächlich die Platte selbst produziert, mit Schützenhilfe
von zwei Produzenten in einem Gießener Studio. Die Mädels lassen
es gerne krachen und wollen keinen süßlichen Girlie-Pop machen.
Mit solch einer Einstellung dürften sie schon mal alle Sympathie
auf ihrer Seite haben ;-) Ich bin daher echt gespannt, was als nächstes
von Virgin auf Silberscheibe kommt!

Was den "Botschaftswert" angeht, so ist eigentlich alles beim
alten. Es wird viel über Gefühl, Erfahrungen und (Liebes-) Beziehungen
nachgedacht und gesungen. Doch in "all or nothing" wird auch
klar gesagt, daß man sich letztlich nicht auf die Gefühle verlassen
kann, sondern nur auf Jesus und daß man Ihm nachfolgen sollte. Wohl
diesbezüglich das klarste Lied auf der Platte. Ansonsten hätte
man gerne noch offener reden können, viele Texte kratzen ein wenig
an der Oberfläche oder beschäftigen sich einfach mit der Band
selber, dem 'auf-Tour-sein'. Nicht schlecht, aber da wäre vielleicht
noch mehr drin gewesen. Dafür ist die Sprache einfach verständlich,
nachvollziehbar und echt. Vielleicht gehört zu diesem Reifen und
dieser Bodenständigkeit auch, daß man sich neu auf die kleinen
Dinge im Leben besinnt. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls beim Beschäftigen
mit den Liedern auf "boomerang".

Fazit: Kein Boomerang im eigentlichen Sinne ("Rückschlag"...),
stattdessen als gelungenes "Comeback". Virgin macht nun restlos
alles selbst und gibt dabei eine gute Figur ab. Wer über kleinere
Schwächen bei der Produktion hinwegsehen kann, bekommt mit dem dritten
Album der fünf jungen RockerINNEN ein zeitloses Stück handgemachte
Musik in die Hände, bzw. den Player!
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